21.12.2017 05:43

PestizideDarum ist Ihr Christbaum eine Umweltsünde

Der Grossteil der Weihnachtsbäume wird mit Chemie behandelt – auch jene aus Schweizer Produktion. Gelangt das Pestizid auch in die Wohnstube?

von
D. Benz
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In der Schweiz werden laut dem Verein Vision Landwirtschaft neun von zehn Weihnachtsbäumen mit Pestiziden behandelt.

In der Schweiz werden laut dem Verein Vision Landwirtschaft neun von zehn Weihnachtsbäumen mit Pestiziden behandelt.

AP/Heribert Proepper
Lediglich zehn Prozent sollen aus Biobetrieben oder aus Forstbetrieben stammen. Dort wird bei der Zucht keine Chemie eingesetzt.

Lediglich zehn Prozent sollen aus Biobetrieben oder aus Forstbetrieben stammen. Dort wird bei der Zucht keine Chemie eingesetzt.

Keystone/Steffen Schmidt
Laut Vision Landwirtschaft reichen die gesetzlichen Vorgaben nicht aus, um den Einsatz von Pestiziden genügend zu reduzieren.

Laut Vision Landwirtschaft reichen die gesetzlichen Vorgaben nicht aus, um den Einsatz von Pestiziden genügend zu reduzieren.

Keystone/Steffen Schmidt

Ohne Christbaum keine Weihnachten: Derzeit holen sich die meisten Schweizer Haushalte das Grün in die Stube. Laut dem Verein Vision Landwirtschaft kommen die Bäume zu rund der Hälfte aus der Schweiz. Was die wenigsten Konsumenten wissen: Die meisten hiesigen Bäume sind mit Chemie behandelt und daher umweltschädlich.

Laut einer Schätzung von Vision Landwirtschaft stammen neun von zehn Schweizer Bäumen aus Betrieben, die Pestizide gegen Unkraut und Insekten einsetzen, darunter etwa das umstrittene Mittel Glyphosat. «Das vergiftet die Böden und das Grundwasser», sagt Andreas Bosshard, Geschäftsführer von Vision Landwirtschaft zu 20 Minuten.

Pestizide sind im Wald verboten

Ob Pestizide in den Bäumen nachweisbar sind, hänge von den konkret eingesetzten Mitteln ab, erklärt Olivier Félix, Leiter Fachbereich Nachhaltiger Pflanzenschutz beim Bundesamt für Landwirtschaft. Aber selbst wenn, dürfte das für Menschen ungefährlich sein. Die Erklärung liegt für Félix auf der Hand: «Die Bäume sind nicht zum Essen vorgesehen.»

Ganz ohne Chemie angebaut sind laut Vision Landwirtschaft lediglich rund zehn Prozent der Bäume. Das sind etwa jene, die aus dem Wald von Forstbetrieben stammen. Die Anwendung von Pestiziden ist im Wald verboten. Auch wenige Biobetriebe bieten nachhaltige Bäume an. Diese Biobäume machen aber nur einen verschwindend kleinen Teil des Marktes aus.

Kritik an gesetzlichen Vorlagen

Bosshard kritisiert denn auch die gesetzlichen Vorgaben des Bundes, den sogenannten Ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN). «Dieser begrenzt den Pestizideinsatz kaum», sagt er. Zudem gebe es kaum Kontrollen. So würden sich viele Betriebe oft nicht an die Vorgaben halten. «Unter den Schweizer Lieferanten gibt es immer wieder schwarze Schafe.»

Einen Schritt weiter als das Gesetz will Coop gehen. Auf Empfehlung von Vision Landwirtschaft hat der Detailhändler zusammen mit der IG Suisse Christbaum im letzten Jahr Richtlinien für den nachhaltigen Anbau von Weihnachtsbäumen erlassen.

Keine Preisunterschiede

«Im Fokus dieser Richtlinie stehen der nachhaltige Einsatz von Pestiziden, die Förderung der Biodiversität sowie der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit», sagt Coop zu 20 Minuten. Für die Lieferanten sind die Vorgaben verbindlich. Die Fenaco-Tochter Landi hat die Regeln ebenfalls übernommen.

In diesem Jahr stammen bei Coop über 80 Prozent der Bäume aus der Schweiz. Der Rest kommt aus dem Ausland. Die dortigen Betriebe kontrolliere man regelmässig, um sicherzustellen, dass die Standards eingehalten würden, so Coop. Das Ziel sei, dass langfristig alle Tannenbäume aus dem Inland kommen. Einen Preisunterschied zwischen Schweizer und importierten Weihnachtsbäumen gibt es laut Coop nicht.

Vorzüge der Schweizer Bäume zeigen

Letztlich lassen auch die Coop-Regeln den Einsatz von Chemie zu. Der Grund: «In der Praxis ist es nicht einfach, von heute auf morgen auf Pestizide zu verzichten», sagt Andreas Bosshard. Die Betriebe müssten sich langsam darauf umstellen können. Immerhin werde so der Chemie-Einsatz gegenüber dem gesetzlich zulässigen um rund die Hälfte gesenkt.

Ziel sei die Reduktion von Pestiziden. So soll etwa die ganzflächige Bespritzung von Kulturen ab 2020 ganz verboten sein. «Wir müssen aufzeigen, was die Vorzüge von Schweizer Christbäumen sind», so Bosshard. Sonst gebe es keinen Grund, einheimische Tannen zu kaufen.

Import aus Dänemark

Bei der Migros verlässt man sich derweil auf Lieferanten, die gemäss den gesetzlichen Vorlagen anbauen. Die Lieferanten suche man sorgfältig aus, sagt die Migros zu 20 Minuten. Man gehe davon aus, dass diese nicht grossflächig mit Pestiziden spritzten.

Der Detailhändler bezieht alle seine Import-Bäume aus Dänemark. Diese machen rund die Hälfte der bei Migros im Verkauf stehenden Christbäume aus. Der Rest kommt aus der Schweiz. Bei der Migros kosten die Bäume zwischen 20 und 125 Franken.

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Herr Oberholzer*, was muss ich beim Kauf beachten?

Am besten kaufen Sie den Baum möglichst frisch. Also bei einem Lieferanten, der direkten Anschluss an eine Anbaukultur hat. Dort können Sie den gewünschten Baum aussuchen und frisch schneiden lassen. Viele Betriebe schneiden den Baum nach Mondphase. Dann halten die Nadeln besonders lang.

Wie lagere ich den Baum vor Weihnachten richtig?

Lassen Sie ihn im Netz und lagern Sie ihn an einem kühlen Ort. Am besten auf der Terrasse oder dem Balkon. Vermeiden Sie aber direkte Sonnenexposition. Für die Wasseraufnahme sollte die Schnittstelle unten frisch sein. Ein, zwei Tage vor dem Aufstellen sollte man den Baum akklimatisieren und am besten in der Garage in einen Kübel voll Wasser stellen. Das Netz kann man ganz am Schluss wegnehmen. Der Baum braucht etwa einen Tag, bis er seine Form hat.

Wie halte ich den Baum möglichst lange frisch?

Stellen Sie den Baum wenn möglich nicht direkt neben die Heizung, sonst trocknet er schneller aus. Falls Sie eine Bodenheizung haben, können Sie den Baum auf ein Tuch stellen. Ganz wichtig: Immer das Wasser im Ständer auffüllen. Vor allem in den ersten Tagen ist der Wasserbedarf sehr hoch. Nach den Weihnachten können Sie den Baum dann mit der Grünabfuhr entsorgen.

*Stefan Oberholzer ist Präsident der IG Suisse Christbaum. Die Organisation fördert den Anbau und Verkauf von einheimischen Christbäumen.

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