Aktualisiert 04.01.2013 22:44

Der Mobil-Koloss

Darum hat Samsung die Nase vorn

Nokia war 14 Jahre der grösste Handy-Hersteller. Apple prägte den Smartphone-Markt. Jetzt aber ist Samsung am Drücker – und die Südkoreaner sind weiter auf Expansionskurs.

von
Oliver Wietlisbach

2012 hat Samsung die Dominanz von Nokia gebrochen. Erstmals kommt der weltgrösste Mobiltelefon-Hersteller aus Asien und nicht wie die letzten 14 Jahre aus Europa. Bei uns steht die Marke Samsung für Unterhaltungselektronik wie Smartphones, Tablets oder TV-Geräte. Der Konzern mit rund 227 000 Mitarbeitern mischt aber auch in ganz anderen Branchen mit: Haushaltsgeräte, Versicherungen, Chemie, Schiff-und Motorenbau um nur die wichtigsten zu nennen. Selbst der älteste Vergnügungspark in Südkorea gehört zur Samsung-Gruppe.

Mit den Galaxy-Smartphones haben die Koreaner einen Volltreffer gelandet, die Marke Samsung erlangte weltweite Bekanntheit. Wer Anfang 2012 Samsung-Aktien gekauft hat, darf sich heute die Hände reiben. Rund 420 Millionen Handys und Smartphones soll der südkoreanische Mischkonzern 2012 verkauft haben.

2013 wird die Konkurrenz abgehängt

Im laufenden Jahr wollen die Asiaten die Konkurrenz endgültig abhängen. 510 Millionen Mobiltelefone sollen laut «Korea Times» 2013 in den Samsung-Farbriken von den Fliessbändern laufen, davon 390 Millionen Smartphones. Das wäre eine Steigerung von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Etwas konservativer sind die Marktforscher von Gartner, die mit 250 bis 300 Millionen produzierten Smartphones im laufenden Jahr rechnen. Das gewaltige Tempo, das die Asiaten vorlegen, illustrieren die folgenden Zahlen: 2011 verkauften die Südkoreaner 97 Millionen Smartphones nach 24 Millionen 2010 und 0,6 Millionen 2009.

Samsung baut Produktion aus

Gemäss der koreanischen Zeitung nutzt Samsung für die künftig angestrebten Produktionsmengen Fabriken in Vietnam, China, Indien und Korea. Um die Produktionskosten zu senken und die Lieferzeiten zu verkürzen, soll Samsung in den Bau weiterer Produktionsanlagen in Vietnam nochmals 2,2 Milliarden US-Dollar investieren. Mit diesem Tempo kann derzeit kein Konkurrent Schritt halten. Mit 28 Prozent Marktanteil bei den Smartphones hat Samsung dem Apple-Konzern (20 Prozent) in wenigen Jahren den Rang abgelaufen.

Zwar könnten vermutlich auch Apple und Nokia mehr Smartphones verkaufen, sie können aber derzeit schlicht nicht ausreichend Geräte fabrizieren. Das Problem zu geringer Produktionskapazitäten zeigt sich aktuell insbesondere bei Nokia. Das neue Flaggschiff Lumia 920 ist in zahlreichen Ländern gar nicht oder nur schwer zu bekommen. Treffen Nachlieferungen ein, erhalten die einzelnen Läden nur geringe Mengen.

Produktionsprobleme bei Nokia?

Bereits Mitte Dezember berichteten asiatische Medien, dass Nokia nur 20 000 Lumia 920 pro Tag in seinen chinesischen Fabriken herstellen könne, also monatlich lediglich 600 000 Geräte. Da die Finnen mit allen Mitteln Marktanteile gewinnen wollen und müssen, kann die These verworfen werden, dass Nokia das Angebot künstlich verknappt.

Im Internet machen daher Spekulationen die Runde, dass Nokia die Nachfrage unterschätzt und logistisch falsch geplant habe. Denkbar ist zudem, dass es bei der Produktion einen Flaschenhals gibt. Kann nur ein Bauteil nicht in genügend grosser Menge besorgt werden, verzögert sich die Herstellung des ganzen Smartphones. Das Tech-Portal bgr.com mutmasst daher, dass Nokia zuwenig Prozessor-Einheiten vom Chip-Hersteller Qualcomm geliefert bekommt.

Apple strebt die Kontrolle an

Da Samsung und Apple derzeit mit Abstand am meisten Komponenten kaufen, werden sie von den Zulieferern vermutlich bevorzugt. Kleinere Hersteller wie Nokia, Sony oder HTC haben daher das Nachsehen, wenn Apple oder Samsung auf Einkaufstour sind. Smartphone-Titan Samsung hat zudem den Vorteil, wichtige Teile wie Prozessoren oder Displays selbst zu fabrizieren. Auch Apple geht daher immer mehr den Weg, möglichst viele Bauteile selbst herzustellen, um die Abhängigkeit von Zulieferern (wie Samsung) zu verringern.

Mit eigenen Produktionsstätten, der Übernahme von Zulieferfirmen und Verkaufsstellen wie den Apple Stores, können die Smartphone-Hersteller die Kontrolle über den Produktions- und Verkaufsprozess erlangen. Die Strategie birgt jedoch auch Gefahren: Eigene Fabriken und Läden verursachen auf lange Zeit hohe Fixkosten. Bricht die Nachfrage ein, fallen die Kosten weiter an, da eigene Produktionswerke oder Verkaufsstellen nicht ohne Weiteres abgestossen werden können.

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