Geoblocking-Verbot – Darum könntest du ab 2022 deutlich günstiger online shoppen
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Geoblocking-VerbotDarum könntest du ab 2022 deutlich günstiger online shoppen

In der Schweiz sind Pflegemittel 57 Prozent teurer als in den Nachbarländern – damit könnte bald Schluss sein. Zwei Gesetzesänderungen machens möglich.

von
Fabian Pöschl
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Ab 2022 ist es Onlineshops nicht mehr erlaubt, dich vom Besuch einer ausländischen Seite abzuhalten, das sogenannte Geoblocking ist dann verboten.

Ab 2022 ist es Onlineshops nicht mehr erlaubt, dich vom Besuch einer ausländischen Seite abzuhalten, das sogenannte Geoblocking ist dann verboten.

20min/Michael Scherrer
Sara Stalder vom Konsumentenschutz freut sich, denn hierzulande sind laut Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz viele identische Produkte deutlich teurer als in Nachbarländern:

Sara Stalder vom Konsumentenschutz freut sich, denn hierzulande sind laut Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz viele identische Produkte deutlich teurer als in Nachbarländern:

Oskar Moyano
Kontaktlinsen kosten 14 Prozent mehr als in den Nachbarländern.

Kontaktlinsen kosten 14 Prozent mehr als in den Nachbarländern.

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Darum gehts

  • Ab 2022 gilt ein konsumentenfreundlicheres Gesetz.

  • Onlineshops dürfen Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten den Zugang auf ihre ausländischen Portale nicht mehr verweigern.

  • Unternehmen können sich ausserdem schneller bessere Preise von Lieferanten erstreiten.

Weekday, Monki, Nespresso – bei zahlreichen Onlineshops kommst du nur auf die Schweizer Seite. Sobald du versuchst, den deutschen Ableger mit der Endung «.de» zu besuchen, landest du schnurstracks wieder auf dem Schweizer Portal.

Dieses Geoblocking zur regionalen Sperrung von Internetinhalten gegen den Willen der Konsumentinnen und Konsumenten ist Händlern in der Schweiz ab nächstem Jahr nicht mehr erlaubt. Dann tritt ein neues Gesetz in Kraft (siehe Box), das in der EU bereits seit drei Jahren gilt.

Geoblocking-Gesetz mit Ausnahmen für Netflix

Bundesrat und Parlament haben im Frühling das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb und das Kartellgesetz als indirekten Gegenvorschlag zur Fairpreis-Initiative angepasst. Die Initiative wurde daraufhin zurückgezogen. Fehlbare Unternehmen können über Zivilprozesse eingeklagt und bei der Wettbewerbskommission gemeldet werden. Mit dem Verbot des Geoblockings dürfen Firmen Konsumentinnen und Konsumenten nicht mehr von einem ausländischen Portal auf eine Schweizer Seite umleiten, wo Produkte teurer sind. Es gibt aber Ausnahmen wie Glücksspielseiten, Finanzdienstleistungen oder audiovisuelle Inhalte wie bei Netflix.

Für Schweizerinnen und Schweizer bedeutet das, dass sie nun auch Preise international vergleichen können. Das lohnt sich, denn hierzulande kosten die exakt gleichen Produkte nicht selten das Doppelte, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt.

So verlangt Nespresso fürs Zehner-Set der aktuellen Röstung hierzulande rund zwölf Prozent mehr als in Deutschland, obwohl es die weltweit erfolgreichen Kapseln ausschliesslich in der Schweiz produziert. Nespresso sagt dazu, dass es die Preise im Ausland an die Schweizer Preise koppelt und unter Berücksichtigung der länderspezifischen Kosten festlegt.

Noch billiger im Ausland sind laut einer Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) etwa Pflegemittel, Gastronomieprodukte und Kleider (siehe Bildstrecke).

Die hohen Preise in der Schweiz lassen sich nicht nur mit den höheren Löhnen und Mieten hierzulande erklären. Es hat sich ein System entwickelt, bei dem auch die Händler und Produzenten profitieren, nicht aber die Kundinnen und Kunden, sagt FHNW-Wirtschaftsprofessor Mathias Binswanger in dem Beitrag.

«Es wird etwas ins Rutschen kommen»

Beim Konsumentenschutz ist die Freude gross über das neue Gesetz. «Es wird etwas ins Rutschen kommen», sagt Geschäftsführerin Sara Stalder. Allerdings wird sich zeigen müssen, ob die ausländischen Händler nach dem Geoblocking-Verbot die Ware auch in die Schweiz liefern. Deshalb vermutet Stalder: «In einem ersten Schritt werden sich wohl einige Konsumenten die Ware an die Grenze liefern oder dort umpacken lassen.»

Auch Schweizer Unternehmen profitieren von einer Gesetzesänderung. Produzenten und Lieferanten dürfen eine «relative Marktmacht» nicht mehr ausnützen. Das ist etwa der Fall, wenn eine Firma keine ausreichende oder zumutbare Alternative zum Lieferanten hat. Zuvor schritt der Staat nur bei «marktbeherrschenden» Unternehmen ein. Schweizer Unternehmen könnten so kartellrechtlich tiefere Preise erstreiten.

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