Aktualisiert 18.04.2014 15:49

42,195 KilometerDarum ist der Marathon so lang, wie er ist

Ein Jahr nach dem Terrorangriff auf den Boston Marathon wollen erneut tausende Läufer die 42,195 Kilometer meistern. Die ursprüngliche Marathon-Distanz war jedoch eine andere.

von
Fee Riebeling
Das alte Olympia-Stadion in Athen trägt den Namen von Spyridon Louis, der den ersten neuzeitlichen Marathon gewonnen hat.

Das alte Olympia-Stadion in Athen trägt den Namen von Spyridon Louis, der den ersten neuzeitlichen Marathon gewonnen hat.

«Wir haben gesiegt!» Das sind die letzten Worte des Griechen Pheidipides, kurz bevor er im Jahr 490 vor Christus auf dem Athener Aeropag-Hügel völlig entkräftet tot zusammenbricht. Um seinen Landsleuten vom Sieg über die als unbesiegbar geltenden Perser zu berichten, ist er direkt vom Schlachtfeld im rund 40 Kilometer entfernten Marathon angerannt gekommen.

Tatsächlich ist nur die Schlacht zwischen den Griechen und den Persern historisch belegt. Von dem tapferen Boten liest man erst rund 500 Jahre später beim Geschichtsschreiber Plutarch. Doch Historiker halten die Version von Herodot für wahrscheinlicher. Ihm zufolge ist Pheidipides nicht von Marathon nach Athen, sondern von Athen nach Sparta gelaufen, wo er um Unterstützung für die griechischen Truppen bat. Damit hätte der Bote sogar 250 Kilometer hinter sich gebracht.

Der Marathon wird sportlich

Fester Bestandteil im internationalen Sport wurde der Marathon erst 1896, als die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit in Athen stattfanden. So sollte die Neuauflage der Spiele genauso im Gedächtnis bleiben wie der sagenumwobene Lauf des Pheidipides.

Am 10. April starteten 18 Läufer aus vier Nationen zum ersten neuzeitlichen Marathon. Nach 3 Stunden, 18 Minuten und 27 Sekunden lief der Grieche Spyridon Louis als Erster ins Ziel im Athener Panathinaikon-Stadion. Seither trägt es seinen Namen.

Der Wunsch der Königin ist Befehl

Weil das lange Rennen Sportler und Publikum gleichermassen begeisterte, wurden fortan auch andernorts Strecken über 40 Kilometer gelaufen — bis diese sich 1908 bei den Olympischen Spielen als zu kurz erwiesen. Dieser Meinung war zumindest die britische Königin Alexandra. Denn 40 Kilometer reichten nicht aus, um den Start vor ihrer Loge am Schloss Windsor mit dem Ziel im Wembley-Stadion in London zu verbinden.

Deshalb verlängerte das Internationale Olympische Komitee (IOC) der Königin zuliebe das Rennen in London auf 42,195 Kilometer. Eine Ausnahme, wie man dachte. Doch die neue Distanz bürgerte sich ein. Und so wurde die «einmalige Ausnahme» 1921 schliesslich mit dem Segen des Internationalen Leichtathletikverbands zur offiziellen Marathondistanz.

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