Schweizer Franken auf Rekordhöhe versus Euro-Tiefstand

Aktualisiert

1 Euro = 0.9617 FrankenDarum ist der Euro so schwach – und der Franken so stark wie noch nie

Vor 20 Jahren kostete ein Euro noch 1.48 Franken. Jetzt ist ein Euro nur noch rund 96 Rappen wert. Das bedeutet die Situation für die Menschen in der Schweiz.

von
Marcel Urech
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Wer seinen Lohn in Schweizer Franken erhält und in Euroländern unterwegs ist, profitiert vom schwachen Euro.

Wer seinen Lohn in Schweizer Franken erhält und in Euroländern unterwegs ist, profitiert vom schwachen Euro.

20min/Michael Scherrer
Das Reisen und Einkaufen in Europa ist für Schweizerinnen und Schweizer nun günstiger.

Das Reisen und Einkaufen in Europa ist für Schweizerinnen und Schweizer nun günstiger.

20min/Michael Scherrer
Der schwache Euro hilft zudem, die Inflation in der Schweiz zu bändigen.

Der schwache Euro hilft zudem, die Inflation in der Schweiz zu bändigen.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

Der Euro hat gegenüber dem Schweizer Franken ein Rekordtief erreicht. Am 15. August war ein Euro nur noch 0.9617 Franken wert. Auch jetzt liegt der Kurs noch unter 0.97 Franken. Schwächer war der Euro nur an einem einzigen Tag im Jahr 2015, als die Schweizerische Nationalbank den Euromindestkurs aufhob. Damals fiel die Währung noch ein wenig tiefer – allerdings handelte es sich bloss um einen kurzen Ausschlag nach unten.

Zum Vergleich: Als die EU den Euro am 1. Januar 2002 einführte, lag der Kurs noch bei 1.48 Franken. Danach stieg er kurzfristig auf über 1.60 Franken. Was bedeutet die aktuelle Euroschwäche für die Menschen in der Schweiz? Und muss die Nationalbank jetzt eingreifen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum ist der Franken so stark und der Euro so schwach?
Laut Devisenhändlern gibt es dafür mehrere Gründe: den Krieg in der Ukraine, die niedrigen Zinsen der Europäischen Zentralbank, die Energiekrise in Europa und die vergleichsweise tiefe Inflation in der Schweiz von 3,4 Prozent. In Deutschland lag die Inflation Ende Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat bei 7,5 Prozent.

Was bedeutet das für die Menschen in der Schweiz?
«Wer seinen Lohn in Franken erhält, profitiert vom schwachen Euro, wenn er Ferien in Euroländern macht», sagt Matthias Geissbühler, der Investment-Chef von Raiffeisen Schweiz. Auch das Einkaufen im Euroraum sei nun günstiger. Die hohe Inflation in Europa macht einen Teil des Währungsvorteils allerdings wieder zunichte.

Hilft der schwache Euro, die Inflation in der Schweiz zu bändigen?
Ja, sagt Geissbühler. Denn rund zwei Drittel der Schweizer Importe seien aus der EU – und diese sind dank des schwachen Euros nun günstiger für die Schweiz. Das sollten auch die Konsumentinnen und Konsumenten spüren – sofern die Unternehmen den Währungsvorteil auch an ihre Kundschaft weitergeben.

So hoch ist die tatsächlich gefühlte Inflation in der Schweiz

Wird sich der Euro-Franken-Kurs weiter abschwächen?
«Das ist durchaus möglich», sagt Geissbühler. Die Inflation werde nächstes Jahr wohl zurückgehen, aber in Europa höher bleiben als in der Schweiz. So bleibe der Franken stark. In Krisenzeiten wie jetzt (Corona, Ukraine, Energieknappheit) sei die Nachfrage nach Franken zudem hoch, denn er gelte als sicherer Hafen.

Was bedeutet die Euroschwäche für Schweizer Firmen?
Unternehmen, die Waren in der Schweiz produzieren und nach Europa exportieren, leiden laut Geissbühler unter der Euro-Schwäche. Da die Inflation im europäischen Ausland aber höher sei als in der Schweiz, könnten die Firmen ihre Preise erhöhen. Die Inflationsdifferenz hilft den exportorientierten Unternehmen also.

Warum schreit die Wirtschaft nicht auf?
Die Euroschwäche ist vor allem für Schweizer KMUs, die vorwiegend nach Europa exportieren, ein Problem. Trotzdem rebelliert die Wirtschaft bisher kaum. Ein Grund dafür ist laut Geissbühler, dass es sich nicht um eine einseitige Frankenstärke, sondern eher um eine Euroschwäche handle. Denn der Dollar habe sich gegenüber dem Franken aufgewertet. Unternehmen, die vorwiegend in die USA exportieren, profitieren davon.

Muss die Nationalbank jetzt eingreifen?
Das ist umstritten. Geissbühler weist darauf hin, dass die Nationalbank nicht nur auf den Euro, sondern auch auf andere Währungen wie den Dollar, den Yen und das Pfund schaue. Sollte der Eurokurs aber weiter fallen, könnte die Nationalbank Euro kaufen, um den Franken abzuschwächen. Devisenkäufe könnten auch dann ein Thema werden, wenn die Inflation im Euroraum wieder stark zurückgehen würde.

Starker Franken – muss die Nationalbank jetzt intervenieren?

Und wenn die Nationalbank den Leitzins erhöht?
Geissbühler erwartet, dass die Nationalbank den Zins im September um 0,5 Prozentpunkte erhöht. Falle die Zinsanhebung bei der europäischen Zentralbank tiefer aus als in der Schweiz, dürfte sich der Franken weiter aufwerten. Dann steige der Druck auf die Nationalbank, zu intervenieren und den Franken abzuschwächen.

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