Hormonelle Verhütung: Darum setzt sie auf die Spirale statt die Pille
Publiziert

Hormonelle VerhütungDarum setzt sie auf die Spirale statt die Pille

Junge Frauen verhüten immer seltener mit der Pille. Vier Leserinnen erzählen, wieso sie auf Alternativen zurückgreifen.

von
Leo Hurni
1 / 5
Die Pille schützt vor ungewollter Schwangerschaft. Nicht alle Frauen vertragen die Pille aber gut. 

Die Pille schützt vor ungewollter Schwangerschaft. Nicht alle Frauen vertragen die Pille aber gut.

imago images
Leserin Tabea (20) litt unter starken Nebenwirkungen. «Ich war bei insgesamt sieben Ärztinnen auf der Suche nach einer Alternative.»

Leserin Tabea (20) litt unter starken Nebenwirkungen. «Ich war bei insgesamt sieben Ärztinnen auf der Suche nach einer Alternative

zVg
Auch Leserin Stefanie hatte Mühe mit der Pille. Nachdem sie die hormonelle Verhütung aufgegeben hat, sei es ihr viel besser gegangen.  

Auch Leserin Stefanie hatte Mühe mit der Pille. Nachdem sie die hormonelle Verhütung aufgegeben hat, sei es ihr viel besser gegangen.

uzh

Darum gehts

  • Die Pille ist bei jungen Frauen immer weniger beliebt.

  • Sie greifen auf Alternativen, wie etwa die Spirale, zurück.

  • Vier Leserinnen erzählen, wieso sie nicht mehr die Pille benutzen.

Die Pille bleibt neben dem Kondom das beliebteste Verhütungsmittel in der Schweiz. Laut Zahlen des Bundesamtes für Statistik ist die Pille aber vor allem bei jungen Frauen immer weniger beliebt: Nahmen von den Frauen mit Jahrgang 1975 kurz nach dem 20. Geburtstag noch rund 80 Prozent die Pille, waren es beim Jahrgang 1995 nur noch gut 50 Prozent.

Dafür beobachtet das Bundesamt, dass die jüngste Generation vermehrt auf die Spirale zurückgreift. Die Statistiker führen dies unter anderem auf die Skandale um die Nebenwirkungen der Östrogen-Gestagen-Pillen der dritten und vierten Generation zurück, die auch in den Medien ein grosses Thema waren. Vier Leserinnen berichten, wieso sie der Pille abgeschworen haben.

Tabea (20)

«Ich habe mit 15 mit der Pille angefangen und habe in den folgenden Jahren sechs verschiedene Pillen ausprobiert, da ich starke Nebenwirkungen hatte. Nichts hat richtig funktioniert und ich war bei insgesamt sieben Ärztinnen auf der Suche nach einer Alternative. Ich denke, viele Frauen würden die Pille gar nicht nehmen, wenn sie wirklich wüssten, was sie sich und ihrem Körper damit gegebenenfalls antun. Jetzt habe ich seit einem Jahr die Kupferspirale und es war eine der besten Entscheidungen, die ich treffen konnte.»

Stefanie (29)

«Ich begann mit 18, die Pille zu nehmen und nach fünf Jahren wechselte ich zum Ring. Ich merkte dabei nicht, dass es mir mit der hormonellen Verhütung schlecht ging. Ich bekam wegen der Pille Panikattacken aus dem Nichts, wusste aber nicht, dass das wegen der Pille war. Erst mit 25 wurde mir wirklich bewusst, dass ich depressive Verstimmungen hatte. Als ich die hormonelle Verhütung vor einem Jahr endgültig absetzte, rebellierte mein Körper noch für einige Monate und ich hatte starke Kopfschmerzen. Mittlerweile geht es mir viel besser, ich bin ausgeglichener und weniger depressiv.»

Eli (25)

«Als ich mit 13 begann, die Pille zu nehmen, habe ich das nicht hinterfragt, wurde von meiner Ärztin aber auch nie richtig über die möglichen Nebenwirkungen aufgeklärt. Erst nach zehn Jahren habe ich die Pille dann abgesetzt, da mir bewusst wurde, wie gross der Einfluss auf meinen Körper ist. Ich wurde öfters krank, hatte Magenprobleme und war emotional extrem instabil. Seitdem ich nicht mehr hormonell verhüte, geht es mir viel besser. Die Pille ist ein Medikament und kein Sugus. Es wird zu wenig darüber aufgeklärt, was die Pille im Körper der Frau macht und weshalb sie zur Verhütung dient.»

Mona (20)

«Als ich die erste Pille genommen habe, hatte ich ziemlich starke Stimmungsschwankungen und fühlte mich in meinem Körper immer sehr unwohl. Positiv war, dass ich meine Tage selbst auswählen konnte. Die negative und aggressive Stimmung, die die Pille auslöste, wurde immer schlimmer und mein Umfeld empfahl mir, etwas zu verändern. Meine Frauenärztin verschrieb mir eine neue, natürlichere Pille. Auch das funktionierte nicht richtig, also wechselte ich auf die Hormonspirale, mit der ich zufrieden bin. Am liebsten hätte ich eine hormonfreie Verhütung, jedoch gibt es keine Verhütung, welche so sicher und zuverlässig ist, wie die hormonelle Verhütung.»

Das sagt die Expertin dazu


Dr. Ina Breinl, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe am Brust-Zentrum Zürich, sagt zu den negativen Erfahrungen einiger Leserinnen mit der Pille: «Die Pille beeinflusst den Körper stark. Deswegen greifen immer mehr Frauen zu Alternativen.» Der Körper vertrage die Pille grundsätzlich aber gut und viele Frauen hätten damit keine Probleme.

Als Alternative zur hormonellen Verhütung sieht Breinl die Kupfer- oder Goldspirale, die relativ sicher sei. «Zusätzlich beobachte ich den Trend der ‹Zeit-Verhütung›. Dabei hat man nur Geschlechtsverkehr, wenn man nicht empfänglich ist. Diese Methode kann aber im Vergleich zu den klassischen Verhütungsmethoden schnell zu einer Schwangerschaft führen.»
Am sichersten sei man mit einer doppelten Verhütung, zum Beispiel mit Pille und Kondom. «Das lohnt sich vor allem auch, wenn man häufiger die Partner wechselt, da dabei auch Infektionen nicht übertragen werden.»

Hast du Fragen zu Beziehung, Liebe oder sexueller Gesundheit?

Hier findest du Hilfe:

Lilli.ch, Onlineberatung

Tschau, Onlineberatung

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

Pro Juventute, Tel. 147

Deine Meinung