Studie Uni Basel: Darum macht ein eigenes Häuschen weniger glücklich als erwartet

Publiziert

Studie Uni BaselDarum macht ein eigenes Häuschen weniger glücklich als erwartet

In einer grossangelegten deutschen Studie versuchten zwei Wissenschaftler der Universität Basel herauszufinden, welchen Einfluss der Erwerb von Eigentum auf das Glück von 800 Teilnehmenden hat. 

von
Gandalf Weidemann
1 / 3
Die Studie richtete sich an Menschen, die sich eine Verbesserung ihrer Lebenssituation durch den Kauf eines Eigenheims erhofften. (Symbolbild)

Die Studie richtete sich an Menschen, die sich eine Verbesserung ihrer Lebenssituation durch den Kauf eines Eigenheims erhofften. (Symbolbild)

20min/Simon Glauser
Hierfür wurden 800 Personen befragt, die sich zwischen drei Monaten vor und bis zu einem Jahr nach ihrem Umzug in ihr eigenes Heim befanden.

Hierfür wurden 800 Personen befragt, die sich zwischen drei Monaten vor und bis zu einem Jahr nach ihrem Umzug in ihr eigenes Heim befanden.

20min/ News-Scout
Die Wissenschaftler kamen zum Schluss: Der Kauf einer Immobilie brachte die Befragten dem Glück nicht näher.

Die Wissenschaftler kamen zum Schluss: Der Kauf einer Immobilie brachte die Befragten dem Glück nicht näher.

MARC DAHINDEN

Darum gehts

  • In einer Studie der Uni Basel wurden 800 Menschen in Deutschland, die ein Eigenheim erwarben, nach fünf Jahren befragt, wie glücklich sie nun sind.

  • Hierbei stellte sich unter anderem heraus, dass das Glück durch die Gewohnheit zerstört werden kann. 

  • Die Menschen waren ausserdem oftmals zu optimistisch eingestellt, dass ihnen ihr Eigenheim Glück bescheren wird.

In einer Studie der Universität Basel versuchten zwei Wirtschaftswissenschaftler herauszufinden, wie glücklich Menschen nach dem Erwerb von Eigenheim wirklich sind. Hierzu befragten Alois Stutzer und Reto Odermatt in einem Zeitraum von fünf Jahren 800 Teilnehmende. Laut Medienmitteilung sollten sich alle Befragten zwischen drei Monaten vor und bis zu einem Jahr nach ihrem Umzug befinden. Dadurch waren die Vorstellungen des Eigenheims bereits konkretisiert worden. «Die meisten Studien zum Thema «Glück» konzentrieren sich auf die aktuelle Zufriedenheit und nicht wie bei unserer Studie auf die Zukunft», so Stutzer zu 20 Minuten.

Am Anfang der Studie wurde eine Hypothese aufgestellt, dass die Zufriedenheitseffekte überschätzt werden würden. Hierfür wurde eine Skala von null bis zehn erstellt. In dieser konnten die Teilnehmenden angeben, wie glücklich sie aktuell sind. Nach fünf Jahren wurden exakt dieselben Personen mit den gleichen Fragen konfrontiert und im Anschluss die Antworten miteinander verglichen. Zeitgleich teilten die Wissenschaftler die Teilnehmenden hinsichtlich ihrer Motivation zum Kauf einer Immobilie in zwei Gruppen: den extrinsischen Gründen wie zum Beispiel dem Ansehen sowie den intrinsischen Gründen wie beispielsweise der Familie.

«Wir unterschätzen die Gewöhnung»

Anders als jedoch von vielen Eigentümern erhofft, ist das Eigenheim jedoch kein Garant für Glück. «Die Studie zeigt, dass wir teils falsche Vorstellungen von unserem eigenen Glück haben. Sie weist in die Richtung, dass eine materielle Wertorientierung eher zu Fehlprognosen führt», so Odermatt. «Das Eigenheim macht glücklich, jedoch weniger stark als erwartet.» Warum wir Menschen diese Vorstellungen haben, kann seiner Meinung nach an der Erziehung, der Sozialisierung oder der Werbung liegen. 

Darüber hinaus unterschätzen Menschen laut Stutzer die Gewöhnung. «Die Leute gewöhnen sich sowohl an einen höheren Wohlstand als auch an negative Lebensereignisse. Nach einer gewissen Zeit nehmen wir beispielsweise die zusätzlichen Quadratmeter Wohnfläche kaum mehr wahr.» Zum Vergleich verweist Stutzer auf eine andere Studie. Nach dem Verlust eines Partners oder einer Partnerin gewöhnten sich die Probanden und Probandinnen nach einiger Zeit auch an dieses Ereignis. «Nach drei Jahren zeigte sich im Durchschnitt die gleiche Zufriedenheit wie einige Jahre vor dem Verlust der Person», so der Wirtschaftswissenschaftler.

Auf die Frage, was denn nun den Menschen glücklich macht, antwortet Stutzer: «Die ökonomische Glücksforschung hat herausgefunden, dass ein sehr wichtiger Faktor Arbeit ist. Eine Beschäftigung erlaubt ein eigenständiges Auskommen, was für viele sinnstiftend ist. Entsprechend leiden Menschen unter individueller Arbeitslosigkeit.» Zudem seien soziale Beziehungen, die auf gegenseitigem Vertrauen beruhen, ein Faktor für höheres Glück. Es lasse sich aber auch untersuchen, in welchem Ausmass eine bessere Umweltqualität, wie zum Beispiel saubere Luft, zur Lebenszufriedenheit beitrage. «Dies lässt sich dann mit der Wirkung von anderen Massnahmen vergleichen», so Stutzer. 

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

Deine Meinung

97 Kommentare