Terror in Paris: Darum nutzt der IS gefälschte syrische Pässe
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Terror in ParisDarum nutzt der IS gefälschte syrische Pässe

Bei einem der Attentäter von Paris lag ein syrischer Pass. In Serbien ist nun ein Mann mit identischen Angaben in seinem Pass verhaftet worden. Dahinter könnte ein System stecken.

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cfr
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Die Zeugin namens «Sonia» verriet das Versteck der Attentäter. Nachfolgend: Die Bilder zum Terror von Paris.

Die Zeugin namens «Sonia» verriet das Versteck der Attentäter. Nachfolgend: Die Bilder zum Terror von Paris.

Reuters
Der Terrorist benutzte einen vom IS erbeuteten Pass: Mohammad al-Mahmod (25. November 2015)

Der Terrorist benutzte einen vom IS erbeuteten Pass: Mohammad al-Mahmod (25. November 2015)

kein Anbieter/Andrej Isakovic
Ein Renault Clio ist in Paris sichergestellt worden. Er könnte mit den Anschlägen zusammenhängen.

Ein Renault Clio ist in Paris sichergestellt worden. Er könnte mit den Anschlägen zusammenhängen.

kein Anbieter/Twitter / Dixhuitinfo

Ahmed al-Mohamed, 25, Heimatort Idlib (Syrien): Diese Angaben stehen auf einem Pass, den Ermittler bei einem der Selbstmordattentäter beim Stade de France in Paris gefunden haben. Die Fingerabdrücke des Attentäters stimmten mit jenen eines Mannes überein, der am 3. Oktober mit diesem Pass auf der griechischen Insel Leros als Flüchtling registriert worden war, wie Welt.de berichtet.

Jetzt hat die Polizei in Serbien einen weiteren Mann mit identischen Passangaben festgenommen. Auf beiden Pässen steht der Name Ahmed al-Mohamed, die Angaben sind fast identisch, einzig das Foto ist anders.

Pass von totem Soldaten

Die Nachrichtenagentur AFP meldet in Bezug auf Behördenquellen, dass der gefundene Pass vermutlich einem toten Soldaten gehöre. Dieser habe für Machthaber Baschar al-Assad gekämpft. Es sei «sehr wahrscheinlich», dass beide «gefälschten syrischen Pässe bei demselben Fälscher in der Türkei gekauft» worden seien, hiess es vonseiten der serbischen Polizei.

Nun stellt sich die Frage, wie eine Kopie des Passes neben die Leiche des Attentäters von Paris kam und ob der Attentäter tatsächlich Syrer war. Auffällig erschien den Ermittlern, dass der Pass nicht am Körper des Mannes, der sich vor dem Stade de France in die Luft gesprengt hatte, gefunden wurde, sondern daneben.

Auch im Netz werden kritische Stimmen laut: «Wie kann es sein, dass sich jemand in die Luft sprengt und ein Pass unversehrt bleibt?», schrieb ein syrischer Facebook-Nutzer. Wurde der Pass extra neben der Leiche platziert?

Ist der Pass Teil der IS-Propaganda?

Sollte sich diese Vermutung bestätigen, könnte dies Teil eines Propagandakriegs der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sein. Ankommende Flüchtlinge mit den Terrorakten in Paris in Verbindung zu bringen, würde die ablehnende Haltung gegenüber Flüchtlingen innerhalb der europäischen Bevölkerung verstärken, schreibt «Vice». Das wiederum würde die IS-Propaganda des «feindlichen, intoleranten Westens» anheizen.

Der deutsche Justizminister Heiko Maas warnte im Morgenmagazin der ARD, man sollte sehr vorsichtig mit vorschnellen Schlüssen sein: «Wir wissen, dass der IS bewusst solche Spuren legt, um die Flüchtlingsfrage in Europa weiter zu politisieren und zu radikalisieren.»

Ton wird schärfer

Damit haben die Terroristen bereits Erfolg: Europas Konservative verschärfen den Ton, die französische Politikerin Marine Le Pen vom rechtspopulistischen Front National hat gefordert, keine Flüchtlinge mehr aufzunehmen. Auch über 20 US-Staaten stellen sich gegen die Aufnahme syrischer Flüchtlinge.

Sollten sich die Beweise erhärten, dass einer der Attentäter von Paris tatsächlich Syrer war, könnte dies ernste Konsequenzen für die Menschen haben, die vor dem Terror flüchten. «Syrer werden derzeit für alles beschuldigt. Es wurde sogar gesagt, dass sie hinter dem Sandsturm in Jordanien stecken», schrieb ein Syrer auf Facebook. Ein anderer postete: «Gott helfe den syrischen Flüchtlingen in Frankreich und überall sonst. Sie hatten es schon zuvor schwer und jetzt wird es nur noch schwerer.»

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