Post-«Avatar»-Depression: Viele Menschen sind betroffen

Für manche stellt es eine Belastung dar, nach «Avatar: The Way of Water» aus dem Kino zu kommen und zurück in den Alltag zu müssen.

Für manche stellt es eine Belastung dar, nach «Avatar: The Way of Water» aus dem Kino zu kommen und zurück in den Alltag zu müssen.

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Skurriles PhänomenDarum leiden Fans am Post-«Avatar»-Depressions-Syndrom

Nachdem du den neuen «Avatar»-Film im Kino gesehen hast, hattest du Mühe, wieder in deinen Alltag zu finden? Dann ging es dir wie vielen anderen Menschen auch, die dieses Phänomen kennen.

von
Lauren Cavin-Hostettler

Landschaften wirken fade, die Natur noch weniger farbenfroh als ohnehin schon im Winter, und das moderne Leben scheint irgendwie sinnlos. Gerade noch hat man Zeit auf einem imaginären Planeten verbracht, der alles andere als trist war, und nun soll eine erfolgreiche Rückkehr in den Alltag gelingen – bloss wie? 

In etwa so sehen die Gedanken einer Person aus, die den neuen «Avatar: Der Weg des Wassers» geschaut hat und nach dem Verlassen des Kinosaals am Post-«Avatar»-Depressions-Syndrom leidet. 

Was ist die Post-«Avatar»-Depression?

Die mit Spezialeffekten gespickte Umweltfabel «Avatar» handelt von einem fernen Planeten, der von blauen Wesen namens Na'vi bewohnt wird, die in Symbiose mit der Natur leben. Im Vergleich zu dem fantastischen Panorama von Pandora, dem fiktiven Planeten aus «Avatar», kann unsere Erde schnell mal eher blass wirken. Viele Zuschauer und Zuschauerinnen fühlten sich nach dem Film von James Cameron deshalb für einige Stunden oder Tage extrem deprimiert.

Es gibt Berichte, in denen vermutet wird, dass diese Gefühle auf eine Diskrepanz zwischen dem Leben auf der Erde und dem Leben auf Pandora zurückzuführen sind. Die idyllischen Landschaften, die fantastischen Tiere und die einzigartige Unterwasserwelt des Films erinnern uns Menschen daran, dass diese Dinge auf unserer Erde wiederum stark gefährdet sind – durch die menschlichen Aktivitäten. Das kann laut Fachpersonen zu Schuldgefühlen, Hilflosigkeit und Traurigkeit führen.

Wie hat dir der neue «Avatar»-Film gefallen?

«Die Trauer darüber, dass wir uns von der Natur abgekoppelt fühlen, die Sorge um die Zukunft unseres eigenen Planeten und das Gefühl der Unzufriedenheit mit dem modernen Leben sind ganz normale Gefühle, wenn man unsere Welt betrachtet», schreibt der Journalist Sian Cain im «The Guardian». Er fragt sich auch, ob das zweite Werk eine Welle des Aktivismus für die Rettung der Ozeane auslösen könnte.

Begriff steht im «Urban Dictionary»

Das Phänomen, das bereits nach der Veröffentlichung des ersten Films im Jahr 2009 zum Thema wurde, ist keine medizinisch anerkannte Krankheit. Dennoch scheinen die damit verbundenen negativen Gefühle sehr real zu sein, und viele Zuschauerinnen und Zuschauer berichteten in Onlineforen über ihr Unwohlsein, nachdem sie den Film gesehen hatten.

Viele bedauerten bereits damals die gegenwärtige Realität und eine Natur, die viel weniger üppig ist als im Film. Andere klagten vor allem über den Mangel an Mitteln, die zur Sicherung der Zukunft unseres Planeten eingesetzt werden. Aufgrund der vielen übereinstimmenden Berichte wurde der Begriff Post-«Avatar»-Depression im Jahr 2022 in das «Urban Dictionary» aufgenommen.

«Seit ich mir ‹Avatar› angesehen habe, bin ich deprimiert. Die wunderbare Welt von Pandora und all die Na'vi zu sehen, hat in mir den Wunsch geweckt, einer von ihnen zu sein», schrieb ein Fan damals ins «Avatar»-Forum auf Facebook. «Es hat mich wirklich dazu gebracht, einige Dinge zu überdenken. Ich hatte keine Ahnung, wie sehr mich das verändern würde», so eine andere Nutzerin.

Fans tauschten sich bereits 2009 im «Avatar»-Forum über ihre Gefühle aus.

Fans tauschten sich bereits 2009 im «Avatar»-Forum über ihre Gefühle aus.

Getty Images

«Es hat das Beste unserer Technologie gebraucht, um diese virtuelle Welt zu erschaffen, und das wirkliche Leben wird nie so utopisch sein, wie es auf dem Bildschirm erscheint. Es macht das reale Leben unvollkommener», so der New Yorker Psychiater Dr. Stephan Quentzel bereits 2010 gegenüber CNN.

Das kann bei der Post-«Avatar»-Depression helfen

Mehrere Internetuser erwähnen in den Foren nicht nur ihre negativen Gefühle, sondern auch hilfreiche Vorschläge und Lösungen gegen das Phänomen. Dazu gehören Waldspaziergänge, Aktivitäten in der Natur oder ein Engagement in Tier- und Pflanzenschutzvereinen. Dies soll dabei helfen, wieder auf die Beine zu kommen. Und: «Mit Leuten zu sprechen, denen es genauso geht, hat mir geholfen», sagt Max Perrin, ein Fan der Saga, in der neuesten Ausgabe von «Variety»

Hast du den neuen «Avatar»-Film gesehen und kennst die beschriebenen Gefühle? Oder gings dir beim ersten Teil so? Erzähle uns in den Kommentaren von deinen Erfahrungen nach dem Kinobesuch.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, eine Depression?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Kinderseele Schweiz, Beratung für psychisch belastete Eltern und ihre Angehörigen

Verein Postpartale Depression, Tel. 044 720 25 55

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

VASK, regionale Vereine für Angehörige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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