Nachwehen des Schneefalls: Darum ist es in den Zügen trotz Homeoffice-Regel jetzt eng
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Nachwehen des SchneefallsDarum ist es in den Zügen trotz Homeoffice-Regel jetzt eng

Durch Schüler und Arbeitspendler wird es in den Zügen trotz neuer Corona-Massnahmen zeitweise eng. Schäden am Rollmaterial wegen Schneefällen verschärfen die Situation.

von
Pascal Michel
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«Man muss Abstand halten und ich frage mich wie das gehen soll», fragt ein Leser, der auf der Strecke Altstätten – St. Gallen pendelt.

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Auch auf der Zugstrecke Wil - St.Gallen spielten sich am Montagmorgen laut einem Leser «unglaubliche Szenen» ab,

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Im ersten Lockdown war das anders. Die Mobilität ging damals viel stärker zurück.

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Claudio De Capitani/freshfocus

Darum gehts

  • Trotz Homeoffice-Empfehlung: Die Züge sind zu den Stosszeiten gut belegt.

  • Das nervt einige Pendler.

  • Sie finden, die Bahnbetreiber sollten ausreichend Platz schaffen, damit Abstände eingehalten werden können.

  • Die SBB sagt, sie habe nur auf ausgewählten Strecken Zusatzwagen gestrichen. Wagen fehlten vor allem wegen des starken Schneefalls Mitte Januar.

  • Auch Thurbo spürt noch die Nachwehen des Schnees.

Seit dem 18. Januar gilt die Homeoffice-Pflicht. Die Massnahme schlägt jedoch weniger stark durch wie der Lockdown in der ersten Welle: Laut der Konjunkturforschungsstelle KOF sind im öffentlichen Verkehr zehn Prozent weniger Leute unterwegs. Dazu kommt: Studierende müssen teilweise an Präsenzprüfungen, Schüler weiterhin ins Klassenzimmer, einige Pendler weiterhin vor Ort ins Büro.

Trotzdem haben die Bahnunternehmen auf gewissen Strecken die Zahl der angehängten Wagen reduziert. Das frustriert die Passagiere.

«Bitte hängt den Wagen wieder an, um auch im Zug Abstände etwas besser einzuhalten!», twittert deshalb dieser Pendler.

Auch auf den Thurbo-Strecken in der Ostschweiz kommt es hie und da zu Gedränge, weil weniger Zugkompositionen im Einsatz sind. Ein Pendler, der jeweils um 7.02 Uhr die Strecke Wil-Bazenheid fährt, sagt: «Schüler und Arbeitspendler standen sich am ersten Tag der Homeoffice-Regelung auf den Füssen herum.»

«In der Regel genügend Sitzplätze»

Bei der SBB heisst es auf Anfrage, dass «die Züge grundsätzlich in maximal möglicher Länge verkehren». Eine Ausnahme seien die doppelstöckigen IC2000, die bereits seit Herbst auf einigen Fernverkehrslinien ohne die einstöckigen Zusatzwagen unterwegs seien.

«Aufgrund der aktuellen Covid-19 Situation sind die Frequenzen auf dem Schweizer Schienennetz stark zurückgegangen. Mit den verbleibenden Kapazitäten können in diesen Zügen in der Regel genügend Sitzplätze zur Verfügung gestellt werden», sagt SBB-Sprecher Reto Schärli.

Die SBB verspricht, man könne bei ansteigenden Frequenzen rasch reagieren und das Sitzplatzangebot der Nachfrage entsprechend anpassen. Genaue Zahlen zur Auswirkung der Homeoffice-Pflicht auf die Pendlerzahlen liegen Mitte Woche vor.

Schneefall sorgte für Material-Engpass

Hinzu kommen Kürzungen aus technischen Gründen – etwa wegen des starken Schneefalls Mitte Januar. «Letzte Woche standen nach den ausserordentlichen Schneefällen noch nicht wieder alle Züge für den Bahnbetrieb zur Verfügung», so Schärli.

Die Fachleute in den Serviceanlagen hätten mit Hochdruck daran gearbeitet, die Züge wieder betriebsbereit zu machen. «Jedes Fahrzeug, das von den Fachleuten wieder auf Vordermann gebracht wurde, ging umgehend wieder in den Betrieb.»

Thurbo schreibt auf Anfrage, man habe das Sitzplatzangebot wegen Corona nicht reduziert. «Aktuell machen uns aber die Nachwehen des starken Wintereinbruches noch zu schaffen», so Werner Fritschi, Bereichsleiter Markt.

Die Kälte in den Nächten und die Schneemassen hätten bei verschiedenen Zugseinheiten zu Schäden geführt, die aktuell noch laufend durch das Unterhaltszentrum repariert würden. «Dadurch können wir zur Zeit nicht bei allen Zügen die geplanten Kapazitäten zur Verfügung stellen. Das sind heute maximal fünf Prozent des Angebotes.»

«Stehplätze sind unvermeidlich»

Insgesamt zählt Thurbo derzeit ein Drittel weniger Fahrgäste im Vergleich zum Vorjahr. Fritschi betont, dass zu den Hauptverkehrszeiten alle Kompositionen verkehrten. «Stehplätze sind unvermeidlich, weil mehr Züge gar nicht zur Verfügung stehen.» Meistens betreffe diese Situation die letzten ein bis zwei Bahnhöfe vor der Endstation. Thurbo rät, die Auslastung vor der Reise zu prüfen – oder für eine bessere Verteilung auf den Zug eine halbe Stunde früher oder später auszuweichen.

Dass die aktuelle Situation das Ansteckungsrisiko in den Zügen erhöhen könnte, glaubt die SBB nicht. In einer früheren Medienmitteilung hiess es: «Gemäss aktuellem Wissensstand gibt es zurzeit keine Anzeichen für eine erhöhte Ansteckungsgefahr in SBB-Fahrzeugen mit funktionsfähigen Klimaanlagen beziehungsweise Lüftungen.»

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

Deine Meinung

558 Kommentare
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Fireblade

26.01.2021, 19:43

Ich verstehe diese Massnahmen nicht. Vor knapp einem Jahr wurde uns gesagt, Ziel ist die Kurve tu glätten, damit die Spitäler nicht überlasstet werden. Die Spitäler wurden nie überlastet, die Zahlen sinken und Trotzdem einen Lockdown? Will man jetzt die Kurve in den Boden drücken? Null fälle? Ist das möglich bei einer Impfung, die nir zu 95% funktioniert und gegen die Mutationen noch abgeschwächt? Wie lange Leben wir im Lockdown?

Ratmal Werwol

26.01.2021, 16:46

Es dauert halt einige Zeit, bis alle Züge mit Winterreifen ausgerüstet sind.

so nicht

26.01.2021, 16:04

die Verantwortlichen müssen sich rechtfertigen!