01.08.2020 19:17

Sommerhitze

Darum liefern nicht alle Wetter-Apps die gleichen Prognosen

Oftmals hat man bei unterschiedlichen Apps unterschiedliche Wetterprognosen. Um das nachvollziehen zu können, muss man wissen, wie Meteorologen ihre Prognosen machen.

von
Leo Butie
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Für die Wetterprognosen reicht ein Blick in den Himmel nicht aus.

Für die Wetterprognosen reicht ein Blick in den Himmel nicht aus.

KEYSTONE
Um eine verlässliche Wetterprognose zu erstellen, muss man eine grosse Menge an Daten sammeln, da das Wetter im Grunde genommen ein physikalisches Ereignis ist, das sich an die Naturgesetze hält.

Um eine verlässliche Wetterprognose zu erstellen, muss man eine grosse Menge an Daten sammeln, da das Wetter im Grunde genommen ein physikalisches Ereignis ist, das sich an die Naturgesetze hält.

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«Der Schlüssel ist das jetzige Wetter. Man muss wissen, wohin die Luft fliesst und wo es kalt oder warm ist», sagt Martin Fengler, Gründer und CEO von Meteomatics in St. Gallen.

«Der Schlüssel ist das jetzige Wetter. Man muss wissen, wohin die Luft fliesst und wo es kalt oder warm ist», sagt Martin Fengler, Gründer und CEO von Meteomatics in St. Gallen.

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Darum gehts

  • Unterschiedliche Apps sagen unterschiedliches Wetter voraus.
  • Je nach Daten und Modell erhält man unterschiedliche Prognosen.
  • Kostenpflichtige Apps sind meist besser, da die Datenqualität höher ist.
  • Doch je nach Lage ist das Wetter immer noch extrem schwierig vorherzusagen.

Wenn man sich unterschiedliche Wetterdienste genauer anschaut, dann merkt man schnell, dass man je nach Dienst auch unterschiedliche Prognosen erhält. Man darf sich nun gerne die beste Prognose aussuchen, aber das wäre ein Spiel mit dem Feuer. Wieso haben Wetterdienste wie Meteo Schweiz, Landi-Wetter oder Meteonews.ch unterschiedliche Prognosen? Um diese Fragen zu beantworten, muss man verschiedene Faktoren in Betracht ziehen, um auf eine schlüssige Antwort zu kommen.

Wie wird eine Prognose erstellt?

Um eine verlässliche Wetterprognose zu erstellen, muss man eine grosse Menge an Daten sammeln, da das Wetter im Grunde genommen ein physikalisches Ereignis ist, das sich an die Naturgesetze hält. Das wichtigste Element dabei ist das aktuelle Wetter. «Der Schlüssel ist das jetzige Wetter. Man muss wissen, wohin die Luft fliesst und wo es kalt oder warm ist», sagt Martin Fengler, Gründer und CEO von Meteomatics in St. Gallen.

Um das jetzige und das vergangene Wetter zu eruieren, muss man eine Unmenge an Daten erheben. Vor allem was in den oberen Luftschichten vor sich gehe, spiele eine Rolle. Dabei sind Wetterballons und Radars wichtig. Hinzu kommen Drohnensysteme, wie sie Meteomatics entwickelt. «Wetterstationen am Boden sind dabei vor allem bei der Feinjustierung von Modellen wichtig», sagt Fengler.

Unterschiedliche Wettermodelle

Welchen Wetterdienst man verwendet, spielt auch eine Rolle bei der Erstellung der Prognosen. Der US-amerikanische Wetterdienst schneide schlecht ab. «Die Finanzierung des amerikanischen Wetterdienstes sowie die Rechenleistung der Computer sind schlecht», weiss Fengler. Aber die Daten vom amerikanischen Wetterdienst sind gratis, wenn auch ungenau. Viele kostenlose Wetter-Apps verwenden diese Daten, weshalb auch ungenaue Prognosen gemacht werden.

Im Gegensatz dazu sind die Daten des Europäischen Wetterdienstes genauer, kosten dafür. «Meteo» von SRF erhält beispielsweise die Daten des Europäischen Wetterdienstes. «Aufgrund der Datengrundlage und des Modells entstehen andere Prognosen», sagt Klaus Marquardt von Meteonews. Deshalb kann man von App zu App unterschiedliche Vorhersagen erhalten.

«Kostenpflichtige Apps sind für Prognosen nützlicher, da die Datenqualität besser ist», weiss Marquardt. Bei automatisierten Wetterprognosen mit einer schlechten Datengrundlage könne man nicht von einer sicheren Prognose ausgehen.

Schweiz ist ein schwieriges Pflaster

Wegen der unterschiedlichen Landschaften in der Schweiz ist es schwierig, hierzulande eine zuverlässige Prognose zu erstellen. «Der Alpenbogen schützt uns vor der schwülen und warmen Mittelmeerluft aus dem Süden», so Fengler. Aber bei einer Südwestwindlage sei die Windrichtung extrem wichtig für die Erstellung von Vorhersagen.

«Eine Änderung von ein paar Grad in der Windrichtung kann schon bestimmen, ob die Sonne scheint oder es regnet». Auch der Schneefall im Winter ist eine Herausforderung. «Wenn Schnee auf dem Boden liegt wird die Sonnenenergie nicht mehr absorbiert, sondern reflektiert, was auch ein wichtiger Faktor ist», meint Fengler weiter.

Wetterprognosen sind teils fast unmöglich

Auch das Coronavirus hat einen Einfluss auf die Wetterprognosen. Wegen des Groundings von vielen Flugzeugen kam es in der Meteorologie zu einem Ausfall von wichtigen Daten, da die Flugzeuge wichtige Informationen zum Wetter zum Boden zurücksenden. «Wegen des Ausfalls dieser Daten sind die jetzigen Prognosen schlechter als beispielsweise im letzten Juli», weiss Fengler.

Man müsse vom Glauben wegkommen, dass man das Wetter perfekt vorhersagen könne, und sollte nicht einer App blind glauben, stellt Marquardt klar. Zudem sagt er: «Die Vorhersagbarkeit vom Wetter ist begrenzt. Ich sage immer wieder, dass das Wetter nicht wie ein Zugfahrplan funktioniert.» Die Prognosen haben sich in den letzten 15 Jahren massiv verbessert, aber je nach Wetterlage ist es fast unmöglich, eine genaue Wetterprognose zu machen.

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18 Kommentare
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Wildstrubel

02.08.2020, 12:48

meteoschweizadmin, über das Wetter informiere ich mich immer nur dort und die Angaben passen meistens sogar auf die halbe Stunde genau.

sam001

02.08.2020, 10:50

Und wieso zeigen die uns selten deutliche 3D Grosswetterlagen? Könnten wir uns da etwa selber ein Bild machen? Und die Sprecher würden weg fallen. Nur, schade wenn ich die hübschen Frauen nicht wieder sehen könnte. Nun ja, ich frage mich wirklich auch wieso diese Unterschiede entstehen.

Kaffeesatzleser

02.08.2020, 10:24

"Die Prognosen haben sich in den letzten 15 Jahren massiv verbessert" genau Meteo Schweiz schafft es ja nicht einmal ein paar Stunden zuvor auch nur 1x korrekte Prognosen zu erstellen, die grössten Kaffeesatzleser die es gibt. Die Bauern früher wussten 100x besser Bescheid. Aber hey die gleichen Leute erzählen Euch etwas über Klimaerwärmung, einfach nur lachhaft in was für einer Welt wir unterdessen leben.