Aktualisiert 12.02.2020 13:05

Food-WasteDarum landen Rüebli über 24 Zentimeter im Müll

In der Schweiz sind Form und Grösse von Gemüse und Früchten standardisiert. Der Bund sieht darin den Hauptgrund für Food-Waste in der Landwirtschaft.

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dk
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Maximal 24 Zentimeter lang, mindestens 200 Gramm schwer und gleichmässig in Form und Farbe muss ein Rüebli sein, bevor es in den Verkauf kommt.

Maximal 24 Zentimeter lang, mindestens 200 Gramm schwer und gleichmässig in Form und Farbe muss ein Rüebli sein, bevor es in den Verkauf kommt.

Keystone/Christian Beutler
Die Branchennormen bei Schweizer Gemüse- und Fruchtsorten sind auf der Website des nationalen Dienstleistungszentrums für Früchte, Gemüse und Kartoffeln festgehalten. Grösse, Form, Geruch und Farbe sind detailliert vorgeschrieben.

Die Branchennormen bei Schweizer Gemüse- und Fruchtsorten sind auf der Website des nationalen Dienstleistungszentrums für Früchte, Gemüse und Kartoffeln festgehalten. Grösse, Form, Geruch und Farbe sind detailliert vorgeschrieben.

Keystone/Christian Beutler
In der Schweizer Landwirtschaft enden darum jedes Jahr 224'000 Tonnen der für die Menschen produzierten Nahrungsmittel als Lebensmittelverluste – auch aufgrund der geltenden Industrienormen, schreibt das Bundesamt für Umwelt (Bafu) in einer am Montag publizierten Studie.

In der Schweizer Landwirtschaft enden darum jedes Jahr 224'000 Tonnen der für die Menschen produzierten Nahrungsmittel als Lebensmittelverluste – auch aufgrund der geltenden Industrienormen, schreibt das Bundesamt für Umwelt (Bafu) in einer am Montag publizierten Studie.

Keystone/Alexandra wey

Maximal 24 Zentimeter lang, mindestens 200 Gramm schwer und gleichmässig in Form und Farbe muss ein Rüebli sein, bevor es in den Verkauf kommt. Cherrytomaten wiederum dürfen maximal 35 Millimeter dick sein, der Stiel von Auberginen nicht länger als 3 Zentimeter. Die Branchennormen bei Schweizer Gemüse- und Fruchtsorten sind auf der Website des nationalen Dienstleistungszentrums für Früchte, Gemüse und Kartoffeln festgehalten. Grösse, Form, Geruch und Farbe sind detailliert vorgeschrieben. Ist die Kartoffel oder die Gurke zu gross, zu klein oder zu wenig schön, kann sie nicht verkauft werden und wird entweder als Dünger benutzt, zu Tierfutter oder zu Biogas verarbeitet.

In der Schweizer Landwirtschaft enden darum jedes Jahr 224'000 Tonnen der für die Menschen produzierten Nahrungsmittel als Lebensmittelverluste – auch aufgrund der geltenden Industrienormen, schreibt das Bundesamt für Umwelt (Bafu) in einer am Montag publizierten Studie. 90 Prozent des Food-Waste in der Landwirtschaft könnten aber eigentlich vermieden werden.

«Die Wertschätzung fehlt»

Für Dominik Waser, der sich bei grassrooted gegen die Verschwendung von Lebensmitteln engagiert, ist die Studie wegweisend. «Sogar das Bafu stimmt uns zu, dass man bei den Industrienormen in der Landwirtschaft nochmals über die Bücher muss.» Dass ein krummes Rüebli oder ein fleckiger Apfel weggeworfen wird, sei idiotisch. Die Verantwortung dafür sieht Waser jedoch nicht allein beim Produzenten oder beim Detailhändler, sondern auch beim Konsumenten.

«Die Leute haben sich an die makellosen und gleich aussehenden Lebensmittel gewöhnt. Alles andere wird nicht gekauft oder gegessen», so Waser. Die Gesellschaft habe keinen Bezug zur Landwirtschaft mehr. «Man weiss nicht mehr, was es braucht, bis eine Tomate oder ein Rüebli wächst.» Was es brauche, sei eine erneute Wertschätzung gegenüber dem Produkt und gegenüber dem Bauer und der Bäuerin. «Dann könnte auch helfen, das Food-Waste-Problem im eigenen Haushalt einzudämmen.»

«Standards haben sich bewährt»

Dass Schweizer Kunden bei freier Wahl und gleichen Kosten zum schöneren Produkt greifen, bestätigt auch Markus Waber vom Verband Schweizer Gemüseproduzenten VSGP. «Das ist aber auch total menschlich.» Von den Branchenstandards abrücken will er nicht. «Die sind in Zusammenarbeit mit dem Verband Swisscofel und den Produzenten entstanden und haben sich bewährt.»

Gleichzeitig räumt Waber ein, dass der Vermeidung von Food-Waste ein immer höherer Stellenwert eingeräumt wird. «Die Schweizer Landwirtschaft hat die Pflicht, sich in einen Kreislauf einzubringen, der sowohl ökonomisch als auch ökologisch aufgeht.»

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