17.04.2019 04:44

OppoDarum setzt Swisscom auf ein 5G-Handy aus China

Ab Mai gibt es das erste 5G-Handy bei der Swisscom. Der Telecom-Riese setzt dabei auf die relativ unbekannte chinesische Marke Oppo. Warum?

von
R. Knecht

Das erste 5G-Handy der Schweiz im Check. (Video: Jan Dino Kellenberger)

Noch zwei Wochen, dann gibt es das erste 5G-Smartphone im Laden: Ab Mai verkauft die Swisscom das Reno 5G vom chinesischen Hersteller Oppo für 999 Franken. Dass die Telecomfirma bei 5G mit Oppo zusammenarbeitet, hat viele überrascht – denn in der Schweiz ist die Marke im Vergleich zu Branchengrössen wie Apple, Samsung und Huawei noch praktisch unbekannt.

Für die Swisscom ist vor allem die Liefergeschwindigkeit ausschlaggebend: Oppo habe als erster Anbieter ein kommerziell verfügbares 5G-Gerät auf den Markt gebracht, sagt Swisscom-Sprecherin Annina Merk zu 20 Minuten. «Die Swisscom hat es sehr eilig zu zeigen, dass ihr 5G-Netz bereit ist», sagt Jean-Claude Frick, Digital-Experte bei Comparis. Der beste Weg sei ein Smartphone, weil das einfacher zu bewerben sei als ein 5G-fähiger Access Point, wie ihn Sunrise derzeit vorführt.

Telecom-Experte Jean-Claude Frick über 5G

Die Swisscom hat ihren 5G-Fahrplan vorgestellt. Der Experte analysiert.
(Video: sas)
(Video: sas)

Das sagt Comparis-Experte Jean-Claude Frick zu den neuen 5G-Smartphones. (Video: 20 Minuten)

Namhafte Marken sind zu spät dran

Die grossen Hersteller bringen ihre 5G-Handys aber erst später: Samsungs S10 5G ist das erste Smartphone eines in der Schweiz bekannten Herstellers, das die neue Technologie mitbringt – und es kommt im Sommer. «Zu spät für die Swisscom, um im Mai mit 5G zu starten», so Frick. Einzig LG bringt ebenfalls bereits im Mai ein entsprechendes Gerät. Als Herstellerin habe die südkoreanische Marke aber einen schlechten Ruf und eigne sich für Swisscom darum weniger als Launch-Marke.

Ein zusätzlicher Vorteil, den Oppo als chinesischer Hersteller mitbringt, ist laut Frick, dass die Entwicklung von 5G in China staatlich stark vorangetrieben wird: «Oppo hat die Technologie vor der Haustür.»

Oppo will Europa erobern

Für den chinesischen Hersteller sei die Zusammenarbeit mit der Swisscom eine Chance, in einen neuen Markt vorzudringen, sagt Telecom-Experte Ralf Beyeler von Moneyland. Oppo gehört zum BBK-Electronics-Konzern, der nach Samsung weltweit am zweitmeisten Smartphones herstellt – noch mehr als Apple. «Oppo will nun nach Europa vorstossen», so Beyeler.

Die Rechnung könnte für den Smartphone-Hersteller aufgehen: Die Swisscom habe bereits vor vielen Jahren Geräte des noch «völlig unbekannten» Sharp-Konzerns Vodafone Live erfolgreich in der Schweiz eingeführt – damals, um Druck auf Nokia zu machen.

Swisscom geht Risiko ein

Laut Frick von Comparis geht die Swisscom mit der chinesischen Marke ein Risiko ein. Weil Oppo unbekannt und der Preis mit 999 Franken sehr hoch sei, werde der Telecom-Riese das Smartphone sicher nicht massenweise verkaufen. 5G sei 2019 aber sowieso erst einmal für diejenigen, die einfach immer die neuste Technologie haben wollen. Für diese Zielgruppe spiele es keine grosse Rolle, wer genau das erste 5G-Gerät bringe.

Auch sei es den Schweizer Konsumenten nicht so wichtig, aus welchem Land ein Smartphone komme: «Sie schauen primär auf die Funktionen und den Preis.» Das habe auch der Fall Huawei gezeigt. Der chinesische Hersteller konnte seine Verkaufszahlen in den vergangenen drei Jahren steigern – trotz Spionagevorwürfen im Zusammenhang mit der chinesischen Regierung.

Für die meisten Konsumenten lohnt es sich laut Frick aber aktuell nicht, ein 5G-Handy zu kaufen. Die Begründung: Die Geräte werden am Anfang mehr Akku brauchen, da sie noch nicht auf die neuen Netze optimiert sind. Der Telecom-Experte schätzt, dass die Vorteile für Smartphone-Nutzer erst um 2021 spürbar sein werden. Dann würden die meisten Geräte 5G integriert haben und die passenden Abos und Dienste verfügbar sein.

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