Aktualisiert

EinkaufstourismusDarum kaufen Schweizer weniger im Ausland ein

Schweizer Einkaufstouristen haben 2018 weniger Ausfuhrzettel am deutschen Zoll abstempeln lassen. Das sind die Gründe für den Rückgang.

von
D. Benz / V. Blank
1 / 9
Ein Lebensmittelgeschäft im deutschen Waldshut – vor allem am Wochenende oft frequentiert von Schweizer Konsumenten.

Ein Lebensmittelgeschäft im deutschen Waldshut – vor allem am Wochenende oft frequentiert von Schweizer Konsumenten.

Manuel Geisser
Nach dem Frankenschock im Jahr 2015 sind die Schweizer scharenweise in deutsche Shops ...

Nach dem Frankenschock im Jahr 2015 sind die Schweizer scharenweise in deutsche Shops ...

Keystone/Ennio Leanza
... und Einkaufszentren gepilgert. Im Bild: das Shoppingcenter Lago in Konstanz.

... und Einkaufszentren gepilgert. Im Bild: das Shoppingcenter Lago in Konstanz.

Keystone/Martin Ruetschi

Nach dem Frankenschock im Jahr 2015 sind die Schweizer scharenweise in deutsche Shops und Einkaufszentren gepilgert. Jährlich fliessen so noch immer rund 10 Milliarden Franken ins Ausland. Der Reiz der Schnäppchenjagd verpufft jedoch je länger, je mehr.

Das zeigt ein Blick auf die Zahl der Ausfuhrbestätigungen an deutschen Zollämtern. Beim Hauptzollamt Singen sind vergangenes Jahr 10,21 Millionen der sogenannten «grünen Zettel» abgestempelt worden. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von über 5 Prozent. Mit den Ausfuhrbestätigungen können sich ausländische Konsumenten die Mehrwertsteuer zurückerstatten lassen. Das Hauptzollamt Singen ist für den langen Grenzabschnitt zwischen Bad Säckingen und Konstanz zuständig.

Beim Hauptzollamt Lörrach (Grenzabschnitt vom Rheinknie bis Bad Säckingen) ist der Rückgang noch grösser: Dort wurden vergangenes Jahr 5,64 Millionen Ausfuhrbestätigungen gezählt – «ein noch deutlicherer Rückgang als in den Vorjahren», sagt Sprecherin Antje Bendel. Das Minus in Lörrach beträgt rund 10 Prozent gegenüber 2017.

Warum ist das Shoppen im Ausland für die Schweizer unattraktiver geworden? 20 Minuten hat einen Experten befragt.

Preisniveau

Der Preisunterschied zu Deutschland ist kleiner geworden. «Während das Preiswachstum in der Schweiz schwach war, sind in Deutschland die Preise stärker gestiegen», sagt Detailhandelsexperte Sascha Jucker von der Credit Suisse. Waren 2017 die Produkte hierzulande unter dem Strich rund 40 Prozent teurer als in Deutschland, lag der Unterschied im letzten Jahr noch bei etwa einem Drittel. Laut Jucker reagierten die Schweizer Läden auf den Einkauftourismus und passten die Preise nach unten an.

Franken-Euro-Kurs

2015 hob die Schweizerische Nationalbank den Euro-Mindestkurs auf. Damit wertete sich der Franken gegenüber dem Euro stark auf. Das heisst: Produkte im Euro-Raum wurden für die Schweizer quasi über Nacht spottbillig. Seither hat sich der Franken erholt. «Der schwächere Franken und der etwas erstarkte Euro haben die Preisdifferenz zusätzlich verringert», sagt Detailhandelsexperte Jucker.

Stau

Einkaufstouristen strömen vor allem am Wochenende in die grenznahen Einkaufszentren und Läden. An Samstagen sind jeweils die Strassen in Städten wie Konstanz, Weil am Rhein oder Waldshut-Tiengen mit Autos verstopft. Die langen Wartezeiten im Auto dürften viele Schweizer nun abgeschreckt haben. «Wenn es am Wochenende überall Stau hat, muss man sich schon gut überlegen, ob sich das Einkaufen in Deutschland noch lohnt», sagt Experte Jucker.

Abgeschwächter Hype

Nach dem Ende des Euro-Mindestkurses entstand um das grenznahe Shoppen ein grosser Hype. Das Thema war in der Öffentlichkeit allgegenwärtig. Schweizer Schnäppchenjäger liessen sich davon anstecken. Unterdessen ist das Thema Einkaufstourismus nicht mehr so präsent und der Hype hat sich abgeschwächt. «Die Konsumenten werden nicht mehr so schnell auf die Idee gebracht, im Ausland einzukaufen», sagt Jucker.

Klimasünde

Das Umweltbewusstsein der Konsumenten wird grösser. Mal eben mit dem Auto zum Einkaufen ins Ausland zu fahren, passt da nicht richtig dazu. Zumal die Einsparungen teils nicht wirklich gross sind. «Wer zu zweit von Zürich aus ins deutsche Jestetten mit dem Auto fährt, muss für mindestens 260 Franken einkaufen, damit sich der Trip trotz höheren Fahrt- und Zeitkosten finanziell lohnt», sagt Jucker.

Warum die Leser nicht mehr so oft in Deutschland einkaufen, lesen Sie später auf 20 Minuten.

Bleiben Sie über Wirtschaftsthemen informiert

Wenn Sie die Benachrichtigungen des Wirtschaftskanals abonnieren, bleiben Sie stets top informiert über die Entwicklungen der Business-Welt. Erfahren Sie dank des Dienstes zuerst, welcher Boss mit dem Rücken zur Wand steht oder ob Ihr Job bald durch einen Roboter erledigt wird. Abonnieren Sie hier den Wirtschafts-Push (funktioniert nur in der App)!

Social Media

Sie finden uns übrigens auch auf Facebook, Instagram und Twitter!

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.