9 Tote Alpinisten: Darum sind die Berge aktuell so gefährlich
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9 Tote AlpinistenDarum sind die Berge aktuell so gefährlich

In den Bergen sorgte der Wetterumbruch vom Wochenende für zwei Unglücke. Mehrere Personen starben. Experten erklären die Gefahr.

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qll
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Elisabetta P., Lehrerin aus Bozen, kam am Pigne dArolla ums Leben.

Elisabetta P., Lehrerin aus Bozen, kam am Pigne dArolla ums Leben.

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Die Gruppe auf einem der letzten Fotos vor dem verhängnisvollen Aufstieg.

Die Gruppe auf einem der letzten Fotos vor dem verhängnisvollen Aufstieg.

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Auch Mario C. ist unter den Opfern. Er war ein erfahrener Alpinist und war als Bergführer mit den Skitourengängern im Wallis unterwegs.

Auch Mario C. ist unter den Opfern. Er war ein erfahrener Alpinist und war als Bergführer mit den Skitourengängern im Wallis unterwegs.

ZVG

Der Wind ist kalt und orkanartig. Er reisst die Landkarte aus den Händen. Schneekristalle fliegen ins Gesicht. Es schmerzt wie Tausende Nadelspitzen. Durch den fliegenden Schnee und den aufziehenden Nebel verliert man die Orientierung. Man versucht, bei seinen Kollegen Halt zu finden. Doch auch die Kommunikation mit ihnen ist schwierig – so beschreibt Marco Mehli, Präsident vom Schweizer Bergführerverband einen Sturm im Hochgebirge.

Ähnlich dürfte es nach dem plötzlichen Wetterumbruch vom Wochenende vierzehn Skitourenfahrern in der Region Pigne d'Arolla VS und den beiden jungen Bergsteigern am Mönch BE ergangen sein. Bei den zwei Unglücken starben acht Personen (Stand Dienstagmittag).

Laut Bruno Hasler, Bergführer und Fachleiter Ausbildung Winter beim Schweizer Alpen-Club, herrschten während den letzten Wochen bis am Samstag hervorragende Verhältnisse in den Alpen. «Es war in den letzten Jahren selten so gut wie diesen April», erinnert sich Hasler. «Mit den starken Winden und den Niederschlägen hat sich das am Sonntag schlagartig geändert. Die starken Winde, die Niederschläge und damit einhergehend der Nebel machen das Bergsteigen aktuell anspruchsvoll.» Zu kritischen Vorfällen kann es laut Hasler bei variablem Wetter schnell kommen.

Der Wind als Feind

«Ein Wetterumsturz verändert alles», bestätigt Mehli. «Durch den Nebel und den Wind, der einen regelrecht peitscht und den Schnee fliegen lässt, hat man keine gute Sicht. Das führt dazu, dass man sich nicht orientieren oder mit den anderen absprechen kann. Man kann sich nur schwer fortbewegen. Kühlt schnell aus. Der Wind kann im Hochgebirge einer der grössten Feinde werden.»

Zwar rechne man im Hochgebirge immer mit Wetterumbrüchen, wie oft diese auftreten, könne man jedoch nicht sagen. «Man weiss, dass sie dort oben noch einmal schlimmer als auf dem Flachland sind», so Mehli. «Es dünkt, als ob die Wetterphänomene in den letzten Jahren extremer auftreten. Gut möglich, dass es am Klimawandel liegt.»

Gute Vorbereitung notwendig

Um in solchen Fällen reagieren zu können, brauche es eine gute Vorbereitung. «Man muss an gute, warmhaltende Kleidung denken und an einen Biwak-Sack», so Mehli. «Wenn der Sturm aufzieht, sollte man sobald wie möglich einen Unterschlupf finden oder sich diesen im Schnee bauen.» Denn durch den Windchill-Effekt sei die gefühlte Temperatur kälter als die gemessene Lufttemperatur.

Laut Hasler ist es aber nicht überall möglich ein Schneeloch zu bauen. Zu wenig Schnee, eisige und zu harte Verhältnisse sowie eine Felsunterlage könnten dieses Unterfangen unmöglich machen. «Oft wird der Durchgang, die Hütte oder ein Unterschlupf gesucht, bis die Kräfte am Ende sind», erklärt er. «Danach reicht die Kraft für den Bau eines Notbiwaks nicht mehr.»

Wie sich das Hochgebirge in den nächsten Tagen zeigt, sei unklar. «Die Verhältnisse sind diese Woche stark vom Wetter – also von Niederschlägen und vom Wind – abhängig», erklärt Hasler. «Das Lawinenbulletin hat je nach Region geringe bis erhebliche Lawinengefahr prognostiziert.» Sobald sich gutes Wetter einstelle, werde sich die Situation schnell bessern und es würden wieder gute Tourenverhältnisse herrschen.

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