Stoff aus Magic Mushrooms - Darum helfen halluzinogene Pilze bei Depressionen und Angstzuständen
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Stoff aus Magic Mushrooms Darum helfen halluzinogene Pilze bei Depressionen und Angstzuständen

Der Stoff Psilocybin, der Drogenpilzen die psychedelische Wirkung beschert, gilt schon länger als heisser Kandidat gegen Depressionen. Unklar war bislang aber, warum sie positiv auf die Psyche wirken.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Magic Mushrooms – so werden Pilze bezeichnet, die die psychoaktive Substanz Psilocybin enthalten. Doch sie können nicht nur Halluzinationen und Horrortrips auslösen, sondern werden auch als mögliche Therapie von Depressionen diskutiert. 

Magic Mushrooms – so werden Pilze bezeichnet, die die psychoaktive Substanz Psilocybin enthalten. Doch sie können nicht nur Halluzinationen und Horrortrips auslösen, sondern werden auch als mögliche Therapie von Depressionen diskutiert.

imago images/Science Photo Library
So haben mehrere Studien, bei denen die Substanz kontrolliert und in winzigen Dosen verabreicht wurde, gezeigt, dass sie die betroffenen Personen positiv beeinflussen.  Wie diese Wirkung zustande kommt, war bislang allerdings unklar. 

So haben mehrere Studien, bei denen die Substanz kontrolliert und in winzigen Dosen verabreicht wurde, gezeigt, dass sie die betroffenen Personen positiv beeinflussen. Wie diese Wirkung zustande kommt, war bislang allerdings unklar.

Wikimedia Commons/Thomas Angus, Imperial College London/CC BY-SA 4.0
Forschende um Alex Kwan von der Yale University im US-Bundesstaat Connecticut bringen nun Licht ins Dunkle. 

Forschende um Alex Kwan von der Yale University im US-Bundesstaat Connecticut bringen nun Licht ins Dunkle.

Yale University

Darum gehts

  • Forschende sind hinsichtlich der Wirkung der psychedelischen Substanz Psilocybin bei Depressionen einen grossen Schritt weitergekommen.

  • Sie konnten erstmals zeigen, was im Körper nach der Einnahme des Stoffs passiert: Sie bewirken eine sofortige und lang anhaltende Zunahme der Verbindungen zwischen den Neuronen.

  • Diese Verbindungen sind bei Personen mit Depressionen und Angststörungen deutlich reduziert.

Die psychedelische Substanz Psilocybin, die in einigen Pilzen natürlich vorkommt und das Bewusstsein verändert, wird seit Jahren als mögliche Behandlung von Depressionen untersucht. Studien haben gezeigt, dass Mikrodosen davor helfen, schwere Depressionen oder Ängste zu lindern. Doch wie genau die Substanz aus den sogenannten Magic Mushrooms im Gehirn wirkt und wie lange die positiven Ergebnisse anhalten könnten, ist noch unklar.

Nun liefern Forschende der Yale University im US-Bundesstaat Connecticut erste Hinweise: In ihrer im Fachjournal «Neuron» veröffentlichten Studie zeigen sie, dass eine einzige Dosis Psilocybin bei Mäusen innerhalb von 24 Stunden «eine sofortige und lang anhaltende Zunahme der Verbindungen zwischen den Neuronen» bewirkt.

«Eine echte Überraschung»

«Wir sahen nicht nur eine zehnprozentige Zunahme der Anzahl der neuronalen Verbindungen, sondern auch, dass diese im Durchschnitt um zehn Prozent grösser waren, sodass die Verbindungen auch stärker waren», erklärt Studienleiter Alex Kwan, ausserordentlicher Professor für Psychiatrie und Neurowissenschaften. Weiter wies sein Team nach, dass diese Verbindungen die Dichte der sogenannten dendritischen Stacheln erhöhen. Das sind kleine Ausstülpungen auf Nervenzellen, die bei der Übertragung von Informationen zwischen Neuronen helfen. Von den neuronalen Verbindungen weiss man, dass sie durch chronischen Stress und Depressionen reduziert werden.

Die Forschenden beobachteten, dass die Veränderungen auch noch einen Monat später vorhanden waren. Ausserdem zeigten Mäuse, die Stress ausgesetzt waren, Verhaltensverbesserungen und eine erhöhte Neurotransmitter-Aktivität, nachdem sie Psilocybin erhalten hatten. «Es war eine echte Überraschung, solch anhaltende Veränderungen von nur einer Dosis Psilocybin zu sehen», sagt Kwan. «Diese neuen Verbindungen könnten die strukturellen Veränderungen sein, die das Gehirn nutzt, um neue Erfahrungen zu speichern.»

Keine Experimente

Allgemein raten Expertinnen und Experten auch vom Verzehr der «Zauberpilze» ab: Schon vor einigen Jahren warnte die Gift-Informationsstelle Toxinfo Suisse, dass Psilocybin nicht nur euphorisch wirkt und Halluzinationen auslöst, sondern auch zu Horrortrips führen kann. Zudem könnten die Rauschzustände sehr lange dauern oder immer wieder aufflackern. Weiteres Problem: Die Menge Psylocybin variiert von Pilz zu Pilz, wodurch es schwierig ist, die Droge zu dosieren.

Dass man die Drogenpilze auch nicht spritzen sollte, zeigt der Fall eines 30-Jährigen aus den USA. Der Mann injizierte sich einen Magic-Mushroom-Sud und landete mit Organversagen im Spital. Er überlebte nur knapp.

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