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Occasions-SchnäppchenDarum kauft Amazon jetzt eigene Flieger

Amazon gönnt sich elf eigene Flieger. Müssen nun Transportdienstleister wie UPS & Co. oder eher klassische Airlines wie die Swiss zittern? 20 Minuten klärt auf.

von
Fabian Pöschl
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Amazon hat 11 neue Flieger gekauft. Es sind die ersten in der Flotte in Eigenbesitz.

Amazon hat 11 neue Flieger gekauft. Es sind die ersten in der Flotte in Eigenbesitz.

Amazon
Wie die meisten der Flotte sind es Modelle von Boeing Typ 767.

Wie die meisten der Flotte sind es Modelle von Boeing Typ 767.

Amazon
Die Flieger sind Occasions-Schnäppchen. Amazon dürfte in der Corona-Krise einen grossen Rabatt bekommen haben.

Die Flieger sind Occasions-Schnäppchen. Amazon dürfte in der Corona-Krise einen grossen Rabatt bekommen haben.

Amazon

Darum gehts

  • Amazon hat sich die ersten eigenen Flieger geleistet.

  • Dazu baut der Onlinehändler einen 1,5-Milliarden-Hub für seine Flotte.

  • Passagiere werden aber wohl nicht mit Amazon fliegen können.

Onlineshop, Film- und Musik-Streaming, Cloud-Dienste – der Amazon-Konzern hat viele Standbeine. Nun wachsen ihm auch noch Flügel. Zum ersten Mal kauft die eigene Frachtfluggesellschaft Amazon Air Flugzeuge anstatt sie zu leasen.

Amazon gönnt sich elf gebrauchte Boeing-Modelle des Typs 767-300. Verkäufer der Flieger sind gemäss Mitteilung die Airlines Westjet und Delta. Angaben zum Kaufpreis machte Amazon nicht. Wären die Flugzeuge aber neu, würden sie laut Berichten rund zwei Milliarden Dollar kosten.

Die Occassions-Flieger sind für Passagiertransporte konzipiert. Deshalb muss Amazon sie erst für den Päckli-Transport umbauen. Spätestens im nächsten Jahr sollen die Flieger dann aber die bestehende Flotte der rund 80 geleasten Flugzeuge ergänzen – ebenfalls alles Boeings der Typen 767 und 737.

Mit über 90 Flugzeugen ist Amazon bereits die Nummer vier unter den Transportgiganten. Nur Fedex mit 400, UPS mit 276 und DHL mit rund 260 Fliegern verfügen über eine grössere Flotte. Dieses Jahr will Amazon ausserdem eine neue Logistikanlage am Cincinnati/Northern Kentucky International Airport im Wert von 1,5 Milliarden Dollar eröffnen, in dem alle Flugzeuge der Flotte Platz finden sollen (Video unten).

Was plant Amazon mit der Flieger-Flotte? Müssen sich UPS & Co. nun warm anziehen oder droht bald der Swiss Konkurrenz? 20 Minuten gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Amazon-Air-Ausbau.

  • Kann ich bald mit der Amazon-Airline fliegen?

«Nein, sicher nicht», sagt der Luftfahrtexperte und ZKB-Analyst Michael Winkler zu 20 Minuten. Eine klassische Airline werde es von Amazon nicht geben. Winkler erklärt: «Das Luftfahrtgeschäft ist zu kostspielig und unsicher für Amazon. Das haben die Corona-Krise und der Vulkanausbruch in Island vor 11 Jahren gezeigt, durch den der gesamte europäische Luftraum gesperrt war.»

  • Kann ich bald Pakete über Amazon verschicken?

Amazon wird wohl nicht zum Transportkonzern à la Fedex und UPS, wie Winkler sagt. Sollte Amazon aber seine Frachtflieger nicht für den Eigenbedarf auslasten können, sei denkbar, dass das Unternehmen den freien Platz anderen Firmen anbietet. Amazon probiere viel Neues aus wie bei Amazon Web Services (AWS), so Winkler. Die Firma gründete den Cloud-Dienst vor 15 Jahren, weil es die Rechenzentren nicht auslasten konnte. Mittlerweile bringt AWS den Grossteil des Konzerngewinns ein.

  • Bekomme ich die Päckli nun schneller?

Schweizer Kunden werden wohl keinen Vorteil aus Amazons neuen Flieger ziehen können. Winkler vermutet, dass sie vor allem in den USA eingesetzt werden. «Europa ist im Vergleich zu den USA dicht besiedelt. Die Schweiz beliefert Amazon von Deutschland, da braucht es keine Flugzeuge», so Winkler. In den USA kann Amazon mit der eigenen Luftflotte aber schneller liefern und ist flexibler, sagt E-Commerce-Professor Ralf Wölfle von der Fachhochschule Nordwestschweiz zu 20 Minuten. «Auch bei Nachfrageveränderungen wie in der Corona-Krise schnell liefern zu können ist wichtig, um sich von der Konkurrenz abzuheben», so Wölfle.

  • Warum kauft Amazon eigene Flugzeuge und least sie nicht wie vorher?

Amazon konnte die Flugzeuge billig kaufen, vermutet der Experte. «Die Flugzeuge stehen in der Krise nur herum und kosten Geld, das die Airlines dringend brauchen», so Winkler.

  • Warum kauft Amazon immer wieder den selben Fliegertyp?

Die elf neuen Flieger sind wie die meisten aus Amazons Flotte der Typ Boeing 767. Daneben verfügt der Konzern über einige 737-Modelle. Beide werden nicht mehr hergestellt. Der Konzern könnte sich wohl auch brandneue Flieger leisten. Doch Experte Winkler erklärt: «Amazons Frachtflugzeuge sind weniger in der Luft als solche von Linienfluggesellschaften. Daher lohnt es sich für Amazon nicht, neue teure und kosteneffizientere Flugzeuge zu kaufen.

In diesen Branchen ist Amazon tätig

Amazon hat viele Standbeine, dazu gehören etwa:

  • Onlinehändler und Online-Marktplatz für Drittanbieter

  • Cloud-Dienstleistungen mit Amazon Web Services

  • Physische Läden

  • Eigene Cargo-Gesellschaft Amazon Air

  • Lebensmittel-Lieferdienst Amazon Fresh

  • Streaming-Dienste wie Amazon Music, Prime Video und Twitch

  • Bezahldienst Amazon Pay

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68 Kommentare
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Dominosteine

10.01.2021, 17:31

War ja wohl seit Anfang an klar wie sich die Dinge entwickeln werden in dieser Geschichte, dennoch glauben noch immer viele, es würde um Gesundheit gehen.

RamschRumsch

10.01.2021, 15:13

Weiss jemand, ob Amazon mittlerweile irgendwo Unternehmenssteuern bezahlt? Tesla bezahlt überall wo sie ihre Fabriken haben die regulären Steuern, ohne Zückerli!

Flügerli

10.01.2021, 15:00

Die kaufen die 737 Max zum Sonderpreis