«Interesse enorm gestiegen»: Darum ist Secondhand-Shopping zum echten Trend geworden

Publiziert

«Interesse enorm gestiegen»Darum ist Secondhand-Shopping zum echten Trend geworden

Das Geschäft mit Secondhand-Kleidern boomt – auch in Luzern. Secondhand ist nicht nur gut für den Geldbeutel, sondern auch für die Umwelt. Doch der Secondhand-Boom hat auch andere Gründe.

von
Sara Andrea Formentin
1 / 7
Simone Blank (links) und Florina Moser (rechts): Die Gründerinnen von «The SecondHand» (Luzern) erklären, dass die Kundschaft im Vergleich zu früheren Tendenzen heute zwischen 14 und 70 Jahren alt ist. Selbst ältere Menschen kaufen heute aus zweiter Hand.

Simone Blank (links) und Florina Moser (rechts): Die Gründerinnen von «The SecondHand» (Luzern) erklären, dass die Kundschaft im Vergleich zu früheren Tendenzen heute zwischen 14 und 70 Jahren alt ist. Selbst ältere Menschen kaufen heute aus zweiter Hand.

Michael Fankhauser
Auch Kristina Stankova, Gründerin von «The Secondvogue» (Luzern), sagt, dass das Interesse an Secondhand in allen Altersgruppen bis hin zu den älteren Menschen zugenommen hat.

Auch Kristina Stankova, Gründerin von «The Secondvogue» (Luzern), sagt, dass das Interesse an Secondhand in allen Altersgruppen bis hin zu den älteren Menschen zugenommen hat.

The Secondvogue
Im Vorfeld des Second Hand Day 2022 bieten viele Secondhand-Läden der Stadt ihren Kundinnen und Kunden Sonderaktionen an.

Im Vorfeld des Second Hand Day 2022 bieten viele Secondhand-Läden der Stadt ihren Kundinnen und Kunden Sonderaktionen an.

Secondhand Day / Ricardo AG

Darum gehts 

  • Secondhand-Läden werden weltweit immer beliebter, auch in Luzern. 

  • Die Kundschaft, die Secondhand-Produkte kauft, ist heute sehr viel vielfältiger als vorher: Die Kundinnen und Kunden sind zwischen 14 und 70 Jahren alt. Das Interesse an Secondhand-Ware habe in allen Altersschichten stark zugenommen, erzählen Ladenbetreiberinnen.

  • Die Vorteile: Beim Secondhand-Shopping kann man Schnäppchen machen und dabei das Klima schonen. 

Secondhand-Shopping wird weltweit immer mehr geschätzt. Mit dieser Art des Einkaufens kann man nicht nur einzigartige und oft hochwertige Stücke für seine Garderobe kaufen, sondern auch einen konkreten Schritt zur Rettung des Planeten unternehmen. Nach offiziellen Angaben werden allein in der Schweiz jährlich 14 Tonnen CO2 pro Kopf für die Herstellung, den Transport und die Nutzung neuer Produkte verbraucht. Laut der Stiftung myclimate generiert die Fashion-Industrie mehr CO₂-Emissionen als alle internationalen Flüge und der gesamte Seefrachtverkehr zusammen. Aber wie kann man mit diesem Problem umgehen?

Secondhand gilt als cool, auch bei Senioren

Simone Blank und Florina Moser, Gründerinnen des Ladens «The SecondHand» in Luzern, erklären, dass sich das Image für Secondhand verändert hat. Secondhand habe vor einigen Jahren ein eher schmutziges Image gehabt: Die Kleider würden seltsam riechen und sie wurden als etwas für jene angesehen, die nicht genug Geld für Neues hatten oder halt für Hippies. Heute ist das anders, die Kundschaft deutlich vielfältiger: «Unsere Kundinnen und Kunden sind zwischen 14 und 70 Jahren alt», sagt Blank. 

Auch Kristina Stankova, Gründerin von «The Secondvogue», erzählt, dass sich das Interesse an Secondhand in den vergangenen Jahren stark entwickelt und sogar ältere Damen erreicht hat. «Das Interesse an qualitativ hochwertigen Secondhand-Artikeln und die Nachhaltigkeit in der weiteren Verwendung derer ist enorm gestiegen», sagt sie weiter. Die Kunden und Kundinnen seien sich viel bewusster, dass es mittlerweile trendig und etabliert ist, sich mit gut erhaltenen Secondhand-Artikeln einzudecken. 

Was hältst du von Secondhand-Ware?

Secondhand-Shopping habe laut den beiden Ladenbetreiberinnen viele Vorteile: Erstens ist es oft möglich, in Secondhand-Läden ein einzigartiges Stück zu einem guten Preis zu finden. Ausserdem stehen hinter diesen Stücken persönliche Geschichten und Emotionen, die das Einkaufserlebnis völlig verändern. Diese Art des Einkaufens sei nicht nur befriedigend für die persönlichen Bedürfnisse, wie es bei Fast-Fashion der Fall ist, sondern werde gewissermassen zu einer Möglichkeit, die Erinnerungen einer anderen Person lebendig zu halten.

Das Bewusstsein für faire Mode steigt

Der wichtigste Vorteil des Secondhand-Einkaufs ist aber der Beitrag, den er zur Kreislaufwirtschaft leistet. Wenn man von Kreislaufwirtschaft spricht, geht es darum, die Lebensdauer von Produkten zu verlängern, indem man sie teilt, vermietet, wiederverwendet, repariert und recycelt. Diese Massnahmen ermöglichen, weniger Abfall zu produzieren und auch die CO2-Emissionen werden verringert, die ohnehin viel zu hoch sind. Moser fügt hinzu, dass es Menschen gibt, die bewusst einkaufen, weil sie die schmutzige Seite der Textilindustrie nicht mehr unterstützen wollen: «Zum Glück steigt das Bewusstsein für faire Mode.» 

«Unser Ziel ist es, Qualität zu kaufen und im zweiten oder dritten Leben der Textilie Freude und Wertigkeit zu vermitteln und dabei einen entsprechenden Rückkaufwert zu erzielen.»

Kristina Stankova, Gründerin von «The Secondvogue» in Luzern

Viele würden kritisieren, dass der Secondhand-Kauf oft teurer ist als erwartet. Blank erklärt jedoch, dass ein qualitatives Produkt auch Secondhand seinen Preis hat. Eine Markentasche hat also ihren Preis, auch wenn sie gebraucht gekauft wird. Aber sie ist immer günstiger als neu. Es ist auf jeden Fall eine Win-win-Situation: Mit  Secondhand tut man Gutes für seinen Geldbeutel und die Umwelt. 

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

Deine Meinung

2 Kommentare