Neuer CEO zückt Rotstift: Darum könnte die Swiss mehr als 1000 Stellen streichen
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Neuer CEO zückt RotstiftDarum könnte die Swiss mehr als 1000 Stellen streichen

Der neue Swiss-CEO will mit einem Abbau den Turnaround schaffen. Es wird Mitarbeitende am Boden, im Cockpit und und in der Chefetage treffen.

von
Fabian Pöschl
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Die Swiss hat im Corona-Jahr 654 Millionen Franken Verlust gemacht.

Die Swiss hat im Corona-Jahr 654 Millionen Franken Verlust gemacht.

20min/Marco Zangger
Deshalb forderte der neue CEO Dieter Vranckx eine schärfere Restrukturierung.

Deshalb forderte der neue CEO Dieter Vranckx eine schärfere Restrukturierung.

Swiss
So soll die Flotte verkleinert werden.

So soll die Flotte verkleinert werden.

Flughafen Zürich

Darum gehts

  • Die Swiss schreibt tiefrote Zahlen.

  • Wegen der Pandemie will der neue CEO stärker sparen.

  • 500 Stellen fielen 2020 weg.

  • Weitere 500 sollen dieses Jahr folgen.

  • Der Experte schätzt, dass es noch mehr sein werden.

Die Reiserestriktionen wegen Corona setzen der Flugbranche mächtig zu. Die Swiss erlebte das zweitschlimmste Jahr ihrer Geschichte. 654 Millionen Franken Verlust stehen in der Bilanz der Airline für 2020. Jeden Monat verliert die Swiss 60 Millionen Franken, wie es an der Bilanz-Pressekonferenz hiess.

Der Termin war der erste Auftritt vom neuen CEO Dieter Vranckx. «Der Blick auf die Zahlen schmerzt», sagte dieser und forderte eine stärkere Restrukturierung als bislang vorgesehen. Die Swiss müsse schlanker und agiler werden.

Eine Entscheidung dazu ist noch nicht gefallen, wie es auf Anfrage bei der Swiss heisst. Allerdings ist denkbar, dass der neue Chef bei folgenden Punkten stärker den Rotstift ansetzt:

Flotte

Zur Flotte sind schon Abbaupläne bekannt. So will die Swiss dieses Jahr fünf Flugzeuge vom Typ A32xceo ausflotten. Die Airline prüft ausserdem die Möglichkeit, sich noch dieses Jahr von weiteren Flugzeugen zu trennen, wie es auf Anfrage heisst. Die Entscheidung soll aber nicht vor Mai fallen. Stefan Eiselin, Luftfahrtexperte und Chefredakteur des Branchenportals Aerotelegraph schätzt auf Anfrage, dass die Swiss die Flotte wie die Muttergesellschaft Lufthansa um rund 10 Prozent abbauen könnte, das wären etwa 10 Flieger.

Piloten

Die Swiss hat im vergangenen Jahr 500 Stellen abgebaut und will dies 2021 wiederholen, wie es an der Konferenz hiess. Sie sagte aber nicht, welche Stellen betroffen sind. Doch die Swiss hat laut ihrem operativen Leiter einen akuten Piloten-Überbestand. Dazu kommt, dass die Airline den GAV mit den Piloten kündigte, weil sie sich nicht über Kostensenkungsmassnahmen einigen konnten. Ob es nun zum Kahlschlag kommt, ist unklar. Die Airline habe den Pilotenverband aufgefordert, in Verhandlungen über einen neuen GAV zu treten. Bis Ende März 2022 bleibt noch Zeit, dann endet der GAV.

Bodenpersonal

Besser scheint die Situation beim Bodenpersonal. Es hat den Krisenmassnahmen zugestimmt. So bleibt der aktuelle GAV für mindestens 3 Jahre bestehen. Allerdings könnte es auch hier zum Abbau kommen, so Eiselin. Denn wenn die Swiss ihre Flieger ausflottet, wären pro Flieger rund 100 Mitarbeiter am Boden und in der Luft betroffen. Gut möglich also, dass die Swiss zu dem angekündigten Abbau von 1000 Stellen weitere Jobs abbauen wird – insbesondere, wenn die Reise-Nachfrage auch im Spätsommer noch nicht steigt, so Eiselin.

Management

Auch die Chefetage ist betroffen. Die Swiss hat bereits die Zahl der Mitarbeitenden in den oberen Führungsebenen um 20 Prozent reduziert. Zudem ist schon klar, dass die Airline die Geschäftsleitung von vier auf drei Mitglieder reduziert. So wird der CEO auch die operative Leitung übernehmen, wie es bereits in früheren Jahren war. Der bisherige COO Thomas Frick trete Ende März wie geplant von der Position zurück, bleibe aber noch für Projekte an Bord.

Das kommt nun auf die Fliegenden zu

Swiss-Kundinnen und -Kunden müssen trotz der Krise in der Luftfahrtbranche derzeit keine höheren Preise befürchten. «Wir erwarten keine Preissteigerungen», sagt Kommerzchef Tamur Goudarzi Pour. Derzeit gebe es ein Überangebot, deshalb seien eher tiefere Preise möglich. Im Sommer werde die Nachfrage hingegen grösser sein, dann könnten die Preise steigen. Eine Änderung für die Kunden könnte es aber doch geben. Wenn die Swiss weiter beim Personal und der Flotte spart, könnte das laut Luftfahrtexperte Stefan Eiselin bedeuten, dass die Kunden öfter in den grossen Flughäfen umsteigen müssen, weil die Swiss nicht mehr direkt die Destinationen anfliegt.

Staatshilfe

Der neue Swiss-CEO bedankte sich an der Konferenz für die staatlich verbürgten Kredite. Laut Finanzchef Markus Binkert ist vom 1,5 Milliarden-Kredit noch 1 Milliarde Franken übrig. «Das Geld reicht bis zum nächsten Jahr», versicherte er. Die Liquidität werde auch dann kein Problem sein, wenn das Sommergeschäft noch nicht wie erhofft anzieht. Luftfahrtexperte Eiselin glaubt ebenfalls nicht, dass die Swiss weitere Staatshilfe braucht. «Nur wenn es vielerorts neue Grenzschliessungen und Lockdowns gibt und wieder kaum geflogen wird, könnte das ein Thema werden», so Eiselin.

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