China prescht vor - Darum lässt der digitale Währungs-Wettkampf die Schweiz kalt
Publiziert

China prescht vorDarum lässt der digitale Währungs-Wettkampf die Schweiz kalt

China hat als eines der ersten Länder überhaupt eine staatliche digitale Währung eingeführt – westliche Nationalbanken sind geschockt. Das musst du zum digitalen Yuan wissen.

von
Fabian Pöschl
1 / 8
US-Notenbankchef Jerome Powell will, dass die USA eine führende Rolle bei einer digitalen Staatswährung hat. 

US-Notenbankchef Jerome Powell will, dass die USA eine führende Rolle bei einer digitalen Staatswährung hat.

REUTERS
Doch China ist ihm mit dem digitalen Yuan Renminbi zuvorgekommen.

Doch China ist ihm mit dem digitalen Yuan Renminbi zuvorgekommen.

REUTERS
Bereits über eine halbe Million Chinesinnen und Chinesen können den E-Yuan wie herkömmliches Geld nutzen. Die chinesische digitale Währung hat den gleichen Status wie ein gesetzliches Zahlungsmittel.

Bereits über eine halbe Million Chinesinnen und Chinesen können den E-Yuan wie herkömmliches Geld nutzen. Die chinesische digitale Währung hat den gleichen Status wie ein gesetzliches Zahlungsmittel.

REUTERS

Darum gehts

  • China testet eine staatliche digitale Währung.

  • Das einfach zu benutzende Geld könnte andere Währungen verdrängen.

  • Das befürchten die USA und andere westliche Nationalbanken.

China prescht beim digitalen Geld vor. Während eines Testlaufs ab 5. Juni können bereits mehr als eine halbe Million Menschen die staatliche digitale Währung des Yuan Renminbi nutzen. Später sollen alle Bürgerinnen und Bürger des Landes Zugang zum E-Yuan erhalten.

Zudem drängt China auf eine internationale Expansion seiner digitalen Währung. Darum zittern nun die westlichen Notenbanken. Das Vorgehen Chinas ist ein Schock für sie, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Warum haben die Notenbanker solche Angst und wieso tun sie es China nicht gleich? 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen im Wettkampf ums digitale Geld.

Was ist speziell an der staatlichen digitalen Währung?

Die chinesische digitale Währung hat den gleichen Status wie ein herkömmliches gesetzliches Zahlungsmittel. Mit digitalem Geld lassen sich Zahlungen allerdings schneller und billiger ausführen, sagt Finanzprofessor Andrea Barbon von der Universität St. Gallen. «Mit dem digitalen Yuan vom chinesischen Staat können die Leute zudem direkt ein Konto bei der Zentralbank haben», so Daniel Diemers, Partner bei SNGLR Group. Weil die Notenbank jederzeit neues Geld schöpfen kann, kann es ihr auch nicht ausgehen. Somit ist das Geld dort am sichersten, erklärt Diemers.

Warum fürchten sich westliche Notenbanken davor?

«Weil sie merken, dass es ernst wird mit digitalen Währungen und sie verdrängt werden können», sagt Diemers. Zudem sorgt sich die USA um die Vormachtstellung ihres Dollars. Wenn entlang von Chinas neuem Seidenstrassen-Projekt (siehe Box) mit dem digitalen Yuan bezahlt wird, könnte das dessen Aufstieg zur weltweit dominierenden Währung begünstigen, erklärt Barbon. Auch die Europäische Zentralbank erhofft sich von einem möglichen künftigen digitalen Euro eine stärkere internationale Rolle der Währung.

«One Belt, One Road»

Im Zuge seines Seidenstrassen-Programms «One Belt, One Road» treibt China den Ausbau von Verkehrs-, Handels- und Industrie-Infrastruktur in zahlreichen Ländern voran. Beteiligt sind über 60 Länder aus Asien, Afrika und Europa. Staaten wie die USA sehen den wachsenden Einfluss Pekings allerdings kritisch und sagen, Peking benutze die Unternehmen und Projekte des Programms als Hebel, um seinen geopolitischen Einfluss auszuweiten.

Warum tun es die anderen Länder China nicht gleich?

China ist eines der ersten Länder, das seine Digitalwährung in Einsatz bringt. Doch mehr als 50 Notenbanken arbeiten ebenfalls an solchen Projekten. So auch die USA, die laut ihrem Notenbankchef eine führende Rolle beim staatlichen digitalen Geld spielen will. Diemers ist überzeugt, dass sich durch Chinas Vorpreschen ähnliche Projekte beschleunigen werden.

Warum lassen sich die anderen Länder so viel Zeit?

Eine digitale staatliche Währung stärkt die Rolle der Zentralbank des jeweiligen Landes, sagt Finanzprofessor Barbon. Dafür schwächt es die herkömmlichen Banken. Diese Tatsache und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Privatsphäre seien viele Bürgerinnen und Bürger in westlichen Ländern nicht bereit zu akzeptieren. In China hingegen sei man sich bereits an ein höheres Mass an Zentralisierung und staatlicher Kontrolle gewöhnt. «Zudem sind die meisten chinesischen Geschäftsbanken ohnehin in Staatsbesitz», so Barbon.

Und was macht die Schweiz?

Die Schweizer Nationalbank hat vor zwei Jahren in Zusammenarbeit mit Partnern ebenfalls ein solches Projekt gestartet und erfolgreich getestet. Präsident Thomas Jordan erklärte aber bereits, dass man von einem digitalen Franken für die Schweizer Bevölkerung nichts wissen will, sondern nur für den Geldverkehr mit und zwischen den Banken digitales Geld der Nationalbank prüft.

Warum will die Notenbank keinen digitalen Franken?

«Weil es wenig Druck dazu gibt», sagt Diemers. Die Schweiz habe einen hohen Standard bei Zahlungsmöglichkeiten, Zahlungsinfrastruktur und Bankdienstleistungen. Zudem könne ein Krypto-Franken die internationale Nachfrage nach dem Schweizer Geld noch stärker anheizen, was für die Nationalbank ein unerwünschter Effekt wäre.

Was sagt die Nationalbank?

Sie nimmt keine Stellung zu den Massnahmen anderer Zentralbanken, wie ein Sprecher auf Anfrage sagt. Die Nationalbank sehe allerdings keine Vorteile für die breite Bevölkerung im digitalen Zentralbankengeld. Der bargeldlose Zahlungsverkehr in der Schweiz sei «zuverlässig, sicher und effizient». Die Nationalbank verfolge aber aufmerksam die technologischen Innovationen im Finanzbereich.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

24 Kommentare