Gewitterfront - Darum müssen Pendler in SBB-Bahnhöfen durchs Wasser waten
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GewitterfrontDarum müssen Pendler in SBB-Bahnhöfen durchs Wasser waten

Mehrere unterirdische SBB-Bahnhöfe sind in den vergangenen Tagen bei Unwettern überflutet worden. Die SBB und ein Architekturprofessor zu den Ursachen – und möglichen Lösungen.

von
Daniel Krähenbühl

Darum gehts

  • Hagel, Sturm und sintflutartiger Regen: In der letzten Woche verursachten Sommergewitter vielerorts grosse Schäden.

  • Unter anderem wurden auch verschiedene SBB-Bahnhöfe überflutet. Pendler und Pendlerinnen mussten sich durch kniehohes Wasser kämpfen.

  • Die Überschwemmungen hätten verschiedene Ursachen gehabt, so die SBB. Bauliche Anpassungen seien aber keine geplant.

  • Laut ZHAW-Architekturprofessor Stefan Kurath brauche es grössere Leitungsdurchmesser und Retentionsbecken.

Bäche und Flüsse traten über die Ufer, Bahnstrecken wurden unterbrochen, in Cressier NE stand gar das ganze Dorf unter Wasser: In den vergangenen Tagen erfassten Gewitterfronten weite Teile der Schweiz und richteten beträchtlichen Schaden an. Nach den heftigen Niederschlägen wurden auch zahlreiche SBB-Bahnhöfe, etwa in Aarau, Pfäffikon SZ, Thun, Zürich Flughafen oder Zug, regelrecht überflutet. Um zu den Gleisen zu gelangen, hätten Pendler und Pendlerinnen ihre Schuhe ausgezogen und die Hosen hochgekrempelt, berichten News-Scouts. In Aarau musste die Feuerwehr die Unterführung wegen Stromschlaggefahr gar sperren.

Wie in verschiedenen Videos zu sehen ist, strömen die Wassermassen ungehindert durch die Eingänge, die Treppen hinab, vorbei an auf Bänken stehenden und wartenden Pendlern und Pendlerinnen. Auf einem Tiktok-Video ist zu sehen, wie beim Bahnhof Aarau Coop-Mitarbeitende fieberhaft versuchen, die in den Laden eintretenden Wassermassen zurückzuhalten – eine Sisyphusarbeit, also ein sinnloses Unterfangen.

Verschiedene Kommentarschreibende auf 20 Minuten und Social Media fragen sich nun, wie es so weit kommen konnte: «Warum baute man keine entsprechenden Abflüsse für diese Wassermengen? Wenn es früher angeblich auch in diesen Mengen regnete, wäre dies doch zu erwarten gewesen?», schreibt eine Person. «Sind das jetzt die Baumängel? Auch der Bahnhof Zug scheint nicht so gut gebaut zu sein, obwohl Geld vorhanden war. Wohin ging das Geld bloss?», bemerkt eine andere Person. «Das sind die Folgen der schönen offenen Architektur. Wo das Wasser überall die Treppen runterlaufen kann. Aber Hauptsache, es sieht gut aus», so ein weiterer Kommentar.

SBB: «Verschiedene Ursachen»

Die SBB wehrt sich gegen die Vorwürfe: «Naturgewalten haben ihre eigenen Gesetzmässigkeiten und sind unberechenbar», sagt Sprecher Martin Meier. Die Ursachen für Wasser in den Bahnhöfen seien entsprechend unterschiedlich gewesen. «Im Bahnhof Zürich Flughafen drang Wasser über eine externe Baustelle in den Bahnhof, gestern Abend in Aarau war vermutlich ein Rohrbruch in Bahnhofsnähe der Grund.»

Die Sicherheit habe für die SBB aber immer höchste Priorität. «Deswegen wurde beispielsweise der Bahnhof Zürich Flughafen vorübergehend gesperrt, ebenso wie gestern Abend die Unterführung im Bahnhof Aarau», so Meier.

Überschwemmungen wegen Starkregenfällen

In Zukunft müsse man aufgrund des Klimawandels mit häufigeren solchen Starkregenfällen rechnen, sagt Stefan Kurath, Leiter Institut Urban Landscape und Architekturprofessor an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Das Problem: «Die maximale Abfluss- und Retentionsmenge ist oft zu klein, um mit solchen Starkregenfällen fertig zu werden.» Bei den Überschwemmungen der unterirdischen Bahnhöfe handelt es sich noch um jährliche Einzelfälle, die jedoch vermutlich zunehmen werden.

Eine bauliche Anpassung ist anspruchsvoll. «Grundsätzlich wird in Zukunft ein Umdenken im Umgang mit Regenwasser notwendig sein. Es braucht grössere Leitungsdurchmesser und Retentionsbecken, damit grosse Wassermengen gesammelt werden und vor Ort versickern können. Aktuell wird dieses Thema im Städtebau unter dem Begriff Schwammstadt diskutiert», sagt Kurath. Es sei also eine Herausforderung, die in Zukunft nicht nur die SBB betreffen wird, sondern ganzheitlicher Ansätze bedürfe.

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