Felsstürze und Murgänge: Darum kommts am Axen immer wieder zu Sperrungen
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Felsstürze und MurgängeDarum kommts am Axen immer wieder zu Sperrungen

«Axenstrasse gesperrt»: Darüber dürften sich jeweils viele Verkehrsteilnehmer ärgern. Öfter kommt es dort zu Sperrungen, etwa wegen Steinschlägen. Aber warum eigentlich?

von
Gianni Walther
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Darum gehts

  • Immer wieder kommt es bei der Axenstrasse zu Steinschlägen und Murgängen.

  • In den vergangenen Jahren musste die Strasse deswegen mehrfach gesperrt werden. Die längste Sperrung dauerte sieben Wochen.

  • Besonders betroffen ist das Gumpischtal, ein laut Astra topografisch und geologisch anspruchsvolles Gebiet.

  • Jährlich müssen mehrere Hunderttausend Franken für die Sicherheit an der Axenstrasse ausgegeben werden.

Steinschläge, Felsstürze, Murgänge – immer wieder ist die Axenstrasse am Ostufer des Urnersees von Naturereignissen betroffen und muss deswegen gesperrt werden. Seit 2019 kam es zu mehreren Sperrungen. Die längste Sperrung im Juli 2019 dauerte insgesamt sieben Wochen. Auch am Mittwoch kam es zu einer Sperrung. Im Interview erklärt Samuel Hool, Beauftragter Information und Kommunikation beim Bundesamt für Strassen Astra, warum es auf der Axenstrasse in den vergangenen Jahren vermehrt zu Sperrungen kommt.

Immer wieder ist die Axenstrasse von Murgängen und Steinschlägen betroffen. Welche Schwierigkeiten bereitet der Axen generell?

Samuel Hool: Die Axenstrasse verläuft durch topografisch und geologisch anspruchsvolles Gebiet. Sie ist in gewissen Teilen potenziell Naturgefahren wie Murgängen, Felsstürzen und Steinschlägen ausgesetzt. Dagegen müssen entsprechende Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz der Verkehrsinfrastruktur und der Menschen, welche sie benutzen, getroffen werden.

Besonders der Bereich Gumpischtal ist vermehrt betroffen. Warum ist die Situation dort besonders heikel?

Samuel Hool: Im Januar 2019 ereignete sich aus den nördlichen Felswänden über dem Gumpischtal ein Felssturz mit einem Volumen von rund 120'000 Kubikmetern. Die Sturzmasse wurde im Gumpischtal abgelagert, gelangte jedoch nicht bis auf die Axenstrasse. Das Gebiet wurde dadurch instabil und im Juli 2019 folgte ein Felssturz aus diesem Absturzgebiet, welcher einige grosse Blöcke mit sich führte. Im Absturzgebiet vom Januar 2019 mussten nach dem Felssturz im Juli 2019 gut 1000 Tonnen loses und absturzgefährdetes Felsmaterial entfernt werden, darunter zwei grosse Blöcke von 200 respektive 300 Kubikmeter.

Auch wenn aktuell kein loses, absturzgefährdetes Felsmaterial vor Ort liegt, können Witterungsprozesse wie Regen, Wind oder aktuell Schmelzwasser zur Loslösung weiteren Materials führen.

Ein Video aus einem Helikopter zeigt die Situation während der Sperrung der Axenstrasse im Sommer 2019.

(Video: Valentin Luthiger)

2019 musste die Strasse mehrere Wochen gesperrt werden. Verschiedene Schutzmassnahmen wurden ergriffen. Wie bewähren sich diese?

Im Nachgang zu den Ereignissen im Januar und Juli 2019 wurde die Axenstrasse während sieben Wochen gesperrt und in diesem Bereich sicherheitstechnisch aufgerüstet. Um die Axenstrasse für Verkehrsteilnehmende zu sichern und die Befahrung grösstmöglich zu garantieren, wurde ein System aus Überwachungskameras, Sensoren, Reissleinen, Auffangnetzen und einem Ablenkdamm gebaut.

Die Überwachungs- und Warnanlage detektiert Blöcke und Murgänge, welche in Bewegung geraten, und veranlasst eine automatische Sperrung der Axenstrasse mittels Ampeln. Nach einer automatischen Sperrung der Strasse aufgrund von Bewegungen im Abbruchgebiet wird beurteilt, wie sich die Gefährdungssituation präsentiert. Falls die Systeme in den Schutznetzen (Reissleinen und Bewegungssensoren) oberhalb der Axenstrasse nichts detektieren, kann die Strasse nach kurzer Zeit wieder freigegeben werden (ca. fünf Minuten). Aufgrund dieser Funktionsweise des Systems wird eine grösstmögliche Verfügbarkeit bei maximaler Sicherheit der Axenstrasse garantiert.

Auch der Vorfall vom 17. Februar 2021 hat gezeigt, dass das eingesetzte Sicherheitskonzept «Gumpisch» funktioniert und die Sicherheit für den Verkehr auf der Nationalstrasse auch weiterführend gewährleistet ist.

Wie hoch ist der finanzielle Aufwand zur Sicherung der Axenstrasse?

Der jährliche Aufwand ist von der Anzahl der Ereignisse, den dadurch nötigen Massnahmen sowie den sicherheitsrelevanten Massnahmen aus der Überwachung abhängig. Für die Überwachung und den Unterhalt der Felswände inklusive Felsreinigungen im Bereich der Axenstrasse werden jährlich einige 100'000 Franken investiert. Die Kosten für die Gefahren- und Warnanlage beliefen sich auf rund CHF 10 Millionen.

Sind aktuell weitere Schutzmassnahmen in diesem Bereich nötig oder geplant?

Bei der heutigen Axenstrasse sind keine weiteren Schutzmassnahmen geplant. Der Bau der Neuen Axenstrasse sieht eine Linienführung durch zwei Tunnels vor. Dadurch kann die Verkehrssicherheit markant erhöht werden. Federführung beim Bau der Neuen Axenstrasse hat der Kanton Schwyz.

Kann es sein, dass man die Strasse irgendwann komplett schliessen muss, weil die Gefahr bzw. der Aufwand zu gross wird?

Die wichtigsten Strassenverbindungen von gesamtschweizerischer Bedeutung werden von der Bundesversammlung zu Nationalstrassen erklärt. Die Axenstrasse gehört da dazu. Die Axenstrasse ist von grosser Bedeutung für den Kanton Uri und das Schweizerische Verkehrsnetz. Insbesondere für die Anwohnenden, Pendlerinnen und Pendler sowie für die Urner, Schwyzer und Tessiner Bevölkerung und Wirtschaft hat eine Sperrung der Axenstrasse schwerwiegende Folgen. Die Sicherheitsmassnahmen vor Ort garantieren grösstmögliche Verfügbarkeit bei maximaler Sicherheit.

Deine Meinung

8 Kommentare
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NeueZeit

18.02.2021, 17:41

Es gab eine Zeit in der CH, in der die Probleme nicht endlos verwaltet, sondern gelöst wurden! Es ist immer wieder zum Staunen, dass unsere Väter solche Dinge für längere Zeit lösen konnten, mit bescheideren Mitteln und Heute für Millionen Beträge nur Ampeln + Sensoren installiert werden = kein Lösung! Steinschläge und Murgänge sind sind in den Bergen seit eh und je nichts Neues, aber die Büro Verwalter kommen damit nicht mehr klar.

Trauerspiel

18.02.2021, 16:39

Ein ewiges Trauerspiel auf Lasten der täglichen Pendler. Anscheinend ist niemand auf eine schnelle Lösung (Tunnel) aus. Vermutlich weil alle, die das Projekt behindern, nicht auswärts arbeiten gehen müssen.

Und immer noch nichts gelernt

18.02.2021, 16:06

Baut doch endlich die Autobahn von Ingenbohl bis Flüelen, Seedorf in einem Tunnel und gut ist. Das würde auch die Käffer am See beruhigen. Wer sich die Strecke antun will, kann es ja immer noch machen.