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Falsche HöflichkeitDarum sind Schweizer im Job nicht ehrlich

In hiesigen Büros zögern die Angestellten mit offener Kritik. Das macht das Lästern beliebt – und vergiftet das Arbeitsklima.

von
dob

Wie geht man gegen Gerede und Geläster im Büro vor? HR-Experte und Buchautor Jörg Buckmann gibt im Video Tipps. (Video: 20M)

Die Schweizer sind für ihre Zurückhaltung und Höflichkeit bekannt. Das zeigt auch der Blick ins Büro: Meinungsdifferenzen werden selten direkt ausgetragen. Höflich nicken und lächeln – das ist die Devise. Gestänkert wird später per Mail oder hinter vorgehaltener Hand mit den gleichgesinnten Arbeitskollegen auf dem Gang.

Das Phänomen ist Business-Knigge-Beraterin Susanne Abplanalp bekannt: «Das kommt sehr häufig vor», sagt sie zu 20 Minuten. Zwar sei Lästern für die eigene Psychohygiene gut. Doch es sorge für ein schlechtes Klima im Büro und belaste die Moral. «Lästern ist ein No-go», so Abplanalp. Scheinbar seien die Schweizer so harmoniebedürftig und machten lieber gute Miene zum bösen Spiel.

«Freundschaftliches Ausweichverhalten»

Laut der Personalexperten-Plattform «HRtoday» steckt hinter diesem «freundschaftlichen Ausweichverhalten» in erster Linie die Angst, das eigene Gesicht zu verlieren oder andere blosszustellen. Heikle Themen würden daher an Sitzungen oder anderen Situationen mit mehreren Personen bevorzugt unter den Teppich gekehrt.

Das sorge jedoch für latente Spannungen und Konflikte, so der Bericht weiter. Eine ehrliche Feedback-Kultur sei so nicht möglich, das Vertrauen im Team über kurz oder lang dahin.

«Einen Knoten im Bauch»

Eine solche Erfahrungen machte auch ein Bankangestellter: Er wurde für seine Arbeit kritisiert. Gesagt hat man ihm das aber nicht ins Gesicht. «Die Person, die neben mir arbeitet, hat mir sogar gesagt, dass meine Vorschläge gut seien», zitiert ihn «HRtoday». Gleichzeitig habe sie aber ein Mail an den Chef geschickt, um sich über seine Arbeit zu beschweren. «Wenn ich jetzt in die Firma komme, habe ich einen Knoten im Bauch», so der Angestellte.

Für das Unternehmen hat solches Verhalten finanzielle Folgen: Motivations- und Produktivitätsverlust belasten die Arbeit. Mitarbeiter würden ihre Zeit nämlich damit verbringen, Hinterlistigkeiten zu entlarven und das Verhalten der Kollegen zu entschlüsseln. Irgendwann würden die besten Mitarbeiter kündigen, andere seien plötzlich öfters krank.

«Sachliches aufeinander Einprügeln»

Wie es anders gehen kann, zeigt das Beispiel Deutschland. Dort sind die Umgangsformen zwar ruppiger und rauer. Doch auch dem Chef getrauen sich Mitarbeiter schon mal die eigene Meinung zu sagen. Das kann dann durchaus zu heftigen Diskussionen führen. «HRtoday» spricht dabei von einem «sachlichen aufeinander Einprügeln». Doch am Ende würden die Beteiligten sich gegenseitig auf die Schulter klopfen und gemeinsam ein Feierabendbier geniessen.

So empfiehlt auch Knigge-Expertin Abplanalp, Probleme und Kritikpunkte offen und direkt anzusprechen. Und damit sollte man nicht zu lange zuwarten. «Denn je länger man wartet, desto intensiver ist die Missstimmung.»

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Schweizer bevorzugen am Arbeitsplatz den politisch Korrekten weg: Sie halten sich mit offener Kritik zurück.

Schweizer bevorzugen am Arbeitsplatz den politisch Korrekten weg: Sie halten sich mit offener Kritik zurück.

Milkos
Die Zurückhaltung ist nicht immer von Vorteil. Oft wird dann einfach mit gleichgesinnten Arbeitskollegen über den Fehlbaren gelästert.

Die Zurückhaltung ist nicht immer von Vorteil. Oft wird dann einfach mit gleichgesinnten Arbeitskollegen über den Fehlbaren gelästert.

Keystone/Christian Beutler
Das vergiftet das Arbeitsklima und belastet die Finanzen des Unternehmens.

Das vergiftet das Arbeitsklima und belastet die Finanzen des Unternehmens.

Keystone/Gaetan Bally

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