Aktualisiert 30.06.2017 10:43

Food-TrendsDarum reden jetzt alle von Gelati

Italien, Deutschland und sogar Finnland: Alle essen mehr Glace als wir. Jetzt sorgen Gelaterias dafür, dass die Kunden das Produkt neu entdecken.

von
pam
1 / 6
Hausgemachte Glaces überzeugen: Die Warteschlangen vor den Gelaterias sind derzeit lang.

Hausgemachte Glaces überzeugen: Die Warteschlangen vor den Gelaterias sind derzeit lang.

Keystone/Gaetan Bally
Anders sieht es bei den industriellen Glaceproduzenten aus: Der Absatz der grossen Glacefirmen wie Frisco (Extreme-Cornets) oder Unilever (Raketen-Stängel) war über Jahre rückläufig. Erst 2015 konnte der Verband der Schweizer Glaceproduzenten seine Verkäufe bei 45 Millionen Liter stabilisieren.

Anders sieht es bei den industriellen Glaceproduzenten aus: Der Absatz der grossen Glacefirmen wie Frisco (Extreme-Cornets) oder Unilever (Raketen-Stängel) war über Jahre rückläufig. Erst 2015 konnte der Verband der Schweizer Glaceproduzenten seine Verkäufe bei 45 Millionen Liter stabilisieren.

Keystone/Martin Ruetschi
Für den Erfolg von kleinen Gelaterias haben mehrere angefragte Geschäfte die gleiche Erklärung: «Die Kunden möchten wissen, woher die Zutaten in ihrem Glace kommen, und sie wollen sehen, wie es vor Ort hergestellt wird.» Und die Betreiber sind überzeugt: «Für diesen Luxus sind sie auch bereit, mehr zu bezahlen.»

Für den Erfolg von kleinen Gelaterias haben mehrere angefragte Geschäfte die gleiche Erklärung: «Die Kunden möchten wissen, woher die Zutaten in ihrem Glace kommen, und sie wollen sehen, wie es vor Ort hergestellt wird.» Und die Betreiber sind überzeugt: «Für diesen Luxus sind sie auch bereit, mehr zu bezahlen.»

AP/Daniel Maurer

Marzipan, Ingwer-Limette oder Feige? Die Fülle an Aromen und die unkonventionellen Sorten begeistern Glace-Liebhaber in der ganzen Schweiz. Bei Gelaterias, die auf hausgemachte Produktion setzen, sorgt das sonnige Wetter für lange Warteschlangen.

Anders sieht es bei den industriellen Glaceproduzenten aus: Der Absatz der grossen Glacefirmen wie Frisco oder Unilever war über Jahre rückläufig. Erst 2015 konnte der Verband der Schweizer Glaceproduzenten seine Verkäufe bei 45 Millionen Liter stabilisieren. Zum Vergleich: Im Rekordsommer 2003 waren es 55 Millionen Liter. Die Zahlen für das vergangene Jahr sind noch nicht bekannt.

«Kunden möchten wissen, woher die Zutaten kommen»

Der Gastro-Experte Leo Egloff erklärt den Erfolg der kleinen Gelaterias mit ihrer «Frische und Authentizität»: «Die Kunden wollen sehen, wo ihr Glace hergestellt wird.» Ein solches Erlebnis könne der Badi-Kiosk mit den Industrie-Glaces nicht bieten.

Von italienischen oder deutschen Verhältnissen, wo fast an jeder Ecke ein Glaceverkäufer seine hausgemachten Produkte feilbietet, ist die Schweiz jedoch noch weit entfernt. Laut Branchenexperten liegt dies daran, dass die Schweiz etwa mit Mövenpick schon früh über ein breites Angebot an qualitativ hochwertigen Industrieglaces verfügte. «Lange gab es darum in der Schweiz gar keine Nachfrage nach Gelaterias», so ein Branchenkenner.

Leo Egloff ergänzt: «Die Industrie hat in den letzten Jahren keine Fortschritte gemacht, deshalb suchen die Kunden jetzt nach hausgemachten Alternativen.» Jouni Palokangas vom Industrieverband Glacesuisse gönnt den Gelaterias ihren Erfolg: «Diese Vielfalt trägt dazu bei, dass der Glace-Konsum schweizweit steigt».

Industriefirmen imitieren Gelateria-Sorten

Den Trend hin zum hausgemachten Glace haben auch die Industriefirmen erkannt: Emmi bewirbt ihr Sorbet im aktuellen Prospekt beispielsweise mit «sonnengereiften Früchten» und einem «maximalen Anteil an natürlichen Fruchtsäften». Und der Glacefabrikant Lusso, der zum Unilever-Konzern gehört, versucht mit Swissness zu punkten: Das Stracciatella-Glace wird als «echter Schweizer Klassiker mit Schweizer Rezeptur» vermarktet.

Die Migros-Tochter Midor setzt dagegen wie die kleinen Eisdielen auf die Ferienerinnerungen in der italienischen Gelateria: Mit der Marke «i gelati» verspricht Midor den Gastrobetrieben, dass sie mit Midor-Produkten ihren Verkauf von «Glace und Desserts ankurbeln» können. Die Sorbets preist «i gelati» dann etwa als «Sorbetto Superiore» an.

Schweizer sollen auch im Winter Glace schlecken

Im Kampf um Marktanteile gibt es indes für die industriellen Produzenten wie für die kleinen Gelaterias noch Wachstumspotenzial, denn im Vergleich zu unseren Nachbarn schlecken die Schweizer wenig Glace: Während hierzulande 5,4 Liter pro Person und Jahr konsumiert werden, sind es in Deutschland 6,3 und in Finnland gar zwölf Liter.

Jouni Palokangas von Glacesuisse ist selbst gebürtiger Finne. Im Norden sei Glace etwas, das man sich nicht nur im Sommer gönnt. «Glace ist in Finnland ein Genussprodukt wie in der Schweiz ein Stück Schokolade.» Die Schweizer hingegen griffen erst bei einer Temperatur von etwa 20 Grad in die Tiefkühltruhe.

Um den unterdurchschnittlichen Schweizer Konsum anzukurbeln, will Palokangas daher auch hierzulande das Glace im Winter populär machen: «Eine Möglichkeit wäre etwa, in Restaurants zum Espresso nach dem Essen eine Kugel Vanille-Glace anzubieten.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.