Aktualisiert 26.03.2019 12:17

Preis, Akku, NutzenDarum sollten Sie noch kein 5G-Handy kaufen

Erste 5G-Smartphones wurden vorgestellt und kommen noch 2019 in die Läden. Was spricht dagegen? Ein Experte erklärt.

von
R. Knecht
1 / 14
Zwar kommen die ersten 5G-Smartphones schon diesen Sommer auf den europäischen Markt – wegen 5G lohnt es sich für Kunden aber nicht, sie zu kaufen.

Zwar kommen die ersten 5G-Smartphones schon diesen Sommer auf den europäischen Markt – wegen 5G lohnt es sich für Kunden aber nicht, sie zu kaufen.

Keystone/Hauke-christian Dittrich
Die Technologie bietet zuerst vor allem für Industrieanwendungen Vorteile.

Die Technologie bietet zuerst vor allem für Industrieanwendungen Vorteile.

Keystone/Christian Beutler
Dazu kommt, dass die ersten 5G-Geräte extrem teuer sind. Etwa das faltbare Smartphone Mate X von Huawei, das ab 2600 Franken kosten soll.

Dazu kommt, dass die ersten 5G-Geräte extrem teuer sind. Etwa das faltbare Smartphone Mate X von Huawei, das ab 2600 Franken kosten soll.

AP/Manu Fernandez

Schon im Sommer sollen die ersten 5G-Smartphones auf den europäischen Markt kommen. Schweizer Telecom-Firmen versprechen jetzt schon grössere Kapazitäten und höhere Geschwindigkeiten, wenn das 5G-Netz parat ist und die neuen Geräte erst einmal da sind. Was die Anbieter hingegen lieber nicht verraten: Auch wenn Kunden schon dieses Jahr 5G-Smartphones kaufen können, profitieren sie aktuell noch wenig bis gar nicht von 5G.

Die neue Technologie werde zuerst einmal der Industrie nützen, sagt der Telecom-Experte Jean-Claude Frick von Comparis. So ermöglicht 5G etwa Anwendungen wie die Steuerung von Industrieanlagen, selbstfahrende Autos und das Internet der Dinge (siehe Box) – mit Smartphones hat das allerdings wenig zu tun.

5G-Handy lohnt sich nicht

«Aktuell lohnt es sich sicher noch nicht, ein Smartphone mit 5G-Chip zu kaufen», sagt Frick zu 20 Minuten. Der Grund ist nicht nur, dass man als Smartphone-Nutzer noch kaum von 5G profitieren wird – preislich dürften die Geräte anfangs auch in einer eigenen Liga spielen. So wird etwa das faltbare Luxus-Handy Mate X von Huawei ab 2600 Franken erhältlich sein. Es ist eines der ersten 5G-Geräte, dessen Preis bekannt ist.

Dazu kommt, dass die ersten 5G-Smartphones laut Frick mehr Akku brauchen werden. Die notwendigen Chipsätze würden zuerst nicht so optimiert sein wie bei den 4G-Geräten. Wer Wert auf lange Akkulaufzeit legt, dürfte mit 4G also sowieso vorerst besser bedient sein.

Kunden sollen auf 5G heiss werden

Mit dem Versprechen eines verbesserten Mobilfunks versuchen die Telecom-Anbieter laut Frick allerdings, «Kunden schon jetzt auf 5G heisszumachen», weil Industrieanwendungen den meisten Konsumenten nicht wichtig seien – selbst wenn ein Smarthome oder ein selbstfahrendes Auto letztlich eine grosse Veränderung für die Nutzer darstellen würde.

Der Telecom-Experte schätzt, dass die Vorteile für Smartphone-Nutzer erst um 2021 spürbar sein werden. Dann würden die meisten Geräte 5G integriert haben und die passenden Abos und Dienste verfügbar sein.

Für Smartphone-Nutzer wird der Hauptvorteil von 5G dann aber nicht die Geschwindigkeit, sondern die höhere Kapazität des Netzes sein. Dadurch könnten mehr Geräte gleichzeitig verbunden sein und es gebe weniger Netzüberlastungen, wie das etwa in Zügen, an Bahnhöfen oder bei grossen Publikumsanlässen vorkomme, sagt Frick.

Das bringt 5G der Industrie

Hauptvorteil von 5G ist einerseits die niedrigere Verzögerungszeit: Zwischen Sender und Empfänger beträgt die Verzögerung rund 1 Millisekunde, bei 4G sind es rund 50 Millisekunden. Zudem bietet 5G hohe Bandbreiten: Die Swisscom demonstrierte auf einem Testnetz 20 Gigabit pro Sekunde – damit kann man jede Sekunde 2,5 Gigabyte laden. Das verspricht sich die Industrie von diesen Vorteilen:

- Steuerung von Industrieanlagen

In der sogenannten Industrie 4.0 geht es darum, Prozesse zu automatisieren, indem man die Maschinen in einer Anlage vernetzt. Dank der hohen Kapazität von 5G können extrem viele Maschinen gleichzeitig mit dem Netz verbunden sein. Die niedrige Verzögerung ermöglicht es zudem, Daten in Echtzeit auszuwerten. So lassen sich Produktionsausfälle vorhersehen oder Maschinen im Falle eines Fehlers sofort stoppen.

- Internet der Dinge

Für die Automatisierung von Gegenständen ist die niedrige Verzögerung teils von grosser Bedeutung, erklärt Andrew Paice, Leiter des Forschungszentrums iHomeLab. Wenn zwei Gegenstände sich kurze Nachrichten schicken und innert Millisekunden eine Antwort benötigen, werde die kabellose Kommunikation erst mit 5G möglich. Das könnte etwa bei sicherheitskritischen, medizinischen Anwendungen wichtig sein.

- Selbstfahrende Autos

Beim Autofahren ist vor allem die Reaktionsszeit wichtig. Jedes Auto muss mit den anderen Fahrzeugen sowie Sensoren auf der Strasse kommunizieren und kann dabei keine Verzögerung in Kauf nehmen. Erscheint etwa unerwartet ein Hindernis auf der Strasse, muss der Fahralgorithmus das anhand all der Sensordaten schnell genug identifizieren und ein Ausweichmanöver einleiten können, ohne andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.