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Bezahl-Apps boomenDarum nutzt fast die Hälfte der Schweizer Twint

Mehr als drei Millionen Schweizer nutzen die mobile Bezahl-App Twint. Konkurrenten Apple und Samsung Pay haben nur wenig Chancen sich durchzusetzen. In einigen Punkten sind sie Twint aber überlegen.

von
Barbara Scherer
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Über 40 Prozent der Schweizer nutzen Twint.

Über 40 Prozent der Schweizer nutzen Twint.

Twint
Die Zahl der Transaktionen hat sich in der Corona-Krise verdoppelt.

Die Zahl der Transaktionen hat sich in der Corona-Krise verdoppelt.

twint
Im Februar 2020 waren es noch 5 Millionen und im September dann 10 Millionen.

Im Februar 2020 waren es noch 5 Millionen und im September dann 10 Millionen.

Twint

Darum gehts

  • Bezahl-Apps boomen in der Schweiz.

  • Twint wird dabei am meisten genutzt.

  • Apple und Samsung Pay sind dafür schneller beim Bezahlen vor Ort.

An der Kasse, im Online-Shop oder unter Freunden: Über 40 Prozent der Schweizer nutzen für ihre Rechnungen Twint. Die Bezahl-App hat inzwischen mehr als drei Millionen Nutzer registriert, wie eine Studie der Hochschule Luzern (HSLU) zeigt.

Dass das mobile Bezahlsystem beliebter geworden ist, hängt auch mit der Corona-Pandemie zusammen: Die Zahl der Transaktionen hat sich von 5 Millionen im Februar auf 10 Millionen im September verdoppelt. Dabei wurden Ende Jahr über 551 Millionen Franken in der Schweiz via Twint überwiesen.

Twint ist beliebter als Apple Pay

Der Trend des mobilen Bezahlens dürfte laut den Studienautoren weiter zunehmen: Bis im September 2022 könnten monatlich rund 30 Millionen Transaktionen via Handy getätigt werden. Die meisten davon über Twint. Denn bereits jetzt besitzt die Bezahl-App Dreiviertel des mobilen Bezahlmarkts in der Schweiz.

Andere Anbieter sind seit 2016 Apple Pay und Samsung Pay seit 2017. Beide Bezahlsysteme sind bisher aber längst nicht so beliebt wie Twint. «Twint kann wie eine Debit Card direkt mit dem Bankkonto verknüpft werden, das bevorzugen die Schweizer», erklärt Zahlungsexperte Marcel Stadelmann von der ZHAW.

Apple und Samsung Pay hingegen laufen über eine Kreditkarte. Dieser Zahlungsmethode begegnen viele mit Vorbehalten: «Am häufigsten werden fehlende Kontrolle und Ausgabendisziplin bemängelt», sagt Stadelmann. Zudem funktionieren die beiden Bezahlsysteme anders als Twint nur auf den jeweiligen Herstellergeräten von Apple und Samsung.

Die Kreditkarte bei Apple und Samsung bietet allerdings beispielsweise die Möglichkeit, Flugmeilen zu sammeln. Für manche Kunden sei das ein Grund, diese Lösungen zu bevorzugen. «Zudem können Apple und Samsung Pay auch zum Bezahlen im Ausland und somit auch in den Ferien genutzt werden.»

Apple und Samsung als Bezahl-Systeme haben noch einige weitere Vorteile: «Sie sind schneller und einfacher in der Handhabung, wenn es ums Bezahlen beim Einkaufen vor Ort geht», so Stadelmann. Mit den Apps könne kontaktlos bezahlt werden. Bei Twint müssen die Nutzer dafür erst eine Code scannen oder Bluetooth anstellen.

Zahlungen zwischen Nutzern besonders gefragt

Hingegen sei Twint besonders beliebt für Zahlungen zwischen Nutzern mit der sogenannten der Peer-to-Peer-Überweisung. So wurden laut der HSLU-Studie 41 Prozent der Transaktionen im letzten Jahr zwischen Nutzern getätigt.

«Der Nachteil davon ist, dass mit diesen Überweisungen kein Geld verdient wird», erklärt Stadelmann. Apple und Samsung Pay würden mehr für Zahlungen in Shops genutzt, diese Services lohnen sich finanziell für die Anbieter.

Diese Banken stecken hinter Twint

Hinter dem Zahlungsanbieter Twint stecken Schweizer Banken und die Six. Die Postfinance und Six halten den grössten Teil der Aktien. Aber auch die UBS und Credit Suisse sind am Unternehmen beteiligt. Dazu kommen noch Raiffeisen, die Zürcher Kantonalbank und die Banque Cantonale Vaudoise.

Twint werde wohl auch in Zukunft die beliebteste Bezahl-App in der Schweiz sein, sagt Stadelmann. Dies auch weil viele Banken längere Zeit nicht mit Apple oder Samsung zusammengearbeitet haben. «Twint ist dadurch bereits weiter verbreitet in der Schweiz.» Auch Bezahlsysteme wie Paypal und Revolut könnten diesen Vorsprung wohl nicht mehr aufholen.

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50 Kommentare
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Achtung Achtung

11.01.2021, 23:10

Ich gehöre zu der knappen Mehrheit, die Twint nicht nutzt. Viele werden sich fragen, wie es möglich sein kann, ohne Twint zu überleben. Man höre und staune: es geht! Und ich vermisse rein gar nichts.

Sportlich7

11.01.2021, 15:18

Nichts so schnell wie Apple Pay. Doppelklick auf Home Button - nach 3-5 sec. ist bezahlt. Neu hat man auch die noch ausstehenden Buchungen sogleich in der Swisscard App aufgeführt.

Marco Simon

11.01.2021, 09:03

Das Hauptproblem bei Samsung Pay (und Apple Pay) ist, dass etliche Kreidtkarten noch nicht akzeptiert werden. Die Mastercard von Raiffeisen ist zum Beispiel immernoch nicht aufgeschalten. Bei der IT ist oft auch das Umsetzungstempo entscheidend, TWINT funktioniert einfach und das entscheidet dann schlussendlich.