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Bombenanschlag AfghanistanDarum hatten die Selbstmord-Attentäter das Hotel Baron im Visier

In Kabul sind am Donnerstagnachmittag kurz hintereinander zwei Bomben explodiert. Eine davon in unmittelbarer Nähe eines bekannten Hotels. Die Hintergründe.

von
Reto Heimann
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In Kabul sind innert Kürze am Donnerstagnachmittag zwei Bomben hochgegangen.

In Kabul sind innert Kürze am Donnerstagnachmittag zwei Bomben hochgegangen.

AFP
Mindestens 20 Menschen verloren dabei ihr Leben.

Mindestens 20 Menschen verloren dabei ihr Leben.

AFP

Darum gehts

  • In Kabul explodierten am Donnerstag innert Kürze zwei Bomben. Dahinter soll der IS stecken.

  • Eine Bombe detonierte ganz in der Nähe eines Hotels, das als eines der bestgesichertsten in Kabul galt.

  • Deshalb wurde es von den westlichen Staaten als Versammlungsort für Personen, die gerettet werden sollten, genutzt.

Am späten Donnerstagnachmittag Schweizer Zeit gingen am Flughafen Kabul zwei Bomben hoch. Nach derzeitigen Erkenntnissen ist die erste Bombe am Abbey Gate am Eingang zum Flughafen explodiert. Kurz danach detonierte beim Hotel Baron eine zweite Bombe. Es sollen bei den Anschlägen mindestens 20 Personen getötet und über 50 verletzt worden sein.

Es soll sich um terroristisch motivierte Selbstmordattentate handeln. Offiziell zu den Anschlägen bekannt hat sich noch niemand, man vermutet aber die Terror-Miliz IS hinter dem Anschlag. Bei den Anschlägen sollen US-Soldaten und Kinder das Leben verloren haben.

Warum hatten die Terroristen das Baron Hotel im Visier? Gemäss der britischen Online-Zeitung «The Independent» wurde das Hotel, das sich nur wenige hundert Meter südlich des Kabuler Flughafens befindet, von verschiedenen westlichen Staaten als Stützpunkt genutzt.

Das Hotel ist unter anderem darum beliebt, weil es als eines der am besten gesicherten in der afghanischen Hauptstadt gilt. Das Hotel selbst bezeichnet sich offenbar als «eines der prestigeträchtigsten Sicherheitsprojekte in Kabul.» So ist das Hotel von einer vier Meter hohen Schutzwand umzäunt und besitzt fünf Wachttürme.

Dazu kommt: Die Security wird von einer privaten US-amerikanischen Sicherheitsfirma sichergestellt. Wohl genau deshalb wurde das Hotel in den vergangenen Tagen immer wieder dazu verwendet, Afghaninnen und Afghanen, die ausser Landes gebracht werden sollten, zu sammeln. Wie die Nachrichten-Agentur AFP berichtet, wurden «wegen der chaotischen und gefährlichen Lage am Flughafen» einige von ihnen mittlerweile mit dem Helikopter weggebracht. SRF-Journalist Pascal Weber, einer der renommiertesten Nahost-Korrespondenten weltweit, kommentierte auf Twitter:

Der «Guardian» konnte mit einem afghanischen Studenten sprechen, der von Grossbritannien eine Aufenthaltsbewilligung erhalten hatte. Dennoch entschied er sich dazu, nicht das Baron Hotel aufzusuchen – dieser Entscheidung verdankt er nun vermutlich sein Leben.

«Sie lassen uns im Stich»

«Wegen des hohen Risikos blieb ich zuhause und wartete auf die Antwort der Botschaft für einen Evakuationsplan. Dieser ist ausgeblieben, ich bin enttäuscht. Sie haben mir versprochen, mich zu retten, aber nun lassen sie uns in dieser schwierigen Zeit im Stich.»

Die Anschläge am Flughafen Kabul waren erwartet worden. Der Oberbefehlshaber über die britischen Streitkräfte James Heappey warnte Stunden vor dem Anschlag, es würden «sehr, sehr glaubwürdige Berichte über ein bevorstehendes Attentat» existieren. Er riet sowohl Afghaninnen und Afghanen als auch den eigenen Streitkräften, den Flughafen Kabul zu meiden. Kurz vor dem Anschlag war bereits ein italienisches Rettungsflugzeug unter Beschuss geraten.

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