«Schluchz-Sessions»: Britin weint nach Terminplan, ganz viele tun es ihr gleich

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«Schluchz-Sessions»Britin weint nach Terminplan, ganz viele tun es ihr gleich

Junge Frauen berichten auf Social Media, wie sie regelmässig ihren Tränen freien Lauf lassen. Es sei eine gesunde Gewohnheit, findet eine Ärztin.

von
Karin Leuthold
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Geplantes Weinen liegt im Trend: Eine Britin weint alle zwei Wochen und macht dafür sogar Termineinträge in ihrer Agenda. (Symbolbild)

Geplantes Weinen liegt im Trend: Eine Britin weint alle zwei Wochen und macht dafür sogar Termineinträge in ihrer Agenda. (Symbolbild)

PantherMedia / Antonio Guillen Fernández
Eine US-Amerikanerin berichtet, wie sie bis zu 18 Mal im Monat weint. (Symbolbild)

Eine US-Amerikanerin berichtet, wie sie bis zu 18 Mal im Monat weint. (Symbolbild)

imago images/Shotshop
Eine Ärztin sagt, Weinen sei gesund. Aber: «Wenn Sie feststellen, dass das Weinen Ihre täglichen Aktivitäten beeinträchtigt oder Sie es unkontrolliert tun, ist es an der Zeit, sich professionelle Hilfe zu holen», warnt die Medizinerin. (Symbolbild)

Eine Ärztin sagt, Weinen sei gesund. Aber: «Wenn Sie feststellen, dass das Weinen Ihre täglichen Aktivitäten beeinträchtigt oder Sie es unkontrolliert tun, ist es an der Zeit, sich professionelle Hilfe zu holen», warnt die Medizinerin. (Symbolbild)

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Darum gehts

  • Eine junge Frau aus London berichtet, wie sie weint, weil es in ihrer Agenda geplant ist.

  • Eine andere aus den USA dokumentiert, wie sie bis zu 18 Mal im Monat heult.

  • Weinen sei gesund, findet eine Ärztin. Allerdings müsse man auf gewisse Warnzeichen achten.

Zweimal im Monat greift die 32-jährige Rita Balogun nach einem Taschentuch und beginnt zu weinen – ohne Ausnahme. «Weinen» steht nämlich gerade in ihrem Terminkalender. «Wenn ich nicht mindestens alle zwei Wochen heule, habe ich das Gefühl, dass alle meine Emotionen eingeschlossen sind und ich sie einfach loslassen muss, damit ich wieder klar denken kann», sagt die Britin.

Geplantes Weinen liegt bei jungen Millennials und Menschen der Generation Z im Trend. Die Schauspielerin Balogun ist da nicht anders. «Ich schaue in meine Agenda und denke: ‹Ich mache heute nichts anderes›», sagte sie zur «NY Post». Dann schalte sie eine traurige Fernsehsendung ein und lasse ihren Tränen freien Lauf.

«Ich weine, als ob die Welt unterginge»

Maya Dougherty aus Chicago weint zwar nicht nach Termin, jedoch dokumentiert sie jede ihrer Schluchz-Sessions sorgfältig in PowerPoint-Präsentationen, die sie dann für ihre über 57’000 Follower vorträgt. Sie ist nicht die einzige Tiktokerin, die das tut, unter dem Hashtag ##AlwaysBeCrying finden sich zahlreiche Videos mit insgesamt 4,1 Millionen Views.

«Ich bin ziemlich emotional und weine viel», sagt Dougherty. Sei es, weil sie einen stressigen Arbeitstag hatte oder weil sie ein emotionales Video, wie etwa einer Hochzeit oder einer Geburt gesehen hat. Die Tränen kommen bei  Dougherty sehr schnell – bis zu 18 Mal im Monat. 

«Manchmal suche ich ein bestimmtes Hemd in meinem Schrank und mir ist zu warm. Da weine ich schon, als ob die Welt unterginge», erzählt sie. «Ich muss es einfach rauslassen, um all die aufgestauten Gefühle aus meinem Körper zu bekommen und dann einfach weiterzumachen.»

Weinst du oft?

Weinen ist gesund

Thea Gallagher, Professorin für Psychiatrie am New Yorker Gesundheitszentrum Langone, hält geplantes Weinen für gesund. «Wenn man sich einen Moment Zeit nimmt, um auf diese Weise mit seinen Gefühlen in Kontakt zu kommen, kann das genauso förderlich sein wie Gespräche mit einem Therapeuten oder engen Freund», sagt die Medizinerin.

Laut einer Studie der Universität Tilburg in den Niederlanden weinen US-amerikanische Frauen im Durchschnitt 3,5 Mal pro Monat, während Männer etwa 1,9 Mal pro Monat weinen. Die Durchschnittswerte für die einzelnen Länder sind sehr unterschiedlich. Der Durchschnitt in den USA liegt am oberen Ende des Spektrums. Frauen in China zum Beispiel weinen nur etwa 1,4 Mal im Monat. Männer in Bulgarien weinen nur 0,3 Mal im Monat.

Weinen darf tägliche Aktivitäten nicht beeinträchtigen

Dabei ist Weinen sowohl für den Körper als auch für die Psyche gut, wie das Portal «Healthline» schreibt: Es entgiftet den Körper, dämpft die Schmerzen, verbessert die Laune, hilft einem Menschen, sich von Trauer zu erholen und stellt das emotionale Gleichgewicht wieder her.

Professorin Gallagher warnt allerdings, auf die Art und Weise, wie die Tränen fliessen, zu achten: «Wenn Sie feststellen, dass das Weinen Ihre täglichen Aktivitäten beeinträchtigt oder Sie es unkontrolliert tun, ist es an der Zeit, sich professionelle Hilfe zu holen», sagt Gallagher. Menschen, die allein zu Hause bleiben und ständig weinen, zeigten damit «ein Symptom für ein grösseres Problem, das angegangen werden muss.» 

Hast du oder hat jemand, den du kennst, eine Depression?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Kinderseele Schweiz, Beratung für psychisch belastete Eltern und ihre Angehörigen

Verein Postpartale Depression, Tel. 044 720 25 55

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

VASK, regionale Vereine für Angehörige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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