Aktualisiert 17.03.2020 21:14

Corona-Notfälle

Darum ergibt eine Patientenverfügung Sinn

Wenn gefährdete Corona-Patienten ins Spital eingeliefert werden und nicht mehr selbst entscheiden können, kann eine Patientenverfügung wichtig werden.

von
cse
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Wenn die Corona-Krankheit schwer verläuft, benötigt ein Patient ein Atemgerät oder ist möglicherweise nicht mehr urteilsfähig.

Wenn die Corona-Krankheit schwer verläuft, benötigt ein Patient ein Atemgerät oder ist möglicherweise nicht mehr urteilsfähig.

Keystone/urs Flueeler
In Italien sieht eine Behandlung so aus: Die Patienten werden künstlich beatmet und auf den Bauch gelegt.

In Italien sieht eine Behandlung so aus: Die Patienten werden künstlich beatmet und auf den Bauch gelegt.

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Das Coronavirus kann für ältere Menschen über 65 Jahre und Menschen mit chronischen Erkrankungen lebensgefährlich sein.

Das Coronavirus kann für ältere Menschen über 65 Jahre und Menschen mit chronischen Erkrankungen lebensgefährlich sein.

Keystone/Gaetan Bally

Das Coronavirus kann für Risikopatienten – das sind ältere Menschen über 65 Jahre und Menschen mit chronischen Erkrankungen – lebensgefährlich sein. Die bisher am Coronavirus Verstorbenen in der Schweiz gehörten zu den Risikopatienten und waren zwischen 54 und über 80 Jahre alt. Wenn die Krankheit schwer verläuft, benötigt ein Corona-Patient ein Atemgerät oder ist möglicherweise nicht mehr urteilsfähig. Für enge Angehörige ist es in einem solchen Fall wichtig, eine Patientenverfügung vorweisen zu können.

Laut dem Berufsverband für Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) sorgt man mit einer Patientenverfügung für Situationen vor, in denen der Patient nicht mehr selber entscheiden kann: «Man hält im Voraus fest, welchen medizinischen Massnahmen man zustimmt und welche man ablehnt. Das erlaubt es Ärztinnen und Ärzten, gemäss dem Willen des Patienten zu handeln, und entlastet auch Angehörige», so die FMH.

Wichtig für unverheiratete Partner

Ein Arzt könnte sich zum Beispiel wegen des ärztlichen Geheimnisses weigern, Informationen über den Zustand des Angehörigen zu liefern oder ein Besuchsrecht auszustellen. Er kann Informationen nur Angehörigen geben, von denen er weiss, dass der Patient sein Einverständnis gegeben hat.

Laut Zivilgesetzbuch sind Angehörige in dieser Reihenfolge vertretungsberechtigt: Ehepartner, Personen im gemeinsamen Haushalt (Konkubinate), Nachkommen, Eltern und Geschwister. Liegt keine Verfügung vor und ist der Wille des Patienten nicht bekannt, muss der Arzt laut Zivilgesetzbuch den mutmasslichen Willen des Patienten berücksichtigen.

Wichtig kann eine Verfügung gerade für unverheiratete Partner sein, die nicht zusammenleben. Dies ist im Gesetz nämlich nicht geregelt. Sie können einen Corona-Patienten in der Notaufnahme demnach nicht besuchen oder Informationen zum Gesundheitszustand erhalten. Auch für Angehörige, die weit entfernt voneinander leben, ist eine Patientenverfügung eine wichtige Möglichkeit.

Die Verfügung sollte schriftlich von Hand ausgefüllt, datiert und unterzeichnet werden. Man sollte sie leicht erreichbar bei sich zu Hause aufbewahren. Den vertretungsberechtigten Personen sowie dem Hausarzt sollte für alle Fälle eine Kopie ausgehändigt werden.

«Auch junge Menschen sollen Verfügung ausfüllen»

Ulrich Brügger, Sekretär des Schweizerischen Verbands für Seniorenfragen und Präsident eines Altersheims, beschäftigt die Corona-Krise stark. «Für die Risikogruppen in den Altersheimen aber auch für das Personal ist die Situation belastend.» Zwar habe er nicht gespürt, dass die Nachfrage nach Patienten- und Vorsorgeverfügungen wegen des Coronavirus gestiegen sei.

Aber: «Ich empfehle grundsätzlich – auch jungen Menschen –, eine solche auszufüllen.» Damit könnten heikle Fragen und emotional sehr belastende Situationen – etwa wenn einem das Besuchsrecht auf der Intensivstation verwehrt bleibt – frühzeitig umgangen werden.

Ein Beispiel für ein Formular einer Patientenverfügung finden Sie hier.

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