Aktualisiert 24.07.2017 13:19

Verhaltens-Analyse

Darum ist Online-Shopping im Büro gut für die Firma

Die Schweizer shoppen am häufigsten während der Arbeit online. Sind wir alle faul? Nein, sagt ein Wirtschaftspsychologe: Es könne gar ein Zeichen für gute Leistung sein.

von
V. Blank
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Noch kurz auf der Online-Shop-Website vorbeischauen - Schweizer tun dies bevorzugt während der Arbeitszeit.

Noch kurz auf der Online-Shop-Website vorbeischauen - Schweizer tun dies bevorzugt während der Arbeitszeit.

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Die stärksten Stunden für Online-Shopping sind während der Woche vormittags zwischen 11 und 12 Uhr und nachmittags zwischen 16 und 17 Uhr.

Die stärksten Stunden für Online-Shopping sind während der Woche vormittags zwischen 11 und 12 Uhr und nachmittags zwischen 16 und 17 Uhr.

Grafik: Digitec Galaxus
Das zeigt eine Erhebung der Schweizer Onlineshops Digitec und Galaxus.

Das zeigt eine Erhebung der Schweizer Onlineshops Digitec und Galaxus.

Keystone/Gaetan Bally

Die Schweizer Online-Händler Digitec und Galaxus haben das Online-Einkaufsverhalten ihrer Kunden untersucht. Mit Blick auf die Uhrzeiten, während derer am meisten Käufe getätigt wurden, zeigt sich: Die stärksten Stunden für Online-Shopping sind vormittags zwischen 11 und 12 Uhr und nachmittags zwischen 16 und 17 Uhr. Nach Wochentagen betrachtet sind die Digitec- und Galaxus-Kunden unter der Woche deutlich aktiver als am Wochenende. Der stärkste Shopping-Tag ist der Montag.

«Die Analyse zeigt eindrücklich, dass hierzulande vor allem während der Arbeitszeit online eingekauft wird», sagt Digitec-Mediensprecher Alex Hämmerli. Man könne sich darum zu Recht fragen, ob die Schweizer Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit mit

Einkäufen im Internet vertrödelten – «sprich, ob das Online-Shopping auf Kosten des Arbeitgebers geht». Auszuschliessen sei das zwar nicht. Er gehe aber vielmehr davon aus, dass die Angestellten die Einkäufe während der Pausen erledigten. «Statt für Kaffee, Social Media oder Klatsch nutzen die Schweizer ihre Pausen neuerdings einfach fürs Shopping», so Hämmerli.

«Belohnung für gute Arbeit»

Auch Wirtschaftspsychologe Christian Fichter schliesst aufgrund der Analyse nicht automatisch auf Arbeitsfaulheit der Angestellten. Im Gegenteil: «Online-Shopping am Arbeitsplatz kann sogar als Indikator für gute Leistung gesehen werden.» Denn oft würden sich Arbeitnehmer mit Shopping belohnen, wenn sie besonders gut gearbeitet hätten.

Dass dabei bevorzugt am späten Vor- und späten Nachmittag online eingekauft werde, habe seine guten Gründe: «Die meisten Angestellten stürzen sich am Morgen und nach dem Mittag in die Arbeit, doch nach ein paar Stunden lässt die Konzentration nach und sie brauchen eine Pause», so Fichter.

«Arbeitszeit besser zum Arbeiten nutzen»

Darum findet es der Wirtschaftspsychologe grundsätzlich nicht problematisch, wenn Angestellte am Arbeitsplatz online shoppen – «doch natürlich nur während der Pause», wie er sagt. «Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen ohnehin – wenn schon rund um die Uhr E-Mails gecheckt werden, ist es auch in Ordnung, wenn man im Büro zwischendurch mal etwas Privates erledigt.» Dieser Meinung ist man auch beim Schweizerischen Arbeitgeberverband (siehe Interview).

Wie das ganze aus rechtlicher Sicht aussieht, erklärt Rechtsanwalt Martin Steiger: «Es ist gibt keine ausdrückliches Verbot für private Internet-Nutzung am Arbeitsplatz, wenn der Arbeitgeber kein solches Verbot erlassen hat», sagt er zu 20 Minuten. Dennoch rät er Arbeitnehmern zur Vorsicht: «Es ist empfehlenswert, die Arbeitszeit als solche zu nutzen.» Dafür würden die Arbeitnehmer ja letztlich entschädigt. «Für private Angelegenheiten, die nicht dringlich sind, gibt es Pausen und vor allem die Freizeit.»

Am Samstag wird lieber geputzt

Am meisten Aktivität verzeichnen Digitec und Galaxus zu Wochenbeginn. Besonders beliebt fürs Shoppen ist der Montag: Dann finden übers Jahr gesehen fast 18 Prozent der Einkäufe statt. Schwach schneidet hingegen der Samstag ab: Weniger als 10 Prozent der Einkäufe entfallen auf diesen Tag.

Dass am Samstag am wenigsten im Internet eingekauft wird, ist für Wirtschaftspsychologe Fichter naheliegend: «Nach einer langen Arbeitswoche wollen die wenigsten schon wieder vor dem Computer sitzen.» Ausserdem sei der Samstag in der Schweiz der typische Tag für den Hausputz oder den Wochenendeinkauf von Lebensmitteln.

«Privates und Arbeit können sich vermischen»

Frau Lützelschwab, was halten Chefs von Angestellten, die während der Arbeitszeit online shoppen?

Die Arbeitgeber erwarten, dass während der Arbeitszeit gearbeitet wird. Privates und Arbeit können sich aber vermischen – und das nicht nur, wenn nach Feierabend gelegentlich geschäftliche E-Mails gelesen werden. Es kann daher umgekehrt in Ordnung sein, am Arbeitsplatz kurz mal etwas Privates zu erledigen.

Sie sehen es also locker.

Wichtig ist einfach, dass es klare Vereinbarungen gibt. Auch sollte das Shoppen nicht zulasten der Arbeitszeit gehen – sprich, der Mitarbeitende sollte die verlorene Arbeitszeit wieder aufholen. Je flexibler die Arbeitszeiten ausgestaltet sind, desto einfacher lassen sich für beide Seiten gute, praktikable Lösungen finden. Wird die Arbeitszeit minutiös erfasst, müssen auch Pausen für privates Shopping ausgewiesen werden.

Gibt es Arbeitgeber, die ganz klare Grenzen ziehen?

In vielen Unternehmen wird die Nutzung des Internets am Arbeitsplatz für private Zwecke in den Betriebsreglementen festgelegt.

Ab welchem Ausmass sollte der Chef einschreiten?

Wenn die Benutzungsregeln übertreten werden. Wird vorwiegend in den Pausen gesurft, ist wichtig, dass die Mitarbeitenden sich trotzdem erholen können. Ob das beim Shopping möglich ist, muss jede und jeder für sich entscheiden.

*Daniella Lützelschwab ist Arbeitsmarkt-Expertin beim Schweizerischen Arbeitgeberverband

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