Geteilte Lieferwagen - Darum könnte deine Coop-Bestellung bald von der Migros kommen
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Geteilte LieferwagenDarum könnte deine Coop-Bestellung bald von der Migros kommen

Firmen sollen zusammenspannen und in Zukunft ihre Lieferwagen und -Bikes teilen. Damit wird der Gütertransport in den Schweizer Städten effizienter und umweltfreundlicher.

von
Barbara Scherer
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Bald könnte die Migros Coop-Produkte vor die Haustür bringen und umgekehrt.

Bald könnte die Migros Coop-Produkte vor die Haustür bringen und umgekehrt.

20 Minuten
Das hat sich die Firma Cargo Sous Terrain AG zum Ziel gesetzt. 

Das hat sich die Firma Cargo Sous Terrain AG zum Ziel gesetzt.

Cargo Sous Terrain
Das Unternehmen baut eine Güter-U-Bahn. Diese transportiert Waren in einem unterirdischen Tunnelsystem durch die Schweiz.

Das Unternehmen baut eine Güter-U-Bahn. Diese transportiert Waren in einem unterirdischen Tunnelsystem durch die Schweiz.

Cargo Sous Terrain

Darum gehts

  • Cargo Sous Terrain will den Gütertransport revolutionieren mit einer Untergrundbahn.

  • Zusätzlich soll der Gütertransport in den Städten effizienter gestaltet werden.

  • Unternehmen wie Coop, Migros und die Post sollen zusammenspannen und ihre Lieferwagen teilen.

  • Denn geteilte Logistik senkt die Kosten, ist effizienter und umweltfreundlicher.

Der Onlinehandel boomt seit der Corona-Krise. Darum sind immer mehr Kuriere in den Schweizer Städten unterwegs und verstopfen die Strassen. Das will die Firma Cargo Sous Terrain AG ändern. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was plant Cargo Sous Terrain?

Um die Zahl der Camions auf den Autobahnen zu senken, plant Cargo Sous Terrain eine Güter-U-Bahn. Diese transportiert Waren in einem unterirdischen Tunnelsystem durch die Schweiz. Zusätzlich will das Unternehmen mit dem Projekt City-Logistik den Gütertransport auch in den Städten revolutionieren. «Um den Güterverkehr nachhaltiger und effizienter zu gestalten, müssen wir zum Tunnelsystem auch eine integrierte Lösung innerhalb der Städte anbieten», sagt Peter Sutterlüti, Präsident von Cargo Sous Terrain zu 20 Minuten.

Wie genau funktioniert die City-Logistik?

Die Idee hinter dem Projekt ist einfach: Alle beteiligten Unternehmen, darunter Coop, Migros und die Post, sollen zusammenspannen und ihre Lieferwagen, Roller und Cargo-Bikes teilen. «Wir wollen die vorhandenen Ressourcen effizienter nutzen und schlanke Prozesse gestalten», erklärt Stefan Goldlücke, Leiter City-Logistik. Besonders profitieren dürften davon auch kleinere Geschäfte und Unternehmen. «Ein Biobauer müsste dann nicht mehr selber in die Stadt fahren, sondern könnte seine Waren über das System von Cargo Sous Terrain und deren Partner ausliefern lassen», so Goldlücke.

Liefert also bald die Post Coop- und Migros-Waren aus und umgekehrt?

Das könnte durchaus der Fall sein, wie Präsident Peter Sutterlüti gegenüber 20 Minuten bestätigt. Alle Ressourcen sollen geteilt werden: Coop liefert dann unter Umständen Migros-Produkte vor die Haustür und umgekehrt. Doch ist das im Interesse der Detailhändler? «Natürlich ist das im ersten Moment gewöhnungsbedürftig, ich bin aber überzeugt, dass es längerfristig klappen kann», sagt Sutterlüti. Denn eine geteilte Logistik senke die Kosten für die Anbieter und sei dabei effizienter sowie umweltfreundlicher. Coop unterstützt die Vision von Cargo Sous Terrain: Das Projekt könne zu einer nachhaltigen Logistik beitragen und biete dabei der Umwelt sowie den Kunden vielfältigen Nutzen, sagt eine Sprecherin auf Anfrage.

Funktionieren Expresslieferungen dann noch?

Ja, sagt Stefan Goldlücke. Denn es sollen alle bestehenden Lieferservices zusammenspannen. «Das heisst, auch Fahrradkuriere werden eingebunden», so Goldlücke. Kuriere werden dann weitere Stopps, die auf ihrer Tour liegen, einbinden. Dabei sollen nicht nur Auslieferungen, sondern auch Abholungen getätigt werden: «Bisher fahren Kuriere meist beladen los und kehren ohne Pakete zurück. Das soll sich ändern: Liegt eine Abholung auf der Liefertour eines Kuriers, wird er diese mitnehmen», so Goldlücke.

Was kostet das Ganze und wer zahlt das?

Die Kosten für die gesamte unterirdische U-Bahn nördlich der Alpen werden auf 30 bis 35 Milliarden Franken geschätzt. «Darin sind die Kosten für die City-Logistik eingerechnet», erklärt Sutterlüti. Wie hoch diese genau sind, kann er aber nicht sagen. Allzu viel kosten sollte das Projekt in den Städten aber nicht. Weil bestehende Systeme genutzt werden, brauche es nur begrenzt zusätzliche Mittel wie Lieferwagen. «Wir werden vor allem für Personal an den Übergabepunkten zwischen City-Hubs und Feinverteilung Kosten einrechnen müssen», so Sutterlüti. Der Bund beteiligt sich nicht an der Finanzierung. Die Kosten tragen die Aktiengesellschaft und Investoren.

Wann ist es so weit?

Die oberirdische Logistik in Städten wird schon ab diesem Jahr langsam und schrittweise aufgebaut. Damit das Logistik-Projekt vollständig funktioniert, muss aber zuerst die Unterirdische Güterbahn noch aufgebaut werden: «Ein erster Teil von Niederbipp/Härkingen bis Zürich sollte 2031 betriebsbereit sein», erklärt Sutterlüti. Bis 2050 soll ein schweizweites unterirdischen Cargo-Netz bereitstehen.

Wer steckt hinter Cargo Sous Terrain?

Cargo Sous Terrain (CST) ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Basel. Sie wurde 2017 gegründet. Ihr Ziel ist es, möglichst viel Güterverkehr unter die Erde zu bringen. Hinter der Firma stehen neben den zwei grossen Detailhändlern Coop und Migros auch die Post sowie die SBB. Weitere bekannte Aktionäre sind Credit Suisse, Swisscom und der Flughafen Zürich. Aber auch Firmen wie Manor oder Möbel Pfister und die Mobiliar oder Helvetia Versicherung unterstützen das Projekt.

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