Der «Middleton-Effekt»: Darum sind Harry, Miley und Bieber plötzlich brav
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Der «Middleton-Effekt»Darum sind Harry, Miley und Bieber plötzlich brav

Eine neue Sittsamkeit geht um unter den Prominenten: Einstige Skandalgaranten wie Miley Cyrus oder die britischen Royals sind ruhig geworden. Was steckt dahinter?

von
Martin Fischer
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Prinz Harry hat noch das spitzbübische Lächeln im Gesicht. Aber ansonsten ist er in letzter Zeit sehr viel braver unterwegs als in jüngeren Jahren.

Prinz Harry hat noch das spitzbübische Lächeln im Gesicht. Aber ansonsten ist er in letzter Zeit sehr viel braver unterwegs als in jüngeren Jahren.

epa/Fernando Bizerra jr
Von Harry gibt es heutzutage vor allem solche Bilder: Er bereist die Welt und tut Gutes. Hier streicht er eine Wand in Brasilien.

Von Harry gibt es heutzutage vor allem solche Bilder: Er bereist die Welt und tut Gutes. Hier streicht er eine Wand in Brasilien.

epa/Marcos Mendez
Er besucht Kindergärten ...

Er besucht Kindergärten ...

epa/British Embasy / Handout

Vor drei Jahren feierte Miley Cyrus (23) ihre Image-Erneuerung mit rausgestreckter Zunge, kaum existenten Bühnen-Outfits und Kiffer-Einlagen vor laufenden TV-Kameras. Heute macht sie hauptberuflich Charity, hockt am liebsten zu Hause rum und kümmert sich um ihre Haustiere.

Auch ihr Kollege Justin Bieber (22) hält sein Temperament in der Öffentlichkeit zurück. Nach Puffbesuchen, Rasereien, Prügeleien und Eier-Attacken gegen seine Nachbarn hat er sich in letzter Zeit zurückgezogen, meidet jeglichen Fan-Kontakt und nimmt sich regelmässige Time-outs in der freien Natur.

Eine neue Disziplin hat Einzug gehalten

Und was ist eigentlich mit Prinz Harry (32)? Mit Nazikostümen, Nacktpartys und Affären sorgte er einst so zuverlässig für Schlagzeilen. Doch seit Jahren hat man nichts mehr dergleichen von Englands unzähmbaren Prinzen gelesen. Die Skandallieferanten unter den Promis haben ihren Dienst eingestellt.

In einem neuen Artikel schreibt die «Welt» vom «Middleton-Effekt». Seit Kate sich Prinz William geschnappt hat, habe mit ihr eine neue «Disziplin, Verlässlichkeit und Solidität» bei den britischen Royals Einzug gehalten.

«Vorbei ist die Ära der Dianas und Fergies, vorbei die Zeiten, da in aller Öffentlichkeit geliebt, gelitten, verraten und betrogen wurde», heisst es in dem Artikel. Die «Soap-Opera der Windsors», die so lange unter weltweiter Beachtung gelaufen sei, sei mit Kate eingestellt worden. Eben: Nicht mal mehr Harry sorgt für Skandale.

«Dinge tun, die ihnen wirklich was bringen»

Woher kommt diese neue Sittsamkeit unter den Prominenten? Soziologie-Professorin Katja Rost von der Universität Zürich schreibt die Entwicklung zwei Trends zu, die auch allgemein in der Bevölkerung zu beobachten sind.

Zum einen gibt es eine Rückbesinnung auf alte Werte: Man ist wieder mehr zu Hause, kocht selber, verbringt Zeit in der Natur. «Wir sind heute überfrachtet mit Produkten, die austauschbar sind», erklärt Rost. Wenn Miley zu Hause backt oder Justin nackt in einen See hüpft, schaffen sie «persönliche, unvergleichbare Erlebnisse».

Gerade Stars, die bereits viel geleistet und Millionen verdient haben, könnten sich den Luxus leisten, sich von roten Teppichen, oberflächlichen Partys und Ausrufezeichen-Schlagzeilen fernzuhalten. Sie können Dinge tun, «die ihnen wirklich was bringen», sagt Rost.

Das Leben als vorbildliches Projekt

Die zweite Erklärung, die sich sehr gut bei den Royals zeigt: Heute ist es in, «das Leben zu einem vorbildlichen Projekt zu machen», sagt Rost. In Zeiten, in denen alle unsere Aktivitäten gemessen, bewertet und geteilt werden, drehe sich vieles um Selbstoptimierung. Das ist bei Jugendlichen nicht anders als bei Prinz Harry oder den Middletons.

Rost ist überzeugt: «Heutzutage überlegt man sich viel eher, was eine negative Schlagzeile anrichten kann. Prominente wollen ihre Position über eine vorbildliche Lebensführung halten, nicht über Skandale.» Da könne sonst schnell alles aus sein. Kurz: Die Werte und Normen hätten sich verändert – eben auch bei den Berühmten und Erfolgreichen.

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