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ImpfstoffeNebenwirkungen sind nicht immer schlecht

Erste Erfahrungen mit den Corona-Impfstoffen von Pfizer/Biontech und Moderna zeigen: Wer sich impfen lässt, muss mit Nebenwirkungen rechnen. Die sind zwar unangenehm, vergehen aber wieder. Und sie deuten darauf hin, dass das Immunsystem arbeitet.

Sie ist die erste Person, die in England das Vakzin ausserhalb einer wissenschaftlichen Studie erhalten hat.

Darum gehts

  • Die ersten Corona-Impfstoffe sind zugelassen.

  • Damit werden erste Sorgen vor Nebenwirkungen laut.

  • Experten beruhigen: Schwerwiegende und dauerhafte Nebenwirkungen seien bislang keine bekannt.

  • Die bisher dokumentierten werden Fachleute dagegen als ein gutes Zeichen.

Wie die neuartigen Impfstoffe langfristig wirken, lässt sich zum heutigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen. Doch die kurzfristigen Wirkungen und Nebenwirkungen sind bekannt. Treten bei einer Corona-Impfung mit einem mRNA-basierten Impfstoff Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Schüttelfrost und Fieber auf, sei dies nicht unbedingt etwas Negatives, wie Mediziner betonen. Diese Symptome bedeuten, dass das menschliche Immunsystem auf den Eindringling reagiert.

«Es ist normal, wenn der Arm wehtut und die Patienten müde sind oder sogar Fieber entwickeln. Wir haben es mit einer Immunreaktion zu tun. Wenn man nach der Impfung etwas spürt, dann ist genau das zu erwarten», äusserte sich kürzlich der US-Impfstoffforscher Paul Offit gegenüber Cnn.com. Die Nebenwirkungen zeigen, «dass das Immunsystem arbeitet. Man sollte froh darüber sein.»

Wenn der Körper auf den Impfstoff reagiert, ist das ein gutes Zeichen. 

Wenn der Körper auf den Impfstoff reagiert, ist das ein gutes Zeichen.

PA Images via Getty Images

«Wohlfühlen wird man sich nicht»

Dass die Corona-Impfung «kein Spaziergang» sein wird, betonte die Medizinerin Sandra Fryhofer von der Emory University in Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) bei einem Treffen der American Medical Association (AMA). «Der Impfstoff wird spürbar sein, wohlfühlen wird man sich nicht – darauf müssen wir unsere Patienten hinweisen.»

Laut den bisherigen Daten von Pfizer/Biontech traten folgende Nebenwirkungen bei ihrem Impfstoff am häufigsten auf: Zu Fieber kam es bei 17 Prozent der Impfungen, am häufigsten berichteten Probanden über Müdigkeit (75 Prozent), gefolgt von Kopfschmerzen (67 Prozent), Schüttelfrost (33 Prozent) und Muskelschmerzen (27 Prozent). Ernste Nebenwirkungen, also lebensbedrohliche Folgen, die eine Spitalbehandlung notwendig machen oder zu dauerhaften Beeinträchtigungen führen, seien keine aufgetreten.

Die Impfstoffe von Moderna und Pfizer/Biontech

Bei beiden Vakzinen handelt es sich um sogenannte mRNA-Impfstoffe. Impfstoffe dieser Art enthalten eine genetische Bauanleitung für ein oder mehrere Proteine des Coronavirus, die nur von einigen wenigen Zellen im menschlichen Körper aufgenommen werden kann. Sobald die Anweisung injiziert ist, beginnt der Körper, das Spike-Protein zu produzieren. Dadurch wird das Immunsystem aktiviert, das das Protein als fremd erkennt und Antikörper dagegen bildet. Sollten wir uns später mit dem echten Virus infizieren, ist unser Körper bereits darauf vorbereitet, es zu bekämpfen.

Diese Impfstoffe erfordern zwei Dosen: eine, um den Körper vorzubereiten, und dann ein paar Wochen später eine zweite Dosis, um die Reaktion zu verstärken.

Erfahrungsberichte und Sorge vor Falschmeldungen

Die Nebeneffekte von BNT162b2 vergleichen Teilnehmer der Impfstudien mit denen eines heftigen Hangovers, die aber rasch vorübergegangen seien. Ein Proband der Moderna-Studie sagte gegenüber Cnn.com, die Empfindungen nach der zweiten Dosis seien «definitiv kein Spaziergang» gewesen. Im Spital habe er sich noch gut gefühlt. Als er dann aber nach Hause gegangen sei, habe sich sein Zustand verschlechtert: «Der Abend war schlimm. Ich bekam leichtes Fieber, war müde und hatte Schüttelfrost. Für den Abend war ich ausser Gefecht gesetzt.» Er würde sich aber immer wieder für die Impfung entscheiden.

Eine kritische Debatte über die unangenehmen Seiten der Impfung wird notwendig sein. Wie die Pflegewissenschaftlerin Kristen R. Choi in ihrem im Fachjournal «Jama Internal Medicine» publizierten Erfahrungsbericht als Impfstoffprobandin der Phase III bei Pfizer/Biontech betonte, weisen die Nebenwirkungen «unglückliche Ähnlichkeiten» mit den Symptomen von Covid-19 auf. «Ich kann mir jetzt schon vorstellen, wie Falschmeldungen über den Impfstoff viral gehen.» Sie selbst habe nach der zweiten Injektion einen Tag lang Fieber, Kopfschmerzen und Schüttelfrost gehabt.

Vorsicht bei schweren Allergikern

Für eine Bevölkerungsgruppe hat die britische Zulassungs- und Arzneimittelbehörde MHRA Warnungen hinsichtlich des Impfstoffes von Pfizer/Biontech ausgesprochen: «Personen mit einer Vorgeschichte eines anaphylaktischen Schocks bei Impfungen, Arznei- oder Lebensmitteln sollten das Vakzin nicht erhalten. Die zweite Dosis sollte niemandem verabreicht werden, bei dem nach Verabreichung der ersten Dosis dieses Impfstoffs eine Anaphylaxie aufgetreten ist», sagte MHRA-Geschäftsführerin June Raine in der Nacht zum Donnerstag. Ein solcher allergischer Schock, der in der Regel mit Blutdruckabfall, Kollaps, Bewusstlosigkeit und Schock einhergeht, ist die schwerste allergische Reaktion und kann unter Umständen tödlich enden.

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(heute.at/ga/fee)

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