Aktualisiert 07.11.2018 20:59

Geheimnis enthülltDarum haben Schweizer so grossartigen Sex

Ein neues Buch stellt fest: Der Ruf der Schweizer, schlechte Liebhaber zu sein, ist unbegründet.

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Ein neues Buch geht der Frage nach, warum die Schweizer so grossartigen Sex haben. 20 Minuten hat die wichtigsten Gründe zusammengefasst.

Ein neues Buch geht der Frage nach, warum die Schweizer so grossartigen Sex haben. 20 Minuten hat die wichtigsten Gründe zusammengefasst.

1. Die offene Kultur im Bad: Die Sex-Hochburg im Jahr 1417 war offenbar Baden AG. Im Thermalbad sollen selbst die Geistlichen alle Skrupel verloren haben.

1. Die offene Kultur im Bad: Die Sex-Hochburg im Jahr 1417 war offenbar Baden AG. Im Thermalbad sollen selbst die Geistlichen alle Skrupel verloren haben.

2. Der Pragmatismus der Bauern: Kein Sex vor der Ehe, das war im 19. Jahrhundert eigentlich klar – zumindest, solange die Sonne schien. Nachts drückte man ein Auge zu, denn Nachwuchs war willkommen.

2. Der Pragmatismus der Bauern: Kein Sex vor der Ehe, das war im 19. Jahrhundert eigentlich klar – zumindest, solange die Sonne schien. Nachts drückte man ein Auge zu, denn Nachwuchs war willkommen.

Schweizer gelten nicht als besonders heissblütig oder leidenschaftlich, sondern eher als pünktlich, organisiert und höflich – keine gute Voraussetzung, um beim Liebesspiel zu punkten, könnte man meinen. Umso überraschter war Autor Ashley Curtis, als 2013 eine Studie die Schweizer zu den weltweiten Sex-Meistern kürte – kein anderes Volk war so zufrieden mit der eigenen Leistung im Bett.

Der aus den USA eingewanderte Schriftsteller machte sich daran, das Geheimnis zu lüften: Er durchforschte Archive, sprach mit Sexologen und befasste sich mit Schweizer Traditionen. Nun ist sein Buch mit dem Titel «Warum haben die Schweizer so grossartigen Sex?» erschienen (hier erhältlich). 20 Minuten hat die sieben wichtigsten Gründe für Sie zusammengefasst:

1. Die offene Kultur im Bad

Die Sex-Hochburg im Jahr 1417 war offenbar Baden AG, wenn man dem Bericht des Kardinalstaatssekretärs Poggio Bracciolini (Vater von 14 Kindern mit seiner Geliebten und weiteren sechs mit seiner Ehefrau) Glauben schenken will. Dies dank dem namensgebenden Thermalbad. «Alle, die verliebt sind, alle, die auf Freiersfüssen gehen (eine Ehefrau suchen, Anm. d. Red.), alle, für die das Leben im Genuss sich gründet, eilen hierher um zu geniessen, was sie sich erwünschen.» Im Bad sehe man zahllose sehr schöne Frauen ohne Mann, es gebe wohl nirgends auf der Welt ein Bad, das «für die Fruchtbarkeit der Frauen förderlicher wäre». Selbst bei Äbten, Mönchen, Ordensbrüdern und Priestern würden hier «sämtliche religiösen Skrupel verfliegen».

2. Der Pragmatismus der Bauern

Kein Sex vor der Ehe, das war im 19. Jahrhundert eigentlich klar – zumindest, solange die Sonne schien. Ein verbreiteter Brauch war der so genannte Kiltgang, bei dem laut dem Historischen Lexikon der Schweiz «Männer nachts einzeln oder in Gruppen heiratsfähige Mädchen zu Hause besuchten, sei es durch Einstieg in ihre Kammern oder Zusammensein in der Stube». Erst gab der Mann laut dem Maler Niklaus König eine «Zärtlichkeitsrede» ab, dann kletterte er zu der Dame durchs Fenster ins Zimmer, wo sie ihn mit einem Kirschwasser erfrischte. «Alles weitere geht dann (wie man sagt) in der grössten Zucht und Ehrbarkeit zu!», so der Maler. Im Dorf tolerierte man den Brauch, weil das Paar mit einer vorehelichen Schwangerschaft schon einmal beweisen konnte, dass die Nachfolge im Bauernhof geregelt war.

3. Pioniergeist bei der Homosexualität

Nicht in Paris oder London, sondern in Glarus wurde im 19. Jahrhundert eine Lanze für die Homosexualität gebrochen. 1836 publizierte Heinrich Hössli, ein bekannter Hutmacher im Kanton Glarus «Eros – die Männerliebe der Griechen». Es war die erste Monografie über Homosexualität in der modernen westlichen Welt. Hössli argumentierte, dass Homosexualität nicht als Verbrechen bestraft, als Krankheit behandelt oder als Sünde verdammt werden sollte. Der Kanton Glarus verbot allerdings die Publikation und die meisten Exemplare des Buchs fielen einem Brand zum Opfer.

4. Sexboxen und Sexkoffer

Zurück zur Gegenwart: Leicht verwundert zeigt sich der Autor über den Umgang mit der Prostitution in Zürich: «In einer Art Drive-in kann man mit einer der wartenden Prostituierten Sex in seinem Auto haben, ausserdem gibt es dort ein Café, eine Wäscherei und Duschen für die Sexarbeiterinnen.» Auch der Basler Sexkoffer mit Holzpenis und Plüschvagina wird thematisiert: «Die Schweizer Sexualerziehung scheint zu wirken. Das Land hat die weltweit niedrigste Quote von Teenager-Schwangerschaften.»

5. Eine hohe sexuelle Bildung

Eine gute Bildung attestiert den Schweizern auch Sexberaterin Caroline Fux: «Der Schweizer Liebhaber hat eine gute sexuelle Bildung, viel Wissen, was als sexuelle Kompetenz nicht zu unterschätzen ist», lässt sie sich im Buch zitieren.

6. Gleichberechtigung

Ein weiterer Faktor ist laut Fux, dass die Schweizer sehr offen mit Sex umgehen: «Wir sind gleichberechtigt, also darum bemüht, dass der Sex für beide gut ist.»

7. Treue

Frauen, die von einem Latin Lover träumen, der auf seinem Motorrad mit ihnen davonbraust, sollten sich vielleicht weiter südlich umsehen. Was den Sex wirklich toll mache, sei ohnehin nicht eine solche Motorrad-Entführung. «Wenn Menschen an grossartigen Sex denken, haben sie oft Fantasien von One-Night-Stands», wird ein Durex-Sprecher im Buch zitiert. «Doch unsere Untersuchung belegt, dass man sich eher mit einem festen Partner sicher genug fühlt, um Neues auszuprobieren und über Fantasien zu sprechen, was wiederum zu mehr Intimität und sogar besserem Sex führt.»

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