Weshalb Tomaten oft fad schmecken und du sie nie neben Äpfeln lagern solltest
Sie sind vielfältig zubereitbar und gesund: Nicht nur in der Schweiz ist die Tomate das Lieblingsgemüse. 

Sie sind vielfältig zubereitbar und gesund: Nicht nur in der Schweiz ist die Tomate das Lieblingsgemüse.

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Tomaten-GuideDarum schmecken deine Tomaten oft fad

Im Sommer sind Tomaten besonders fein – vor allem, wenn sie frisch aus dem Garten oder vom Markt kommen. Das kann sich jedoch schnell ändern. Alles, was du über die Lagerung und Verwendung von Tomaten wissen musst.

von
Sonja Siegenthaler

In der Schweiz ist die Tomate neben dem Rüebli das meistgegessene Gemüse. Kein Wunder: Ausgereifte Tomaten sind sind nicht nur unglaublich vielseitig, sondern mit ihren zahlreichen Vitaminen und Mineralstoffen besonders gesund – enthalten aber nur wenig Zucker und Kalorien. Wieviel genau, hängt von den jeweiligen Sorten ab: Cherry- und Cocktailtomaten verdanken ihre Süsse etwa dem hohen Zuckergehalt, gleichzeitig verfügen sie über mehr Mikronährstoffe als beispielsweise die eher wässrige Salattomate.

Beliebt aufgrund ihres intensiven Aromas: Cocktail- und Cherrytomaten. 

Beliebt aufgrund ihres intensiven Aromas: Cocktail- und Cherrytomaten.

Unsplash / Robert Kalinagil

Trotz aller Beliebtheit: Tomaten wird nachgesagt, in der Lagerung ziemlich kompliziert zu sein und oft fad zu schmecken. Damit du diese Saison mindestens genauso geschmacksintensive Pomodori wie in den Italien-Ferien geniessen kannst, haben wir dir vier Tipps zu Kauf, Lagerung und Zubereitung zusammengestellt.

Tipp 1: Saisonal, regional und auf dem Markt oder Bauernhof kaufen

Dass Tomaten so beliebt geworden sind, hat auch Haken: Sie wurden zum Industrieprodukt und sollen das ganze Jahr hindurch verfügbar sein. So stammt ein Grossteil des im Supermarkt verkauften Gemüses mittlerweile aus hocheffizienten Gewächshäusern, durch deren Dächer weniger UV-Licht auf die Pflanzen gelangen kann als im Freien. Dadurch bilden sich weniger Aromastoffe und die Tomaten haben weniger Geschmack.

Die importierten Produkte sind oft besonders wässrig und watteartig, da die Tomaten noch steinhart geerntet werden und erst auf dem Weg zu ihrem Bestimmungsort nachreifen.

Ein grosser Teil der verkauften Schweizer Tomaten wird in Gewächshäusern gezüchtet.

Ein grosser Teil der verkauften Schweizer Tomaten wird in Gewächshäusern gezüchtet.

Unsplash / Zoe Schaeffer

Doch dass die Tomaten aus dem Supermarkt oft beinahe geschmacklos sind, hat noch zwei anderen Gründe, wie der «Tagesanzeiger» schreibt: Grössere Händler würden von Bauern Tomatensorten verlangen, die das ganze Jahr über möglichst gleich schmecken – also bestenfalls auch im Sommer, wenn die Tomaten eigentlich den besten Geschmack haben. Die Begründung? Die Kundinnen und Kunden würden ein konstantes Produkt, das ein einheitliches Geschmackserlebnis bietet, schätzen.

Während der Monate, in denen die inländische Produktion den Markt versorgen kann, werden zum Schutz der Schweizer Gemüsebauern ausserdem die Einfuhrzölle für Importe dermassen erhöht, dass sich diese kaum mehr lohnen. Ciao pomodori! Daher lautet der erste Tipp: Damit du die geschmacksintensivsten Tomaten bekommt, kaufst du sie am besten auf dem Wochenmarkt oder beim Bauern – oder züchtest sie selbst.

Tipp 2: Tomaten richtig verwenden – eine Übersicht

Der leicht-säuerliche Klassiker im Tomatensortiment besitzt einen hohen Anteil an Samen, viel Gallerte und ist darum sehr saftig. Eignen sich: zum Schmoren im eigenen Saft, für Tomatensaucen, Salate und Gemüsegerichte.
Rund- oder Salattomaten

Der leicht-säuerliche Klassiker im Tomatensortiment besitzt einen hohen Anteil an Samen, viel Gallerte und ist darum sehr saftig. Eignen sich: zum Schmoren im eigenen Saft, für Tomatensaucen, Salate und Gemüsegerichte.

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Die grossen Tomaten mit ihren dicken, gerippten Fleischwänden haben einen geringen Saftanteil, dafür viel Fruchtfleisch. Eignen sich: zum Rohverzehr, Belegen von Burgern und Sandwiches, für Salate, zum Grillen oder Gratinieren.
Fleischtomaten

Die grossen Tomaten mit ihren dicken, gerippten Fleischwänden haben einen geringen Saftanteil, dafür viel Fruchtfleisch. Eignen sich: zum Rohverzehr, Belegen von Burgern und Sandwiches, für Salate, zum Grillen oder Gratinieren.

Pexels / Mali Maeder
Sie zeichnen sich durch ihre ovale Form aus und weisen im Vergleich zur Salattomate weniger Kerne und viel fast schon zähes Fruchtfleisch auf. Eignen sich: zum Einmachen, Kochen und für die Herstellung von Saucen und Ketchup.
Romatomaten

Sie zeichnen sich durch ihre ovale Form aus und weisen im Vergleich zur Salattomate weniger Kerne und viel fast schon zähes Fruchtfleisch auf. Eignen sich: zum Einmachen, Kochen und für die Herstellung von Saucen und Ketchup.

Unsplash / Brands People

Tipp 3: Doch im Kühlschrank lagern

Lange wurde von der Lagerung im Kühlschrank abgeraten, da Tomaten durch die Kälte Aroma verlieren sollten. Wie eine Studie der Universität Göttingen jedoch gezeigt hat, ist dem nicht so. Professionelle Sensorikprüfende und der Blick auf die Inhaltsstoffe zeigten: Geruch, Geschmack, Nachgeschmack und Saftigkeit litten nicht unter der Lagerung im Kühlschrank. Der einzige Unterschied, den die Testenden festgestellt haben, beruhte auf den Eigenschaften der unterschiedlichen Sorten. Selbst angebaute Tomaten oder solche, die reif geerntet und keine langen Transportwege hinter sich haben, könnten gar vier bis sechs Tage im Kühlschrank liegen, ohne dass sie Geschmack verlieren.

Grünen Ansatz rausschneiden

Während der Zubereitung sollte der grüne Stängelansatz aus den Tomaten herausgeschnitten werden. Dieser enthält einen giftigen Stoff, Solanin genannt. Dieser findet sich ebenso in unreifen, grünen Tomaten. Auch wenn man sich bei dieser geringen Menge nicht vor einer Vergiftung fürchten muss, solltest du den Ansatz besser entfernen, denn er schmeckt nicht und ist ziemlich holzig.

Tipp 4: Von Obst und Gemüse getrennt lagern

Egal, ob im Kühlschrank oder im Obstkorb: Tomaten sollten immer getrennt von anderem Gemüse und Obst gelagert werden. Der Grund dafür ist, dass Tomaten nachreifend sind, also dass sich Farbe, Geschmack, Geruch und Nährstoffgehalt auch nach der Ernte noch verbessern können. Der Reifezustand etwa von Himbeeren, Erdbeeren oder Peperoni hingegen ändert sich nicht mehr, weshalb diese immer bereits reif gekauft werden sollten.

Wie auch Erdbeeren riechen aromatische Tomaten besonders fruchtig.

Wie auch Erdbeeren riechen aromatische Tomaten besonders fruchtig.

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Angestossen wird dieser Reife- und Verderbungsprozess durch das Pflanzenhormon Ethylen, das durch diverse Gemüse- und Obstsorten ausgestossen wird. Je mehr Ethylen in die Tomate gelangt, desto mehr produziert sie selbst und schneller reift sie. Besonders rasch geht das, wenn sie etwa neben Äpfeln, Broccoli oder Melonen liegen – diese produzieren ebenfalls eine grosse Menge Ethylen. Ein halber Meter Abstand dazwischen sollte schon reichen.

Besonders Ethylen-empfänglich sind

Bananen, Kiwis, Broccoli, Blumenkohl, Kartoffeln, Rosenkohl, Mangos, Honigmelone, Gurken und Tomaten.

Das Gas wird auch zu kommerziellen Zwecken genutzt: Obst und Gemüse, das unreif geerntet und über längere Strecken transportiert werden muss, kann mit Ethylen nachbehandelt werden, damit es zur appetitanregenden Reife nachreift. Das kannst du auch zuhause machen, falls etwa Bananen noch zu grün für den Verzehr sind: Dann legst du sie einfach neben ethylenausscheidendes Obst oder Gemüse.

Schaust du darauf, dass du saisonales Gemüse oder Obst kaufst? Oder bist du glücklich, wenn du eine möglichst breite Auswahl das ganze Jahr hindurch hast? Teile deine Meinung mit uns in den Kommentaren.

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