Überlastete Spitäler – Darum hat Hongkong derzeit die höchste Corona-Todesrate der Welt

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Überlastete SpitälerDarum hat Hongkong derzeit die höchste Corona-Todesrate der Welt

Täglich sterben in der chinesischen Sonderverwaltungszone über 280 Personen an Covid-19. Und das, obwohl sich die Anzahl der Neuansteckungen pro Tag auf einem ähnlich hohen Niveau bewegt wie in der Schweiz. Die Epidemiologin Nicola Low erklärt die Hintergründe.

von
Daniel Krähenbühl
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Die Omikron-Variante breitete sich in den letzten Tagen und Wochen rasant aus. 

Die Omikron-Variante breitete sich in den letzten Tagen und Wochen rasant aus. 

REUTERS/Lam Yik
Das Gesundheitssystem und die Krankenhäuser sind überlastet.

Das Gesundheitssystem und die Krankenhäuser sind überlastet.

REUTERS/Tyrone Siu
Aufgrund der steigenden Zahlen hatte Hongkong zuletzt alle Gerichtsverfahren ausgesetzt und zudem die Wahl eines neuen Regierungschefs verschoben.

Aufgrund der steigenden Zahlen hatte Hongkong zuletzt alle Gerichtsverfahren ausgesetzt und zudem die Wahl eines neuen Regierungschefs verschoben.

REUTERS/Tyrone Siu

Darum gehts

  • Hongkong vermeldet derzeit die höchste Corona-Todesrate weltweit.

  • Die rapide Ausbreitung der Omikron-Variante sorgt in der chinesischen Sonderverwaltungszone für eine massive Überlastung der Krankenhäuser.

  • Doch wieso verzeichnet Hongkong trotz einer ähnlich grossen Bevölkerung und ähnlich hohen Ansteckungszahlen deutlich mehr Todesfälle als die Schweiz? Die Epidemiologin Nicola Low gibt Antwort. 

Die Omikron-Welle trifft Hongkong hart: Da den Leichenhallen der Platz ausgeht, stapeln sich die Leichensäcke in Kühlcontainern von Bestattungsunternehmen und Spitälern. Auch die Behörden sind überlastet: Gerichtsverfahren wurden ausgesetzt, die Wahl eines neuen Regierungschefs verschoben.

Obwohl sich die Anzahl der Neuansteckungen pro Tag auf einem ähnlich hohen Niveau bewegt wie in der Schweiz, ist die Sterblichkeitsrate so hoch wie nirgends sonst auf der Welt: Während in der vergangenen Woche 90 Personen in der Schweiz wegen Covid-19 ums Leben gekommen sind, verzeichnete Hongkong in der gleichen Zeitspanne über 1900 Todesfälle.

Ein «perfekter Sturm»

Doch wie kommt es, dass Hongkong bei einer mit 7,4 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern vergleichbar grossen Gesamtbevölkerung wie jener der Schweiz deutlich mehr Todesfälle verzeichnet? Nicola Low, Epidemiologin an der Universität Bern, spricht von einem «perfekten Sturm»: «Aufgrund der lange erfolgreichen Null-Covid-Strategie mit sehr langen Isolations- und Quarantäneperioden konnten nur geimpfte Personen eine Immunität aufbauen.» 

Zwar hätten sich 85 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner Hongkongs mindestens einmal impfen lassen. Nachdem die Omikron-Welle Hongkong erreichte, habe sich die ansteckende BA.2-Variante durch die sehr hohe Bevölkerungsdichte trotzdem extrem schnell verbreiten können, sagt Low. «Vor allem viele ältere und ungeimpfte Personen steckten sich rasch mit dem Virus an.» Da über 65 Prozent der über 80-Jährigen in Hongkong nicht geimpft seien, sei es zu vielen schweren Verläufen und Todesfällen gekommen. Zum Vergleich: In der Schweiz sind fast 80 Prozent der über 80-Jährigen geimpft und geboostert. «Der Fall Hongkong zeigt, wie wichtig es vor allem für vulnerable Personen ist, sich zu impfen und zu boostern», sagt Low. 

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel.  058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.chRatgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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