Aktualisiert 28.01.2019 08:50

Smartphone killt FernseherDarum ist das Handy das bessere TV

Viele schauen Filme und Serien lieber auf dem kleinen Handy-Display statt auf dem grossen hochauflösenden Fernseher. Warum?

von
R. Lieberherr

Schaust du Filme auf dem Smartphone oder TV? Video: eke

Drei Teenager-Mädchen sitzen auf dem Bett, starren ins Handy und gucken zusammen ihre Lieblingsserie. «Paradox. Endlich haben wir einen grossen HD-TV, aber meine Töchter schauen Serien und Blockbuster lieber auf dem kleinen Handy-Display», wundert sich Markus* (42). Was beim Vater für Kopfschütteln sorgt, ist ein stetig wachsender Trend: Bei den Jugendlichen löst das Smartphone den klassischen Fernseher ab.

«Das ist definitiv so. Gerade bei den 12- bis 19-Jährigen hat sich der Konsum vom klassischen Fernseher aufs Smartphone verlagert», bestätigt Céline Külling, Medienpsychologin der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). 2012 schauten 80 Prozent der Jugendlichen noch täglich oder mehrmals pro Woche TV am klassischen Gerät, 2018 waren es nur noch 69 Prozent (siehe Box).

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5. März: Das Computer Security Incident Response Team (CERT) der Melde- und Analysestelle Informationssicherung (Melani) warnt vor einem aktuellen Phishing-Fall. Betrüger würden mit gefälschten E-Mails im Namen von der Postfinance versuchen, an Zugangsdaten von E-Banking-Kunden zu gelangen. ...

5. März: Das Computer Security Incident Response Team (CERT) der Melde- und Analysestelle Informationssicherung (Melani) warnt vor einem aktuellen Phishing-Fall. Betrüger würden mit gefälschten E-Mails im Namen von der Postfinance versuchen, an Zugangsdaten von E-Banking-Kunden zu gelangen. ...

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... Bei der in der Browserzeile zu sehende Adresse Postfinonce-logln.biz handle es sich um eine Phishingseite. Verdächtige E-Mails oder Websites können auf Antiphishing.ch gemeldet werden, so die Behörde auf Twitter.

... Bei der in der Browserzeile zu sehende Adresse Postfinonce-logln.biz handle es sich um eine Phishingseite. Verdächtige E-Mails oder Websites können auf Antiphishing.ch gemeldet werden, so die Behörde auf Twitter.

Keystone/Christian Beutler
4. März: Bei seiner Entwicklerkonferenz im vergangenen Jahr hatte Facebook versprochen, den sogenannten Dark Mode für den Messenger einzuführen. Jetzt scheint das Feature endlich auf dem Smartphone verfügbar zu sein. Wer den Nachtmodus nutzen will, kann ihn aber nicht einfach über die Einstellungen aktivieren, sondern muss ihn «verlangen». Das geht, indem man das Mondsichel-Emoji versendet. Tippt man im Anschluss wiederholt darauf, startet eine Animation. Anschliessend erhält man die Nachricht, dass man den Nachtmodus freigeschaltet hat. Das Feature kann nun in den Einstellungen aktiviert werden.

4. März: Bei seiner Entwicklerkonferenz im vergangenen Jahr hatte Facebook versprochen, den sogenannten Dark Mode für den Messenger einzuführen. Jetzt scheint das Feature endlich auf dem Smartphone verfügbar zu sein. Wer den Nachtmodus nutzen will, kann ihn aber nicht einfach über die Einstellungen aktivieren, sondern muss ihn «verlangen». Das geht, indem man das Mondsichel-Emoji versendet. Tippt man im Anschluss wiederholt darauf, startet eine Animation. Anschliessend erhält man die Nachricht, dass man den Nachtmodus freigeschaltet hat. Das Feature kann nun in den Einstellungen aktiviert werden.

20M

Doch aus welchen Gründen ziehen Jugendliche das Handy dem hochauflösenden Fernseher vor? 20 Minuten hat mit ihnen gesprochen.

Mehr Komfort

Svea (16): «Ich schaue vor allem Netflix. Das ist auf dem Handy viel einfacher zu bedienen als bei unserem TV.»

Mara (19): «Es ist praktisch. Das Handy ist immer dabei. Ob im ÖV oder auf dem WC – ich kann alles schauen, wann und wo ich gerade will.»

Noah (17): «Ich streame im Zug oft Serien aufs Handy – und gucke sie dann daheim weiter. Streamen ist bei unserem TV äusserst mühsam.»

Mehr Privatsphäre

Phillip (20): «Ich habe keine Lust, mit der Familie vor der Glotze zu sitzen. Ich habe lieber meine Ruhe und schaue sowieso andere Sachen als meine Eltern und Brüder.»

Alexandra (19): «Ich schaue lieber eingekuschelt in meinem Bett als in der Stube auf dem Sofa. So stört mich niemand.»

Mehr Freiheit

Nora (18): «Wenn ich auf dem Handy TV-Sendungen oder Serien gucke, kann ich nebenbei noch kochen, lernen oder Sport machen.»

Magalie (18): «Wir haben gar keinen TV mehr zu Hause, weil ihn niemand mehr benutzt hat. Jeder schaut Filme, TV oder Serien auf seinem Laptop oder Handy.»

Mehr Möglichkeiten

Nadine (17): «Wir haben kein Netflix auf dem TV, darum schaue und streame ich vorwiegend auf dem Laptop.»

Alessia (18): «Meistens sitzen meine Eltern oder Schwestern bereits vor dem grossen Bildschirm. Aber ich kann gut damit leben. Ich streame sowieso vorwiegend Serien übers Handy, das ist mir beim TV zu kompliziert.»

Medienpsychologin Külling begründet die Verlagerung aufs Handy auch mit dem Nutzungsstil: «Die Jugendlichen sind so unabhängig. Sie können jederzeit und an jedem Ort ihre liebsten Inhalte konsumieren. Das Handy ist ihr ständiger Begleiter und vereint alles an einem Ort: Unterhaltung, Infos, Chats – am liebsten nutzen sie vieles davon gleichzeitig.» Dass die TV-Branche auf aufwendige Produktionen in HD-Qualität setzt, hält die Jugend nicht davon ab, diese auf kleinen Bildschirmen zu konsumieren. «Die Auflösung auf dem Handy ist fast so gut wie auf dem Grossbildschirm – alles ist gestochen scharf. Warum sollte ich also wechseln?», sagt Ryan* (16).

Wie schädlich ist das kleine Display für die Augen?

Dass seine Töchter dauernd auf den kleinen Display starren, bereitet Vater Markus Sorgen: «Das ist sicher nicht gesund, schädigt die Augen viel mehr als bei einem grossen Fernseher», ist er überzeugt. Experten sprechen dabei vom «digitalen Sehstress» oder «Gamer Eye»: Blickt man lange auf einen PC- oder Handy-Bildschirm, blinzelt man automatisch weniger. Die Folge sind müde, trockene oder juckende Augen. Verursacht werden sie durch das blaue Licht der Leuchtdioden (LED), die in vielen Handy-Displays für die Hintergrundbeleuchtung sorgen.

«In experimentellen Ansätzen hat sich gezeigt, dass blaues Licht starken Schaden an Netzhaut und Sehzellen hervorrufen kann», sagte Netzhautforscher Christian Grimm von der Uni Zürich. Dieser Schaden sei irreparabel, weil abgestorbene Sehzellen nicht mehr ersetzt werden. Der Betroffene sieht dann schlechter. Wie viel blaues Licht notwendig ist, um einen Schaden am Auge zu verursachen, sei aber nicht klar definiert, so Grimm.

Gemäss der Augenärztin Bettina Wabbels von der Bonner Uni-Klinik ist es vor allem die Nähe von Smartphone und Co. zu den Augen, die Sehschwächen bei Kindern befördern kann. «Ein Fernseher ist weniger schlimm, denn er ist weiter weg», sagt die Ärztin gegenüber dem «Tagesspiegel».

Wie gefährlich Handystrahlung für unser Gehirn sein kann, ist unter Experten umstritten. Einige Studien stellten bei jungen Vieltelefonierern eine leicht reduzierte Gedächtnisleistung fest, andere kamen zum Schluss, die Strahlen seien harmlos. Was besorgte Eltern beruhigen dürfte: Die Strahlendosis kann relativ einfach reduziert werden, indem etwa ein Headset getragen oder das Handy ein paar Zentimeter weiter weg vom Kopf gehalten wird.

*Namen der Redaktion bekannt

Smartphone oder Fernseher? Die Vorlieben haben auch etwas mit dem Alter zu tun, wie diese Strassenumfrage zeigt.

Smartphone oder TV?

Fast 300'000 Online-Videos

2010 besass erst die Hälfte der 12- bis 19-Jährigen Schweizer ein Handy, inzwischen haben sich die Zahlen markant erhöht. Heute haben 97 Prozent der 12-/13-Jährigen ein Smartphone, bei den 18-/19-Jährigen gar 100 Prozent. Und alle Jugendlichen benutzen es täglich, wie die James-Studie der ZHAW zeigt. Auch die Anzahl der Streaming-Abos schnellte in die Höhe: Vor zwei Jahren besassen 38 Prozent der Familien mit Teenagern ein Film- oder Serien-Abo, heute sind es über 56 Prozent. «Also mehr, als ein Zeitungs-Abo besitzen», so Medienpsychologin Külling. Ebenso wächst der Videokonsum auf dem Handy rasant – im Schnitt um 16 Prozent pro Jahr. Laut dem Bundesamts für Statistik wurden 2016 in der Schweiz pro Monat 186'000 Online-Videos (On-Demand) abgerufen, in diesem Jahr wird die Zahl auf 294'000 geschätzt. Die Deutschen gucken täglich gar während 47 Minuten Videos auf dem Handy – 2,5 Mal länger als auf dem Desktop oder am TV. Tendenz markant steigend. (rol)

Kino und Filmabende als Ausnahme

Bessere Displays, schnellere Verbindungen: Der mobile Videokonsum dürfte in den nächsten Jahren noch deutlich ansteigen. Doch selbst die Generation Smartphone macht auch Ausnahmen. «Im Schnitt gehen Jugendliche etwa einmal im Monat ins Kino. Und beim Filmabend unter Kollegen setzen sich viele gerne gemeinsam auf die Couch vor den Grossbildschirm», führt Medienpsychologin Külling aus. Stirbt der klassische Fernseher demnach nicht so schnell aus? «Das ist schwer absehbar. Dank neuen Techniken wie Virtual Reality können sich neue Märkte auftun für die klassischen Endgeräte», so Külling. Das gelte aber auch für den mobilen Markt. So lancierte Instagram diesen Sommer IGTV – für Videos im Hochformat. Sie sei gespannt, was bei den Konsumenten mehr Anklang finden werde. (rol)

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