Mehrwertsteuer für Onlineshops - Darum kostet deine Bestellung bei Ebay, Wish und Amazon wohl bald mehr
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Mehrwertsteuer für Onlineshops Darum kostet deine Bestellung bei Ebay, Wish und Amazon wohl bald mehr

Der Bundesrat hat entschieden: Onlinehändler aus dem Ausland, die in die Schweiz liefern, sollen Mehrwertsteuer bezahlen. Das dürften die Konsumenten im Portemonnaie spüren.

von
Barbara Scherer
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Päckli aus dem Ausland könnten bald mehr kosten.

Päckli aus dem Ausland könnten bald mehr kosten.

20min/Simon Glauser
Denn ausländische Onlinehändler, die ihre Ware in der Schweiz verkaufen, müssen neu Mehrwertsteuer zahlen, wie der Bundesrat beschlossen hat.

Denn ausländische Onlinehändler, die ihre Ware in der Schweiz verkaufen, müssen neu Mehrwertsteuer zahlen, wie der Bundesrat beschlossen hat.

Tamedia/ Reto Oeschger
Kommen die Anbieter ihrer Steuerpflicht nicht nach, kann die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) die Sendungen vernichten.

Kommen die Anbieter ihrer Steuerpflicht nicht nach, kann die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) die Sendungen vernichten.

Getty Images/iStockphoto

Darum gehts

  • Päckli aus dem Ausland werden wohl bald teurer. Die Änderung betrifft vor allem Lieferungen unter 65 Franken Warenwert.

  • Denn ausländische Onlinehändler sollen nicht länger von der Mehrwertsteuer ausgenommen sein. So plant es der der Bundesrat.

  • Bis anhin wurde auf ausländischen Sendungen unter 65 Franken Warenwert keine Mehrwertsteuer erhoben. Das dürfte sich bald ändern.

  • Schweizer Onlineshops freuen sich über diesen Entscheid.

Ebay, Wish, Amazon und Aliexpress werden zur Kasse gebeten: Ausländische Onlinehändler, die ihre Ware in der Schweiz verkaufen, sollen künftig Mehrwertsteuer zahlen. Das hat der Bundesrat am Freitag in einer Sitzung entschieden.

Kommen die Anbieter ihrer Steuerpflicht nicht nach, kann die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) die Sendungen vernichten, wie es weiter heisst. Mit der neuen Regel soll die steuerliche Benachteiligung für Schweizer Online-Versandplattformen aufgehoben werden. Denn diese bezahlen bereits Mehrwertsteuer.

Durch diese Steuerreform entstehen laut Bundesrat pro Jahr Mehreinnahmen in der Höhe eines mittleren zweistelligen Millionenbetrags. Allerdings führe die neue Mehrwertsteuer für ausländische Onlineshops auch zu einem Mehraufwand in der Verwaltung. Deshalb müssten wohl acht neue Vollzeitstellen geschaffen werden.

Viele Päckli werden teurer

Für alle, die gerne online bei ausländischen Händlern ihre Ware bestellen, bedeutet das eine Preiserhöhung. «Es kann sein, dass gewisse Päckli aus dem Ausland dann 7,7 Prozent mehr kosten», sagt Patrick Kessler, Präsident des Versandhandelsverbands zu 20 Minuten.

Betroffen sind grösstenteils Sendungen mit einem Warenwert unter 65 Franken, wie sie über Plattformen wie Wish oder Amazon täglich zu Zehntausenden in die Schweiz gelangen. Bis anhin wird auf Lieferungen unter 65 Franken Warenwert keine Mehrwertsteuer fällig, weil Abgaben unter 5 Franken vom Bund nicht erhoben werden.

Dabei spielt der Mehrwertsteuersatz eine Rolle. Unterliegt ein Artikel nicht dem Normalansatz von 7,7 Prozent sondern dem reduzierten von 2,5 Prozent (z.B. Bücher), sind sogar Sendungen bis 200 Franken Wert von der Mehrwertsteuer befreit.

Den Versandhandelsverband freut die Änderung: Endlich kämpfen Schweizer Onlineshops und ausländische Versandhändler mit gleich langen Spiessen – zumindest auf der Ebene der Mehrwertsteuer. «Auch zieht die Schweiz damit der EU nach, dort gilt die Mehrwertsteuer für Online-Käufe aus dem Ausland seit Juli», so Kessler.

Kleine Shops exportieren nicht mehr in die Schweiz

Auch Darius Zumstein, Dozent für E-Commerce an der ZHAW, bestätigt: Einige Importe werden teurer. Gerade für kleinere Shops im Ausland lohnt es sich dann weniger, in die Schweiz zu exportieren. «Für Digitale Marktplätze wie Galaxus ist das eine Chance», so Zumstein.

Denn kleinere ausländische Shops werden dann ihre Ware über grössere Schweizer Plattformen verkaufen. «Galaxus könnte also zum Online-Tor zur Schweiz werden», sagt Zumstein. Schweizer Onlinehändler profitieren also von der Entscheidung des Bundesrates.

Gleichzeitig könnten aber auch die Bestellungen ins grenznahe Ausland zunehmen. Denn die Mehrwertsteuer müssen ausländische Onlineshops nur zahlen, wenn sie ihre Ware in die Schweiz liefern. Das könnten Kunden so umgehen.

Das umfasst die Änderung des Mehrwertsteuergesetzes

Die neue Steuerreform sieht vor, dass ausländische Tour Operators, also Reiseveranstalter, von der Steuerpflicht befreit werden, wenn sie Reisen in die Schweiz organisieren. Weiter sollen kulturelle Veranstaltungen neu von der Mehrwertsteuer ausgenommen werden. Denn Sportveranstaltungen sind schon heute von der Mehrwertsteuer befreit. Die Gesetzesrevision geht nun an das Parlament. Zudem soll für Produkte der Monatshygiene künftig ein reduzierter Steuersatz gelten.

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