«Ehe für alle» - Darum sind gleiche Rechte für homosexuelle Paare umstritten
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«Ehe für alle»Darum sind gleiche Rechte für homosexuelle Paare umstritten

Gegen die «Ehe für alle» ist das Referendum zustande gekommen. Hier erfährst du, was Gegner und Befürworter sagen.

von
Carla Pfister
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Personen in einer eingetragenen Partnerschaft können etwa keine Kinder adoptieren.

Personen in einer eingetragenen Partnerschaft können etwa keine Kinder adoptieren.

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Die «Ehe für alle» würde allen Paaren, egal welchen Geschlechts, die gleichen Rechte geben.

Die «Ehe für alle» würde allen Paaren, egal welchen Geschlechts, die gleichen Rechte geben.

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Die Gegner bezeichnen die Ehe zwischen Mann und Frau als die natürliche Lebensgemeinschaft.

Die Gegner bezeichnen die Ehe zwischen Mann und Frau als die natürliche Lebensgemeinschaft.

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Darum gehts

  • Eingetragene Partner haben weniger Rechte als Ehepartner.

  • Die Vorlage «Ehe für alle» würde gleichgeschlechtlichen Paaren etwa die Adoption von Kindern erlauben.

  • Gegner fürchten um das Wohl der Kinder.

Worum geht es bei der «Ehe für alle»?
Vor sieben Jahren reichten die Grünliberalen (GLP) im Nationalrat eine Forderung zur «Ehe für alle» ein. Im Dezember 2020 verabschiedete das Parlament die Gesetzesvorlage. Diese würde allen Paaren, egal welchen Geschlechts, die gleichen Rechte geben. Gleichgeschlechtliche Paare könnten dann heiraten. Heterosexuelle Paare könnten zudem neu eine eingetragene Partnerschaft eingehen. Das ist etwa von Interesse, wenn sie von einer Ehe absehen, ihre Partnerschaft aber dennoch rechtlich absichern wollen.

Gleichgeschlechtliche Paare haben durch die eingetragene Partnerschaft doch schon die Möglichkeit einer Ehe?
Eingetragene Partner haben weniger Rechte als Ehepartner. Personen in einer eingetragenen Partnerschaft haben verschiedene Nachteile: Bei der Einbürgerung, im Güterstand, im Erbrecht und im Elternrecht. Es ist ihnen auch verboten, Kinder zu adoptieren.

Jan Müller vom Pro-Komitee der «Ehe für alle» sagt: «Was selbstverständlich tönt, ist leider noch lange nicht Realität. Die ‹Ehe für alle› ist ein riesengrosser und notwendiger Schritt für die Gleichberechtigung aller Menschen. Es ist höchste Zeit, die Ungleichbehandlung zu beenden.»

Wer sind die Befürworter?
Alle Parteien ausser die SVP und die EDU sagen Ja zum neuen Gesetz. «Die Gesetzesänderung in der Schweiz – als zweitletztes Land in Europa ohne ‹Ehe für alle› – sei überfällig, sagt das Pro-Komitee. Homo- und Bisexualität seien gesellschaftlich längst anerkannt. Es beruft sich auf die Verfassung, die das Recht auf Ehe und Familie garantiert. Die Diskriminierung für gleichgeschlechtliche Paare wollen sie nun beseitigen. Das Komitee argumentiert zudem mit einer Studie der John Hopkins und Harvard Universität zur Suizidrate: Laut dieser sinkt die Suizidrate bei LGBT-Menschen in Ländern, die die «Ehe für alle» anerkennen.

Was bedeutet es für Kinder, wenn gleichgeschlechtliche Paare heiraten können?
Eine «Ehe für alle» würde nach der Meinung des Pro-Komitees auch Kinder gleichgeschlechtlicher Paare besser schützen. Frauen-Paaren würde sie ausserdem ermöglichen, eigene Kinder zu kriegen. Die Kinder seien im Falle des Todes eines Elternteils rechtlich besser abgesichert.

Warum sollen Homosexuelle nicht heiraten dürfen?
Die Gegner bezeichnen die Ehe zwischen Mann und Frau als die natürliche Lebensgemeinschaft. Sie stören sich daran, dass das Parlament die Vorlage «durch eine blosse Gesetzesrevision durchboxen» wolle. Ihrer Meinung nach ist eine Änderung der Bundesverfassung erforderlich. An der Möglichkeit zur Samenspende für lesbische Paare stören sich die Gegner. Sie befürchten, das Wohl der Kinder würde dadurch gefährdet. Kinder hätten das Recht, ihre Herkunft zu kennen, so die Gegner.

Der Pro-Seite werfen sie eine «Salamitaktik» vor – Stück für Stück erschleiche sie sich mehr Rechte für LGBT-Paare. «Was kommt als Nächstes?», fragen sie in der Medienmitteilung zum Referendum. «Die Leihmutterschaft für schwule Paare – als Degradierung der Frau zur käuflichen Gebärmaschine?» Die Bezeichnung «Ehe für alle» sei ausserdem ein Etikettenschwindel, da es weiterhin unmöglich bleiben würde, mit mehreren Ehepartnern auf ein Mal verheiratet zu sein.

Wie geht es jetzt weiter?
Ein Komitee von Gegnern, vor allem aus konservativen Kreisen wie der SVP und EDU, sammelte genügend Unterschriften für ein Referendum gegen die «Ehe für alle». Die Unterschriften sollen am Montag der Bundeskanzlei zur Prüfung überreicht werden. Hat diese die Unterschriften für gültig erklärt, kommt es voraussichtlich im Herbst zur Volksabstimmung.

LGBTQI+: Hast du Fragen oder Probleme?

Hier findest du Hilfe:

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Du-bist-du.ch, Beratung und Informationen

Lilli.ch, Informationen und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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