«Die Mitte der Schweiz»: Darum hat es in Oftringen fast 400 leere Wohnungen
Aktualisiert

«Die Mitte der Schweiz»Darum hat es in Oftringen fast 400 leere Wohnungen

Oftringen ist der Ort mit der höchsten Quote leer stehender Wohnungen der Schweiz. 20 Minuten war dort und hat sich umgesehen.

von
I. Strassheim
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Die Gemeinde Oftringen von oben.

Die Gemeinde Oftringen von oben.

Gemeinde Oftringen
Erstvermietung: Ganz in der Nähe stehen neue Blockwohnungen in Ocker. Laut Gemeindepräsident Hanspeter Schläfli liegt der Ausbaustandard meistens im mittleren bis gehobenen Bereich. Wohnungen mit niedrigem Standard blieben länger leer.

Erstvermietung: Ganz in der Nähe stehen neue Blockwohnungen in Ocker. Laut Gemeindepräsident Hanspeter Schläfli liegt der Ausbaustandard meistens im mittleren bis gehobenen Bereich. Wohnungen mit niedrigem Standard blieben länger leer.

20Min
Hier hat sich schon jemand eingenistet, das zeigen die Palmen auf dem Gartensitzplatz.

Hier hat sich schon jemand eingenistet, das zeigen die Palmen auf dem Gartensitzplatz.

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Am Stichtag 1. Juni 2018 waren in Oftringen AG 379 Mietwohnungen frei. Bezieht man auch die noch nicht verkauften Eigentumswohnungen ein, lag die Leerstandsquote damit bei 6,4 Prozent. Was ist los in dem Städtchen mit seinen fast 14'000 Einwohnern?

Wohnungsbau: Überall in der Gemeinde wimmelt es von Kränen und Neubaugebieten. Meist stehen oder entstehen dort drei- bis vierstöckigen Flachdachblocks, meistens in Pastellfarben und weiss getüncht, manchmal aber auch in einem kräftigen Ockerton. Die Preise liegen zum Beispiel bei 1760 Franken für 3,5 Zimmer oder 1260 Franken für 2 Zimmer. «Die finden garantiert Mieter», sagt Gemeindepräsident Hanspeter Schläfli. Die hohe Leerstandsquote komme vor allem dadurch zustande, dass zum Stichtag eine Überbauung mit hundert Mietwohnungen gerade erst fertig geworden sei.

Lage: «Genial - zentral» ist Oftringens Motto. Man könnte auch sagen «Ort am Nord-Süd- und Ost-West-Autobahnkreuz der Schweiz». Und zentral im Mittelland mit der Jurakette in Sichtweite und bei schönem Wetter mit Fernblick auf die Alpen. Anders als das nur wenige Kilometer entfernte Olten ist Oftringen jedoch nicht das Drehkreuz für Züge, es hat noch nicht einmal einen eigenen Bahnhof.

Nahe bei der Natur: Obwohl so viel gebaut wird, zeichnet Oftringen ein spezielles Gleichgewicht aus: Ein Drittel der Gemeindefläche ist Wald, ein Drittel Landwirtschaftsland und ein Drittel Bauzone, das heisst dort stehen schon Häuser oder es wird noch gebaut. «An jedem Punkt des Ortes ist man zu Fuss in 10 Minuten in der Natur», sagt Ammann Hanspeter Schläfli zu 20 Minuten.

Deshalb wird in Oftringen so rasant gebaut

Der Gemeindeammann von Oftringen Hanspeter Schläpfli im Interview. Video: 20 Minuten

Gemeindeammann Hanspeter Schläfli sagt, warum in Oftringen so viel gebaut wird.

Einkaufsmöglichkeiten: Die Hauptstrasse durch Oftringen lässt ein wenig USA-Feeling aufkommen: Links und rechts ist sie von riesigen Shoppingcentern gesäumt, und über der Strasse hängen die Autobahnwegweiser. Auf der einen Seite liegt der Baumarkt Obi, und auf der anderen Seite direkt gegenüber wird gerade die A1-Shoppingmall umgebaut mit einem riesigen Bauhaus-Baumarkt als neuem Ankermieter.

Wahrzeichen: Oftringen hat eines der höchsten Hochhäuser der Schweiz. Der EO Turm steht seit 1970 und strahlt einen grau-tristen Charme aus. Darin hat es Wohnungen, unten finden sich eine grosse Migros und – schon wieder – eine kleine Einkaufsmall.

Bordelle: Autobahnfahrern ist Oftringen vor allem aufgrund eines roten Leuchtherzen bekannt. Es strahlt direkt auf die A1. Wer aber meint, Oftringen sei vor allem ein Rotlichtbezirk, täuscht sich. Trotz des Verkehrskreuzungspunkts gibt es – laut Taxifahrer mit einschlägigem Wissen – nur zwei Bordelle: das eine an der Autobahn sowie noch ein diskret verstecktes am anderen Ende des Städtchens.

Schulen und Kindergärten: Oftringen hat in den letzten drei Jahren rund 30 Millionen Franken für neue Schulen und Kindergärten ausgegeben. Ein Schulhaus und sechs Kindergärten sind gerade neu entstanden. Und die Gemeinde ist schon wieder dabei, den zu erwartenden weiteren Zuwachs und Bedarf zu klären.

Steuersatz: Der Steuerfuss liegt bei 113 Prozent. Das ist in etwa Mittelmass, also weder ein Grund, nach Oftringen zu ziehen, noch einer, nicht hinzuziehen. Die Gemeinde würde die Steuern gerne senken, sagt Ammann Hanspeter Schläfli (FDP). Das geht aber nicht, denn wegen der vielen Neubauten braucht sie Geld für neue Kindergärten und Schulen.

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