Zürich: Darum ist ein Blitzkasten so teuer wie ein Luxusauto
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ZürichDarum ist ein Blitzkasten so teuer wie ein Luxusauto

Happige 143'280 Franken betrug der Sachschaden, nachdem ein junger Mann im Zürcher Kreis 11 eine Radaranlage der Polizei angezündet hatte. Warum so viel?

von
som

Sie sind grau und unauffällig – die 87 Radarfallen in Zürich, über die sich wohl schon so mancher Autofahrer geärgert hat. Der 20-jährige D. S.* war sogar so wütend, dass er einen Blitzkasten an der Regensbergstrasse abfackelte, nachdem seine Freundin mit 100 statt der erlaubten 50 km/h geblitzt worden war – am Mittwoch stand er deswegen vor Gericht.

Besonders aufhorchen liess dabei der Sachschaden, den D. S. bei seiner Zerstörungsaktion anrichtete: 143'280 Franken. Die Zürcher Stadtpolizei bestätigt, dass ein Radarkasten etwa so viel kostet.

Hohe Entwicklungskosten

Grund dafür sind die hohen Entwicklungskosten, heisst es bei einer Herstellerfirma, die namentlich nicht genannt werden möchte. Denn jeder Radarkasten müsse von Eidgenössischen Institut für Metrologie (Metas) zugelassen werden: «Seine Auflagen sind enorm – jeder Stecker wird geprüft.»

So müsse ein Radargerät beinahe militärtauglich sein und bei extremen Temperaturen funktionieren. Ebenfalls ein Thema sei die elektromagnetische Verträglichkeit: «Wenn etwa eine Schulklasse mit ihren Handys davor steht, darf dies die Geschwindigkeitsmessung nicht beeinflussen.» Damit sie langfristig korrekt messen, überprüft das Metas die Blitzkästen jährlich. «Dazu müssen wir diese von ihrem Standort entfernen und extra nach Bern transportieren.»

Spülen viel Geld in die Kasse

Hinzu kommt, dass die Radargeräte in kleiner Stückzahl hergestellt würden – bei dieser Firma sind es 20 bis 30 pro Jahr. Diese halten sieben bis zehn Jahre. Wie hoch die Wartungskosten sind, wollte man nicht sagen. Immerhin würden sie nicht allzu oft von Vandalen beschädigt: «In der Stadt Zürich belaufen sich die Schäden bei unseren Apparaten auf 5000 Franken jährlich.»

So oder so: Auch wenn die Anschaffung der 87 fix installierten Radarkästen in Zürich geschätzte 12,5 Millionen Franken kostete, lohnt sich diese. So generierten sie etwa 2014 Ordnungsbussen im Wert von rund 37 Millionen Franken.

*Name der Redaktion bekannt

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