Krieg in der Ukraine - Darum lagern russische Oligarchen ihr Geld mit Vorliebe in der Schweiz

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Krieg in der UkraineDarum lagern russische Oligarchen ihr Geld mit Vorliebe in der Schweiz

Teile des hiesigen Finanzplatzes hofierten jahrelang vermögende russische Einzelpersonen. Der Fall eines Putin-Freundes mit Hunderten Millionen auf Schweizer Konten lässt aufhorchen.

von
Patrick McEvily
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Alischer Usmanow ist ein steinreicher Russe und steht dem Kreml gemäss Medienberichten sehr nahe. 2018 klagte er gegen den Regimekritiker Alexej Nawalny.

Alischer Usmanow ist ein steinreicher Russe und steht dem Kreml gemäss Medienberichten sehr nahe. 2018 klagte er gegen den Regimekritiker Alexej Nawalny.

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Die Credit Suisse war eine der Banken, die in der Vergangenheit dem umstrittenen und mittlerweile mit US-Sanktionen belegten Usmanow ein Konto gewährte.

Die Credit Suisse war eine der Banken, die in der Vergangenheit dem umstrittenen und mittlerweile mit US-Sanktionen belegten Usmanow ein Konto gewährte.

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Usmanows Vermögen wurde vor Ausbruch des Krieges in der Ukraine auf 15 Milliarden Dollar (13,7 Milliarden Schweizer Franken) geschätzt. Er besitzt unter anderem die 600-Millionen-Luxus-Jacht «Dilbar».

Usmanows Vermögen wurde vor Ausbruch des Krieges in der Ukraine auf 15 Milliarden Dollar (13,7 Milliarden Schweizer Franken) geschätzt. Er besitzt unter anderem die 600-Millionen-Luxus-Jacht «Dilbar».

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Darum gehts

Schweizer Banken und Treuhänder waren gemäss geleakten Dokumenten noch bis vor kurzem bevorzugte Anlaufstelle für vermögende russische Staatsbürger, die ihre Vermögenswerte sicher im Ausland angelegt und vor internationalen Behörden versteckt sehen wollten. Diese Praxis steht nun aber immer stärker in der Kritik. Im Zuge des russischen Einmarsches in die Ukraine haben die USA, die EU und – seit Anfang dieser Woche – auch die Schweiz die Temperatur im Kampf gegen die Männer hinter Staatspräsident Wladimir Putin, erhöht.

Diese Woche liess bereits eine Meldung der «Financial Times» aufhorchen, die berichtete, dass Vertreter der Credit Suisse die Vernichtung von Dokumenten im Zusammenhang mit Jachten und anderen Vermögenswerten reicher Russen angeordnet hätten. Doch das soll nicht alles sein: Hiesige Banken und Vermögensberater schauten offenbar jahrelang nicht genau hin bei ihren russischen Kunden und wendeten allerlei Tricks an, um deren Vermögenswerte zu verschleiern.

Schweizer Banken bleiben bei Fragen zu Oligarchen-Konto still

Nachdem der Bundesrat Anfang Woche erklärt hat, den europäischen Sanktionen zu folgen, müssen hiesige Finanzinstitute die Vermögenswerte von Sanktionierten einfrieren und dies melden. Noch sind keine solchen Fälle publik geworden. Die Tamedia-Zeitungen führen nun aber unter anderem den Namen von Alischer Usmanow auf. Dessen Vermögen wurde vor Ausbruch des Kriegs in der Ukraine auf 15 Milliarden Dollar (13,7 Milliarden Schweizer Franken) geschätzt. Er soll dem Kreml so nahe stehen, dass er eine regierungskritische Zeitung aufkaufte, und 2017 gegen den bekannten Regierungskritiker Alexej Nawalny klagte wegen Diffamierung, nachdem dieser Usmanows Geschenke an die Mächtigen im Land publik gemacht hatte.

Sein Domizil hat Usmanow seit Jahren in der Schweiz. In seiner Wahlheimat, dem Kanton Waadt, fällt er als grosszügiger Neuzuzüger auf. An einer Versteigerung des olympischen Museums in Lausanne blätterte er neun Millionen Franken für eine Gründungsurkunde des Internationalen Olympischen Komitees hin. Sein Geld vertraute er unter anderem der Credit Suisse und der Bank Julius Bär an. Gegenüber den Tamedia-Zeitungen wollten beide Banken nicht angeben, ob Usmanow noch immer Kunde bei ihnen ist.

Gazprombank half mit

Doch Usmanow ist nicht der einzige Name, der in der Berichterstattung fällt. Auch Alexei Mordaschow und Gennadi Timtschenko geschäfteten hierzulande. Letzterer – seines Zeichens Gründer des Rohstoffhandels-Unternehmens Gunvor mit Sitz in Genf – konnte offenbar 2015 bei einer Bank in Zürich ein Konto eröffnen. Die Tamedia-Zeitungen konnten die Existenz des Kontos nicht abschliessend bestätigen. Sollte es jedoch zur Eröffnung gekommen sein, hätte die Bank gegen US-Sanktionen, die auf Timtschenkos Namen lasteten, verstossen.

Timtschenko bei seinem Geldtransfer geholfen hat offenbar die örtliche Dependance der russischen Gazprombank in Zürich. Aber auch andere Ableger ausländischer Banken hierzulande, wie beispielsweise diejenige der französischen BNP Paribas, sollen in das Geschäft involviert sein. Auch hiesige Treuhänder sollen in das Geschäft mit den Russen involviert sein. Sie bringen deren Vermögenswerte in Steuerparadiese wie die Cayman Islands oder Zypern. Über diese lassen die Schweizer Dienstleister dann offenbar Zweit- und Drittfirmen ihrer Klienten laufen, um den russischen Hintergrund der Eigentümer zu verschleiern.

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