Aktualisiert 25.01.2016 11:31

Video-StreamingDarum läuft Netflix bei UPC Cablecom langsam

Netflix lahmt bei vielen Kunden von UPC Cablecom. Dahinter steckt ein Konflikt zwischen dem US-Streamingdienst und den Internetanbietern.

von
F. Lindegger

Viele Kunden von UPC-Cablecom sind verärgert. «Netflix ist total unbrauchbar», beschwert sich etwa ein Nutzer im Hilfe-Forum auf der Webseite des Kabelnetzbetreibers. Die Einträge zu diesem Thema häuften sich dort in den vergangenen Tagen. Vielerorts ist die Bildqualität nicht wie gewünscht oder der Video-Stream bricht immer wieder ab.

UPC Cablecom kennt das Problem. Mit dem Netz habe dies aber nichts zu tun, erklärt ein Sprecher dem «Tages-Anzeiger». Vielmehr stamme das Problem daher, dass die Datenpakete von Netflix seit einigen Wochen von schlechter Qualität seien. «Wir können die Daten nur so an unsere Kunden weitergeben, wie wir sie von Netflix erhalten», heisst es bei UPC Cablecom auf Anfrage von 20 Minuten. UPC Cablecom sei in Gesprächen mit Netflix, um die Situation zu verbessern. Bis wann dies geschehe, kann der Telekomanbieter allerdings nicht sagen.

Netflix sieht Schuld bei Internetanbieter

Netflix bestätigt, dass man mit UPC Cablecom das Problem klären wolle. Gleichzeitig weist die US-Firma die Schuld von sich. «Es gibt viele Möglichkeiten, wie Internetprovider Netflix-Videos ihren Kunden übermitteln können», teilt Netflix 20 Minuten mit. «Leider nutzt UPC Cablecom eine Variante, die nicht optimal ist.» Dies habe dazu geführt, dass in den letzten Monaten die Geschwindigkeit der Streams abgenommen habe.

UPC Cablecom bietet ihren Kunden mit dem Streamingdienst MyPrime ein ähnliches Angebot wie Netflix. Drosselt UPC Cablecom den Konkurrenzdienst möglicherweise gar extra? Die Bevorzugung von gewissen Daten durch die Internetanbieter ist in der Schweiz nicht verboten. «Nein, wir haben einen Verhaltenskodex unterzeichnet, dass wir grundsätzlich keine Inhalte blockieren oder diskriminieren», erklärt UPC Cablecom.

Provider lehnen Netflix-Lösung ab

Für Fredy Künzler, CEO des Internetproviders Init7 und Verfechter der Netzneutralität, ist die Begründung von UPC Cablecom schlicht falsch: «Mit der Qualität der Netflix-Daten hat das nichts zu tun.» Netflix biete den Internetprovidern gratis spezielle Server an, damit die Inhalte schneller zu den Endkunden gelangten. Doch UPC Cablecom und andere grosse Provider würden von diesem Angebot keinen Gebrauch machen.

«Die Anbieter möchten von Netflix gar bezahlt werden, um diese Server in ihr Netzwerk zu integrieren», so Künzler zu 20 Minuten. Da dies Netflix ablehne, liefen zurzeit die grossen Datenmengen von Netflix über überlastete Knotenpunkte ins UPC-Netzwerk, was den Streamingdienst verlangsame.

«Netzneutralität keine theoretische Debatte»

UPC Cablecom sagt dazu: «Die bisherigen Erfahrungen mit Netflix auf unserem Netz zeigen, dass keine Speziallösungen für einen qualitativ guten Service notwendig sind.» Die Frage, ob UPC Cablecom von Netflix für die zur Verfügung gestellten Server bezahlt werden möchte, lässt der Kabelnetzbetreiber unbeantwortet. Auch die Swisscom nutzt aktuell keine Server von Netflix. Gemeinsame Verhandlungen hätten zu keinem Ergebnis geführt, teilt Swisscom mit.

Unabhängig davon, ob Netflix oder ein Internetanbieter für das schlechte Funktionieren des Streamingdienstes verantwortlich ist: Für Balthasar Glättli, Fraktionschef der Grünen, zeigt die Problematik, dass die Netzneutralität keine theoretische Debatte ist: «Auch in der Schweiz ist es möglich, dass Internetprovider Daten mit unterschiedlicher Priorität transportieren», so Glättli. Die Kunden könnten allerdings nicht nachvollziehen, wie und warum das geschehe.

Das bedeutet Netzneutralität

Unter dem Begriff Netzneutralität versteht man, dass Internetanbieter alle Datenpakete gleich behandeln, unabhängig von Sender, Empfänger oder Inhalt der Pakete. In der Schweiz ist die Netzneutralität nicht gesetzlich geregelt. Eine Motion, die dies verlangte, wurde im Frühling 2015 vom Ständerat abgelehnt. In der Schweiz wehren sich die grossen Internetanbieter wie Swisscom, UPC Cablecom und Sunrise gegen ein Gesetz, das die Netzneutralität festschreibt. Im Herbst 2014 haben diese Provider einen Verhaltenskodex in Sachen Netzneutralität verabschiedet. Konsumentenorganisationen und Netzaktivisten kritisieren diesen aber als «irreführend und falsch». Der Kodex der Internetanbieter untersagt beispielsweise nur das Blockieren von Daten. Die Verlangsamung von Daten ist hingegen nicht verboten. Auch dass gewisse Internet-Dienste von den Providern bevorzugt behandelt werden, wird nicht ausgeschlossen. (lin)

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