Geheimdokumente: Darum scheiterte der Klimagipfel wirklich

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GeheimdokumenteDarum scheiterte der Klimagipfel wirklich

Als sich die Weltelite in Kopenhagen versammelte, um ein Klimaabkommen zu beschliessen, hoffte die Welt vergebens auf eine Einigung. Nun bringen geheime Dokumente Licht ins Dunkel.

Gut vier Monate nach dem gescheiterten Weltklimagipfel in Kopenhagen sind bisher geheime Dokumente mit Hinweisen auf die Hintergründe des Versagens aufgetaucht. So haben die dänischen Gastgeber das Ziel bindender Vereinbarungen deutlich früher aufgegeben als bisher bekannt.

Das geht aus einem am Wochenende von der Kopenhagener Zeitung «Politiken» im Internet veröffentlichten Geheimpapier der Kanzlei von Ministerpräsident Lars Loekke Rasmussen hervor. Schon «Anfang 2009 sei klar gewesen, dass es keine Grundlage für ein Streben nach einem neuen, juristisch bindenden Klimaabkommen gab», heisst es in dem Papier.

Entscheidend für das Ergebnis mit einer unverbindlichen Absichtserklärung sei der Wille des nur zum Abschlusstag angereisten US-Präsidenten Barack Obama gewesen, um jeden Preis mit einer Vereinbarung nach Washington zurückzukehren, heisst es weiter.

Rasmussen soll wegen des Papiers und seiner bis jetzt anderslautenden öffentlichen Äusserungen vor einen Parlamentsausschuss zitiert werden. Seine Kanzlei lehnte jeden Kommentar ab.

Brisante Tonbandaufnahmen

Dem deutschen Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» liegt ferner ein Tonbandmitschnitt vor, der die Kluft zwischen den Regierungen der EU- Länder auf der einen und China sowie Indien auf der anderen Seite belegt. Aus den Aufnahmen geht hervor, dass China und Indien eine Einigung auf konkrete Sparziele von Treibhausgasen blockierten und die EU düpierten.

In dem fast 90-minütigen Treffen fuhr Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel den indischen Premierminister Manmohan Singh an: «Aber dann wollen Sie nichts rechtlich Bindendes!» Der entgegnete mit lauter Stimme: «Das ist nicht fair!» Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy soll gesagt haben: «Bei allem Respekt vor China. Man muss auf diese Scheinheiligkeit reagieren.»

Allerdings hiess es am Sonntag aus Teilnehmerkreisen, Singh sei zu diesem Zeitpunkt gar nicht im Raum gewesen. Indien sei in dem Moment durch ein niedrig-rangigeres Delegationsmitglied vertreten gewesen. (sda)

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