Komplikationen, Todesfälle, Wirksamkeit: Darum ist der AstraZeneca Impfstoff noch nicht zugelassen
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Komplikationen, Todesfälle, WirksamkeitDarum ist der AstraZeneca Impfstoff noch nicht zugelassen

In Wien ist eine Krankenpflegerin kurz nach der Impfung mit AstraZeneca verstorben. Eine andere Spital-Mitarbeiterin erlitt ein Blutgerinnsel. Sind Komplikationen die Gründe, warum das schwedisch-britische Vakzin noch nicht zugelassen ist?

von
Lea Gnos
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Die Schweizer Behörden zögern noch mit der Freigabe des Astrazeneca-Impfstoffs.

Die Schweizer Behörden zögern noch mit der Freigabe des Astrazeneca-Impfstoffs.

REUTERS
Der Impfstoff hat bei einigen Geimpften zu Nebenwirkungen geführt.

Der Impfstoff hat bei einigen Geimpften zu Nebenwirkungen geführt.

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Im Universitätsspital Wien ist eine 49-jährige Krankenschwester gestorben.

Im Universitätsspital Wien ist eine 49-jährige Krankenschwester gestorben.

imago images/SKATA

Darum gehts

  • Der AstraZeneca-Impstoff ist in der Schweiz noch nicht zugelassen.

  • Die Behörden zögern aus verschiedenen Gründen und wollen ausreichende Studiendaten abwarten.

  • Für negative Schlagzeilen sorgten Todesfälle im Zusammenhang mit dem Impfstoff.

Der Bund muss Impfstoff beschaffen. Neben den Präparaten von Biontech/Pfizer und Moderna hat er 5,3 Millionen Impfdosen von AstraZeneca bestellt. Doch mit der Zulassung des schwedisch-britischen Vakzins lässt sich Swissmedic Zeit, während es bereits in Ländern wie Grossbritannien, Kanada oder der Europäischen Union zur Anwendung kommt.

Die Gründe für das Zögern sind fehlende Daten über Wirksamkeit und Nebenwirkungen des Impfstoffs. Anfang Februar sagte Swissmedic, dass zusätzliche Wirksamkeitsdaten aus einer Phase-III-Studie in Nord- und Südamerika abgewartet würden.

Nachdem am Samstag in Wien eine 49-jährige Pflegerin nach einer AstraZeneca-Impfung gestorben war und eine 30-jährige Spitalmitarbeiterin nach der gleichen Impfung schweren Komplikationen ausgesetzt ist, ergreifen die österreichischen Behörden Massnahmen. Bei der spezifischen Lieferung, mit denen die beiden Frauen geimpft wurden, kommt es zu einem Impfstopp. Auch sollen verschiedene Geimpfte über Blutgerinnungsstörungen geklagt haben. Tatsächlich wird jedoch von sämtlichen Pharma-Firmen immer wieder betont, dass Nebenwirkungen auf sämtliche Impfungen – egal gegen welches Virus – eine normale und sogar erwünschte Reaktion des Körpers sei.

Anfangs wurde AstraZeneca nicht für Ältere empfohlen

Das Mittel von AstraZeneca wies in Studien eine geringere Wirksamkeit von etwa 70 Prozent auf, ist jedoch vergleichsweise leicht zu handhaben. Die EU-Arzneimittelagentur EMA schloss zunächst allerdings nicht aus, dass das Mittel nur für bestimmte Altersgruppen zugelassen wird, da für Ältere erst wenige Testdaten vorlägen. Bei den Vakzinen von Biontech/Pfizer und Moderna gibt es hingegen belastbarere Daten zu Senioren. Neue Daten aus Schottland und England sollen nun allerdings belegen: Das AstraZeneca-Vakzin wirkt viel besser als bisher gedacht. Und: Es wirkt auch bei Menschen über 70 Jahre sehr gut.

Der Vorteil von AstraZeneca: Es ist im Vergleich zu anderen Präparaten günstig. Der Impfstoff ist anders aufgebaut als die mRNA-Produkte von Biontech/Pfizer und Moderna. AstraZeneca beruht im Kern auf der abgeschwächten Version eines Erkältungsvirus von Schimpansen. Es enthält genetisches Material eines Oberflächenproteins, mit dem der Erreger Sars-CoV-2 an menschliche Zellen andockt. Die Körperzellen bilden dann wie bei den anderen Impfstoffen das Virusprotein und entwickeln eine Immunantwort dagegen.

Das ist bei Nebenwirkungen zu tun

Die Behörde Swissmedic schreibt auf ihrer Webseite: «Wenn Sie nach einer Impfung Hinweise oder Symptome bemerken, die eine Nebenwirkung sein könnten, wenden Sie sich in erster Linie an diejenige Stelle, die geimpft hat, oder an Ihren behandelnden Arzt. Dieser verfügt über die erforderliche Fachinformation zum Impfstoff und kann nach einer ersten Untersuchung entscheiden, ob es sich um eine Nebenwirkung oder eher um Beschwerden anderer Ursache handelt und kann entsprechende Massnahmen einleiten.» Das Fachpersonal meldet Nebenwirkungen oder Verdachtsfälle an Swissmedic. Dazu hat Swissmedic eine Onlineplattform eingerichtet.

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