Aktualisiert 20.12.2017 07:50

Weibchen reiten gerne

Darum haben japanische Affen Sex mit Hirschen

Affe und Hirsch, wie passt denn das zusammen? Ein Forscherteam hat das tierische Treiben in den japanischen Wäldern jetzt eingehend studiert.

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Mangelnder Enthusiasmus des Partners ist für viele Menschen der Abturner schlechthin im Bett. Rollige Affenweibchen in Japan lassen sich davon aber nicht stören – auch nicht davon, dass ihr Objekt der Begierde nicht einmal zur selben Spezies gehört.

Forscher um Jean-Baptiste Leca von der kanadischen University of Lethbridge haben sich mehrere Monate im Wald des japanischen Mino-Quasi-Nationalparks auf die Lauer gelegt und das Verhalten von rund 170 Rotgesichtsmakaken (Macaca fuscata) eingehend studiert.

Wie das Team in den «Archives of Sexual Behaviour» schreibt, sind es vor allem pubertierende Weibchen, die zu den heimischen Sikahirschen (Cervus nippon) eine ganz ungewöhnliche Beziehung pflegen. Diese wären «sexueller Natur», sind sich die Wissenschaftler sicher – zumindest seitens der Affen.

Konkurrenz ist gross

Dabei springen die Makaken-Weibchen auf den Rücken der Paarhufer, sitzen dort, kämmen das Fell und reiben ihre Genitalien an dem Haar des Wilds. Unter den wachsamen Augen der Forscher kam es im Verlauf mehrerer Wochen zu insgesamt 258 solcher Schäferstündchen. Stellenweise wurde die «Reiterin» sogar von Konkurrentinnen verjagt, die anschliessend ihren Platz auf dem Hirsch einnahmen.

Die Sikahirsche blieben von dem wilden Treiben auf ihrem Rücken unbeeindruckt. Wenn es ihnen doch mal zu bunt wurde und sie davonzogen, versuchten die heranwachsenden Weibchen ihre Eifersucht zu wecken. Sie hüpften und kreischten wild herum, als ob sie Sex mit einem Affenmännchen hätten.

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Japanische Makakenweibchen pflegen Beziehungen «sexueller Natur» mit ausgewachsenen Sikahirschen.

Japanische Makakenweibchen pflegen Beziehungen «sexueller Natur» mit ausgewachsenen Sikahirschen.

Gunst et al., Arch Sex Behav 2017
Soweit sind sich die Wissenschaftler sicher – zumindest seitens der Affen.

Soweit sind sich die Wissenschaftler sicher – zumindest seitens der Affen.

Screenshot Youtube
Die Weibchen reiten offenbar gerne auf den Paarhufern, ziehen an deren Geweihen und reiben ihre Genitalien an deren Rücken. Ob es sich dabei nur um einen flüchtigen Trend oder ein neues kulturelles Phänomen handelt, ist allerdings noch unklar.

Die Weibchen reiten offenbar gerne auf den Paarhufern, ziehen an deren Geweihen und reiben ihre Genitalien an deren Rücken. Ob es sich dabei nur um einen flüchtigen Trend oder ein neues kulturelles Phänomen handelt, ist allerdings noch unklar.

Screenshot Youtube

Ein kulturelles Phänomen?

«Diese sexuellen Beziehungen zwischen Affen und Hirschen könnten eine neue Verhaltenstradition in Mino begründen», wird Noëlle Gunst, eine Autorin der Studie im britischen «Guardian», zitiert. Ob es sich dabei nur um einen flüchtigen Trend oder ein kulturelles Phänomen handelt, ist allerdings noch unklar.

Auch über den Grund dieses schrägen Verhaltens können die Forscher nur mutmassen. Möglicherweise würden sie damit für den späteren Geschlechtsverkehr mit echten Affen üben, da das viel sicherer sei, als sich den aggressiven Männchen auszusetzen, mutmassen die Studienautoren.

Es könnte auch eine Ersatzhandlung sein, sollten sie keinen richtigen Partner finden – oder sie haben einfach Gefallen an der sexuellen Befriedigung gefunden.

Weitere Studien sollen sich mit der kuriosen Symbiose der Schneeaffen und Sikahirsche beschäftigen. Erst im Januar wurde eine Studie veröffentlicht, die die höchst ungewöhnliche Sex-Beziehung eines Makaken-Männchens mit einer Sikahirschkuh auf der südlichen Insel Yakushima dokumentiert (siehe Video unten). Die speziesübergreifende Affäre galt lange als Einzelfall – bis jetzt.

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