Teurer Grillspass: Darum kostet Grillieren jetzt richtig viel
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Teurer GrillspassDarum kostet Grillieren jetzt richtig viel

Kaum scheint die Sonne, schwingen die Schweizerinnen und Schweizer wieder die Grillzange.  Darum sind die Preise für Grills, Gasflaschen und Holzkohle deutlich höher als letztes Jahr.

von
Marcel Urech
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Grillieren geht dieses Jahr richtig stark ins Portemonnaie.

Grillieren geht dieses Jahr richtig stark ins Portemonnaie.

20min/Celia Nogler
Für Digitec Galaxus sind Grills und Grillzubehör im Einkauf nun «deutlich teurer» als letztes Jahr: «Die Hersteller haben die höheren Transport- und Rohstoffkosten direkt an uns weitergegeben.»

Für Digitec Galaxus sind Grills und Grillzubehör im Einkauf nun «deutlich teurer» als letztes Jahr: «Die Hersteller haben die höheren Transport- und Rohstoffkosten direkt an uns weitergegeben.»

20min/Marco Zangger
Auch die Preise für Gas, das in der Schweiz zum Beispiel Vitogaz verkauft, sind stark gestiegen.

Auch die Preise für Gas, das in der Schweiz zum Beispiel Vitogaz verkauft, sind stark gestiegen.

20min/Celia Nogler

Darum gehts

Die Sonne scheint und die Schweizerinnen und Schweizer gehen wieder mehr nach draussen. Höchste Zeit also, um den Grill hervorzuholen, um Plätzli und Gemüse im Freien zu geniessen. Dumm nur, dass das Grillieren dieses Jahr richtig stark ins Portemonnaie geht: Diverse Händlerinnen und Händler bestätigen 20 Minuten, dass die Preise für Grillgeräte, Grillgas und Grillzubehör seit Anfang Jahr stark gestiegen sind.

Darum steigen die Preise

Für Digitec Galaxus sind Grills und Grillzubehör im Einkauf nun «deutlich teurer» als letztes Jahr: «Die Hersteller haben die höheren Transport- und Rohstoffkosten direkt an uns weitergegeben.»

Das spürt auch Daniela Meier: Die Preise für Grill-Geräte und -Zubehör wie Holzkohle sind laut der Geschäftsführerin von Grill Sheriff in den letzten zwei Jahren um bis zu 30 Prozent gestiegen. Man habe den Anstieg lange nicht auf die Kundschaft abgewälzt, jetzt sei das aber nicht mehr möglich – die ganze Branche erhöhe nun die Preise.

Das Preisplus hat laut Meier viele Gründe: Dank des Kriegs gibt es keine Kohle aus der Ukraine mehr, und die Corona-Pandemie verknappte Grills und Zubehör stark. Einige Grills seien kaum noch verfügbar, die Wartezeit für die Lieferungen betrage teils über acht Monate, und der Transport koste nun das Drei- bis Fünffache als in den letzten zwei Jahren. Es gebe zudem Lieferanten, die ihre Preise in dieser Zeit bis zu vier Mal erhöht haben.

Preisexplosion beim Flüssiggas

Den Preisdruck spürt auch Vitogaz Switzerland. Die Firma verkauft Flüssiggas in Flaschen, die man an Grills anschliessen kann. Das Erdöl dafür kommt aus dem arabischen, afrikanischen und amerikanischen Raum und gelangt von Marseille per Pipeline nach Cressier, wo es eine Raffinerie verarbeitet (siehe Box).

Hier bezieht Vitogaz sein Gas

Dieses Gas landet am Ende in den Flaschen von Vitogaz, wie Geschäftsführer Stefan Theiler auf Anfrage sagt. Es sei nun rund zehn Prozent teurer als Anfang Jahr. Vergleiche man den Durchschnittspreis in den ersten vier Monaten 2022 mit dem im ganzen letzten Jahr, betrage der Anstieg rund 20 Prozent. Auch im Jahr 2021 sei der Durchschnittspreise im Vergleich zum Vorjahr bereits um rund 40 Prozent gestiegen, so Theiler.

Kundschaft hofft auf Rabatte

Digitec Galaxus, das rund 5400 Grillprodukte führt, empfiehlt der Kundschaft, die Preise zu vergleichen. Schaue man sich zum Beispiel die Grill-Topseller bei Galaxus an, merke man, dass die Preise nicht für alle Produkte gestiegen seien. Bei einigen liege der Verkaufspreis sogar tiefer als letztes Jahr.

«Viele Kundinnen und Kunden hoffen auf Aktionen», sagt Meier von Grill Sheriff. Hohe Rabatte gebe es meist dann, wenn die Lager voll seien. Das sei zwar ein Segen für die Kundschaft, würde aber auch ein falsches Bild vermitteln. «Eigentlich profitiert niemand von den hohen Preisen – auch nicht wir», sagt Meier. Denn die Beschaffungskosten seien auch für die Händlerinnen und Händler stark gestiegen.

Bei der Diskussion um die Preise gehe oft vergessen, dass Grillieren auch ein Stück Lebensqualität sei, sagt Meier. Und auf dem Balkon mit Freunden grillieren sei immer noch günstiger als mit dem Flugzeug in die Ferien zu verreisen. Ein hochwertiger Grill sei zudem etwas Nachhaltiges, das man jahrelang nutzen könne, so Meier.

Wird Fleisch bald auch teurer?

Immerhin: Fleisch hat sich laut dem Landesindex der Konsumentenpreise seit Anfang Jahr nicht verteuert. Obwohl Schweizer Bauern gemäss Bauernverband-Direktor Martin Rufer seit März 2021 mit Mehrkosten von 715 Millionen Franken konfrontiert seien, etwa für Tierfutter und Dünger. Denn die Lieferantenpreise seien rauf. Das könnte sich bald in den Regalen niederschlagen: Auch die Preise der Lebensmittel fürs Grillen werden darum wohl «etwas steigen», so der Verband. 

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