15.10.2020 13:13

Polizei ermittelt wie bei KriminellenDarum ist das Contact-Tracing in Südkorea so erfolgreich

Wohnungen werden durchsucht, Kreditkartenabrechnungen und Videoüberachungsmaterial geprüft: So funktioniert das Contact-Tracing bei Corona-Infizierten in Südkorea.

von
Katja Fässler
1 / 5
In Südkorea gehen die Behörden und effizient gegen das Coronavirus vor: Ein Einsatzteam reinigt und desinfiziert eine öffentliche Anlage in Südkorea. 

In Südkorea gehen die Behörden und effizient gegen das Coronavirus vor: Ein Einsatzteam reinigt und desinfiziert eine öffentliche Anlage in Südkorea.

keystone-sda.ch
Nach dem klassischen Tracing im Falle einer infizierten Person setzt das digitale Tracing ein und die Polizei kommt mit verschiedenen Massnahmen zum Einsatz. 

Nach dem klassischen Tracing im Falle einer infizierten Person setzt das digitale Tracing ein und die Polizei kommt mit verschiedenen Massnahmen zum Einsatz.

keystone-sda.ch
Die Polizeiarbeit führt so weit, dass ein Einsatzteam zum Wohnort der Erkrankten Person ausgesandt wird. 

Die Polizeiarbeit führt so weit, dass ein Einsatzteam zum Wohnort der Erkrankten Person ausgesandt wird.

keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Südkorea setzt auf ein sehr umfangreiches Contact-Tracing.
  • Dabei kommt sogar die Polizei zum Einsatz.
  • Die Vorgehensweise verletzt aus westlicher Sicht die Privatsphäre der Betroffenen.

Schnell, präzis und intensiv: So sieht das Contact-Tracing in Südkorea aus. Die zuständige Gesundheitsbehörde beginnt bei einer mit dem Coronavirus infizierter Person zunächst einmal mit dem klassischen Tracing. Es wird nach den letzten Aufenthaltsorten der Person und nach den letzten Kontakten gefragt. Können so nicht alle Daten ermittelt werden, nimmt die Polizei das digitale Tracing auf, wie es in einem Artikel der «NZZ» heisst.

Zunächst wird das GPS-Signal des Smartphones des Infizierten ausgewertet. Reichen diese Daten nicht aus, wird ein Einsatzteam zu dessen Wohnort ausgesandt. Dort werden Kreditkartenzahlung und öffentliche Überwachungskamera-Aufnahmen geprüft. Die Strategien sind mit jenen zu vergleichen, mit denen mutmassliche Kriminelle gesucht werden, wie die Nationale Polizei in einem Werbevideo auf Youtube erläutert.

Mit den gewonnen Informationen werden Warnungen an die Smartphones jener versendet, die den Weg erkrankten Person gekreuzt haben könnten. Auch werden teilweise Informationen ins Internet gestellt, damit sich Personen über einen möglichen Kontakt informieren und danach selbst isolieren und testen lassen können.

Der Kritik aus westlicher Sicht, dass damit die Privatsphäre der Menschen verletzt wird, halten die Behörden entgegen und behaupten, die Anonymität bleibe gewährleistet. In Wahrheit aber fänden viele Nutzer mit den weitreichenden Informationen die Identität der jeweiligen Personen heraus, wie die «NZZ» weiter schreibt. Auf diese Weise würden Affären, Prostitution und sexuelle Neigungen aufgedeckt. In Südkorea, dem Land mit einer der höchsten Suizidraten weltweit, eine gefährliche Ausgangslage.

Coronavirus in Südkorea

Südkorea konnte zuletzt einen Abwärtstrend bei den Neuinfektionen mit den Coronavirus verzeichnen. Seit Montag können landesweit als Hochrisiko-Orte eingestufte Einrichtungen wie Nachtclubs, Karaokebars, Buffetrestaurants und Fitnessstudios wieder öffnen, sofern Masken getragen und Gästelisten geführt werden. Aktuell sind insgesamt 24’988 Fälle und 439 Todesfälle bekannt.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
33 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Sepp

15.10.2020, 16:19

All dies wird hier auch kommen, daher nix mit App.

Mike ZH

15.10.2020, 15:25

Nein danke. Die Stasi oder Gestapo etc. hätten dort wohl noch ins Training gehen können. Da hohle ich mir lieber ein Corona im Keller.

Willi T.

15.10.2020, 15:06

Dann Nagle ich mein Iphone an den Pfahl, sauber mit Maske und Hut