Schweizer Auto des Jahres 2021: Darum ist der Polestar 2 in der Schweiz so beliebt
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Schweizer Auto des Jahres 2021Darum ist der Polestar 2 in der Schweiz so beliebt

Mit dem Polestar 2 lanciert der nach dem Polarstern benannte Elektro-Ableger von Volvo sein zweites Modell. Binnen weniger Monate fuhr sich dieses in die Herzen der hiesigen Fachjury und somit auf das oberste Treppchen des Schweizer Auto des Jahres.

von
Fabio Simeon / A&W Verlag

Warum ist uns der jüngste Schützling der chinesischen Konzernmutter Geely und Volvo so sympathisch? Nach sieben Tagen mit dem Polestar 2 ahnen wir es. Es scheint nämlich so, als hätte man bei der Konzeption der E-Limousine ein Augenmerk auf Helvetien gelegt – und dabei nicht nur unsere guten Gepflogenheiten übernommen.

Mit einer Ladung durchs ganze Land?

Die Strecke von Romanshorn nach Genf, querer gehts kaum durch die Schweiz, beträgt über die A1 360 Kilometer und sollte somit für den Polestar 2 zu bewältigen sein obschon Autobahnkilometer nicht zur Vorzeigedisziplin heutiger E-Fahrzeuge zählen. Laut WLTP-Zyklus weist das Schweizer Auto des Jahres nämlich eine Reichweite von 470 Kilometern auf. Diese sei realistisch, wie viele meiner Berufskollegen schreiben.

Aber: Die netten Damen und Herren scheinen den neuen Polarstern nur bei Temperaturen nahe dem zweistelligen Plusbereich gefahren zu haben. Uns hats eiskalt erwischt, als Mitte Januar die Temperatur und mit ihr die Reichweite unseres Testwagens ins Bodenlose stürzte. Trotz vollgeladener 75kWh-Batterie zeigte uns die digitale Instrumentenanzeige nach 140 km nur noch 50 Prozent der verfügbaren Batteriekapazität an. Mit dem Polestar 2 einmal durch die Schweiz – ja, aber nur, wenn kein Schnee liegt.

Der Polestar 2 ist das Schweizer Auto des Jahres 2021.

Der Polestar 2 ist das Schweizer Auto des Jahres 2021.

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Dank Allradantrieb sind auch eisige Passagen kein Problem.

Dank Allradantrieb sind auch eisige Passagen kein Problem.

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So geht dezent: Das Markenlogo ist in Wagenfarbe gehalten.

So geht dezent: Das Markenlogo ist in Wagenfarbe gehalten.

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Mr. Understatement

Mit dem kühlen Weiss an sich hat unser Testwagen jedoch keine Mühe – sollte er als fahrbarer Superlativ einer Schnee-Sport-Nation auch nicht. Dank Allradantrieb und 408 PS Systemleistung, meistert der Polestar 2 auch eisiges Terrain mühelos – wenn man will und darf sogar seitwärts. Zugegeben: Nach einem protzigen Performance-Fahrzeug schaut unser Begleiter nicht aus, keine Verspoilerung, keine Fake-Lufthutzen, nichts. Ganz nach dem Motto: «Man hat und kann, stellt es aber nicht zur Schau» – ziemlich schweizerisch, oder?

Wir sind jedenfalls überrascht, als uns die 660 Nm in 4,7 Sekunden vom Stand auf Tempo 100 katapultieren. Schneller als manch selbsternannter Sportwagen. In den Serpentinen dürften diese aber wieder aufschliessen. Denn trotz ziemlich straffem Fahrwerk, drückt das Gewicht von 2132 Kilogramm bei erhöhter Geschwindigkeit spürbar ins Kurvenäussere.

Im Geschmack der Recyclingweltmeister

Auch der Innenraum und die schwedisch-chinesische Werkstoffphilosophie trifft den Schweizer Geschmack. So sind die Sitzbezüge unseres Testwagens aus rein veganem Stoff. Noch ressourcenschonender wirds in Zukunft, wie der Polestar Precept mit seinen recycelten PET-Sitzen, den Fischernetz-Fussmatten und den Weinkorken-Kunststoffen zeigt. Darauf stehen wir, immerhin tragen wir den ehrhaften Titel Recyclingweltmeister. Aber nicht nur die Wahl des Materials gefällt. Auch die Verarbeitung wirkt hochwertig – hier könnten sich die Konkurrenten Tesla Model 3 oder der VW ID.3 eine grosse Scheibe abschneiden.

Nicht gerade «dä Hammo»

Während sein Äusseres dank der Thor-Hammer-Lichtsignatur mehr an Volvo als an seine chinesische Herkunft erinnert, kommen im Innenraum die Charakteristika beider Joint-Venture-Partner zum Vorschein. Die Affinität zur modernen Digitaltechnik entspringt aber klar aus dem Reich der Mitte. Als erstes Fahrzeug überhaupt nutzt unser Polarstern Android als Betriebssystem. Mit den Worten «Ok, Google» wird dieses aktiviert und soll, ähnlich wie der Sprachassistent auf dem Smartphone, fast alle Fragen beantworten.

Und das tut es auch – zumindest an der ersten Fahrvorstellung Anfang November. Während der Testwoche blieb unser Begleiter leider öfters stumm. Ob es an meinem vom Ostschweizerdialekt beeinflussten Hochdeutsch liegt? Ich weiss es nicht. Klar, die nach einem Werkzeug benannte «Hammostrasse» ist unauffindbar, aber auch von der fein artikulierten «Zürcherstrasse» will das System nichts wissen. Ziemlich verschwiegen – ziemlich schweizerisch.

Über Geld spricht man nicht – man hat es

In beiden Fällen mache ich eine Ausnahme. Also: Der Schweizer Durchschnittslohn beträgt monatlich rund 6600 Franken. Das ist mitunter ein Grund, weshalb das erste Model der jungen Marke, ein Plug-in-Hybrid-Fahrzeug mit einem Basispreis von 165'000 Franken nur in steuergünstigen Gegenden ab und an gesichtet wird. Dies will der Polestar 2 nun ändern und mit einem Ab-Preis von 56'900 Franken (exkl. 1000 Franken Überführungskosten) die breite Masse erobern, sowie dem weitverbreiteten Tesla Model 3 Paroli bieten. Mit so vielen Schweizer Eigenschaften dürfte ihm das hierzulande wohl gelingen.

Wie gefällt dir der Polestar? Hast du bereits ein Auto mit Sprachsteuerung? Diskutiere in den Kommentaren.

Deine Meinung

192 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Piccard

09.02.2021, 23:17

Zitat von Bertrand Piccard: Sind diejenigen verrückt, die NICHTS ändern wollen, oder sind es diejenigen die etwas ändern wollen?

Prolti

09.02.2021, 20:06

Das ist kein neutraler Bericht, nur Werbung

Euronorm 8

09.02.2021, 19:38

Nach der Euronorm 7 kommt dann die Euronorm 8