Roboter im Haushalt: Darum machen Alexa, Siri und Co. uns ein schlechtes Gewissen
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Roboter im HaushaltDarum machen Alexa, Siri und Co. uns ein schlechtes Gewissen

Smarte Produkte übernehmen immer mehr Arbeiten im Haushalt. Das spart Zeit. Doch glücklich machen die Roboter nicht unbedingt.

von
Barbara Scherer
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Smarte Produkte helfen im Haushalt, damit die Besitzer mehr Zeit haben.

Smarte Produkte helfen im Haushalt, damit die Besitzer mehr Zeit haben.

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 Personen, die smarte Produkte besitzen, fühlen sich oft weniger gestresst – glücklicher sind sie aber nicht unbedingt.

Personen, die smarte Produkte besitzen, fühlen sich oft weniger gestresst – glücklicher sind sie aber nicht unbedingt.

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Roboter, die dem Menschen ähnlich sind, machen ihren Besitzern ein schlechtes Gewissen.

Roboter, die dem Menschen ähnlich sind, machen ihren Besitzern ein schlechtes Gewissen.

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Darum gehts

  • Smarte Geräte nehmen den Nutzern lästige Arbeiten im Haushalt ab.

  • Glücklich macht das aber nur bedingt.

  • Denn wirkt ein Produkt menschlich, fühlen sich die Nutzer schuldig.

Der Kühlschrank bestellt das Essen und der Staubsauger-Roboter putzt noch schnell den Boden: Smarte Geräte nehmen ihren Besitzern lästige Arbeiten im Haus ab und verschaffen ihnen damit mehr Zeit. Personen, die smarte Produkte besitzen, fühlen sich oft weniger gestresst, glücklicher sind sie aber nicht unbedingt.

Denn Roboter, die dem Menschen ähnlich sind, machen ihren Besitzern ein schlechtes Gewissen. Das zeigt eine Untersuchung der Universität St. Gallen, der HEC Lausanne, der Harvard Business School und der Wirtschaftsuniversität Wien.

Roboter werden vermenschlicht

Erledigen smarte Produkte, die eine menschliche Stimme oder ein entsprechendes Gesicht aufweisen, unbeliebte Hausarbeiten, führt das zu Schuldgefühlen. Doch genau auf Menschlichkeit setzen viele Produkte: So will Amazon, dass die Sprachassistentin Alexa wie eine echte Stimme klingt, und Dyson ermutigt die Kunden, den Staubsaugern einen Namen zu geben.

«Menschen bauen zu ihren smarten Geräten zunehmend eine Beziehung auf!», erklärt Emanuel de Bellis, Marketing-Professor an der Universität Lausanne und Mitautor der Studie. Dadurch werde das Produkt vermenschlicht. Das führe dazu, dass man sich schlecht fühle, wenn man unbeliebte Aufgaben abgebe. «Denn eigentlich könnte man diese ja auch selber machen.», so de Bellis.

Nutzer haben Angst, faul zu wirken

Damit nicht genug: Wer Haushalts-Roboter nutzt, muss sich vor dem Urteil anderer fürchten. Denn Nutzer von smarten Produkten können laut der Studie von anderen Menschen als faul wahrgenommen werden. «Auch hier greift die Idee, dass man eine Aufgabe selber erledigen könnte und sollte.», sagt de Bellis.

Damit die Roboter im Haushalt trotzdem zum Einsatz kommen, sollten Hersteller hervorheben, wie viel Zeit mit den smarten Produkten gespart werden kann, wie die «Harvard Business Review» schreibt. Zudem sollte auf alle menschlichen Züge verzichtet werden. Umso weniger ein Produkt wie ein Mensch spricht oder aussieht, umso besser fühlen sich die Besitzer bei der Benutzung.

Menschliche Roboter sind nicht immer schlecht

Menschliche Züge sind bei Robotern aber nicht immer schlecht, sagt Hartmut Schulze von der Fachhochschule Nordwestschweiz. Er forscht zum Thema Mensch-Roboter-Interaktion: «Bei der Betreuung älterer Menschen oder beim Englisch Lernen mit Kindern ist es günstig, wenn Roboter menschlich wirken.»

Rede eine Maschine wie ein Mensch oder sehe er so aus, erleichtere das die intuitive Interaktion. So können gewisse Aufgaben besser gelöst werden. Ein Staubsauger müsse hingegen nicht menschenähnlich gestaltet sein: «Ich finde, man sollte eine menschenähnliche Gestaltung für die Einsatzzwecke reservieren, für die dies wirklich günstig ist.»

Roboter hilft beim Social Distancing

Der Küchenroboter Flippy kann ganze 19 verschiedene Aufgaben in der Küche ausführen. Dazu gehört das Frittieren von Pommes frites oder Chicken Nuggets, das Umdrehen von Burgern auf einem Grill, das Zubereiten von Waffeln und Popcorn. Flippy soll Besitzern von Restaurantketten helfen, die Herausforderungen, die sich aufgrund von Social Distancing in oft überfüllten Küchen ergeben, anzugehen.

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